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Mondo Cane

Italien, 1962

  • Originaltitel: Mondo cane
  • Alternativtitel:

    Mundo Cão (BRA)

    Perro mundo (COL)

    Este perro mundo (ESP)

    Cette chienne de vie (FRA)

    Mondo Cane No. 1 (USA)

    A Dog's Life

  • Deutsche Erstaufführung: 14. September 1962
  • Regisseur: Paolo Cavara, Gualtiero Jacopetti, Franco E. Prosperi
  • Kamera: Antonio Climati, Benito Frattari
  • Musik: Nino Oliviero, Riz Ortolani
  • Drehbuch: Paolo Cavara, Gualtiero Jacopetti
  • Inhalt:

    Wie soll man eine Inhaltsangabe zu einem Mondofilm schreiben, ohne diesen nicht gleich auf „Herz und Nieren zu prüfen“? Das funktioniert nicht. Aus diesem Grunde übernehme ich die Texttafel, welche zu Beginn des Films eingeblendet wird.

     

    “All the scenes you will see in this film are true and are taken only from life. If often they are shocking, it is because there are many shocking things in this world. Besides, the duty of the chronicler is not to sweeten the truth, but to report it objectively.”

     

    So, jetzt können wir loslegen.

  • Autor: Frank Faltin
  • Review:

    Wurden die „geächteten“ und grauenvollen Bilder der Spielfilme tatsächlich von der brutalen Realität überholt? Schließlich nehmen wir die schrecklichen Fakten über Krieg und Mord (sofern es nicht vor unserer Haustür passiert) nur noch nebenbei wahr. Ganz im Gegensatz zu den provokanten und tabuverletzenden Filmstoffen, die immer wieder die empfindlichen Stellen der Rezipienten treffen. Schau ich mir den Markt für solche „Entgleisungen“ an, so werde ich mit diversen Abartigkeiten konfrontiert. Widerwärtige Folter-, Verstümmelungs-, Kotz- und Kotware, die unter diversen Termini geführt werden. Von ihren Getreuen zum Ausreizen der Belastungsgrenzen benötigt. Ganz toll, aber:

     

    Waren die Filmemacher und Filmkonsumenten vor mehr als 50 Jahren eigentlich sensibler?

     

    Reiz und Ächtung von „verbotenen Bildern“ können auf eine lange (und Hand in Hand gehende) Tradition zurückblicken. In den frühen 1930er Jahren konnte Buñuel mit seinem Film „Das goldene Zeitalter“, einerseits eine bestimmte Klientel von Filmliebhabern begeistern, andererseits die rechtsextremistische „Action française“ zum „Stiefelpogo“ animieren. Buñuel zog gegen Staat und Gesellschaft in den Krieg, was dem Film (als damals logische Schlusskonsequenz) ein Verbot einbrachte. Heute sieht man „L’Âge d’Or“ als Kunst, aber zum damaligen Zeitpunkt war es Mut zur cineastischen Provokation.

     

    In der BRD wurde der erste große Kinoskandal, 1963, durch Ingmar Bergmanns „Das Schweigen“ ausgelöst. Bergmann konfrontierte die prüde Nachkriegsgesellschaft erstmals mit Szenen, die sie (in einer derartigen Deutlichkeit) noch nie gesehen hatte. Die Kinosäle waren gefüllt, aber vor ihnen scharte sich die neu gegründete „Aktion Saubere Leinwand“ um Flagge gegen einen drohenden Sittenverfall zu zeigen. Dass diese Damen und Herren Bergmanns Film „etwas“ falsch interpretierten, ist eine andere Geschichte… und bevor die Schose noch weiter ausartet:

     

    Back to Topic.

     

    Im Jahre 1962 hoben Franco Prosperi, Paolo Cavara und Gualtiero Jacopetti eine neue Art des Dokumentarfilms aus dem Taufbecken. Dieses Kind, namens „Mondo Cane“, war (und ist) maßgebend für ein daraus resultierendes Subgenre des Exploitationsfilms: der Mondofilm. Mit mehr als 30 diversen Sequenzen liefert „Mondo Cane“ einen globalen Einblick in die Riten, Essenskulturen, Sadismen und Gewalttätigkeiten der La Bête Humaine. Ein Ausflug, der uns nach Afrika, Asien, Europa und in die USA führt.

     

    Wir starten in Castellaneta, wo (lt. der deutschen Erzählerstimme) alle Einwohner miteinander verwandt oder verschwägert sind, und nehmen an einer Gedenkfeier zu Ehren der Leinwandlegende Rodolfo Valentino teil. Mit vielen Großaufnahmen von Gesichtern werden uns die möglichen Nachfolger des „großen“ Rodolfo vorgestellt. Natürlich hatte keine dieser Dummbratzen das Zeug, dem „Great Lover of the 1920s“ (zumindest annährend) „das Wasser zu reichen“. Somit fliegen wir auch gleich nach Amiland um Rodolfos Erben, „Mister Bizeps di Amore“ Achmed Rozzano Brazzi, zu treffen. Es folgt ein gestellter Starkult, der mich langsam aber sicher zweifeln lässt ob ich wirklich im richtigen Film gelandet bin.

     

    Doch nach ca. 15 Minuten werden wir mit Armut, Hunger und geheimnisvollen Ritualen (5 Jahre hungern, 3 Tage fressen) konfrontiert. Fortan herrscht der Vergleich zwischen den unterschiedlichen Kulturen. Was auf der einen Seite strange und eklig wirkt, wird mit ähnlichen Gebräuchen (aus den angeblich gesitteten Gefilden) gekontert. „Mondo Cane“ bietet stets die Spiegelbilder zu diversen Abartigkeiten. Dabei geht der Film, neben Ess- wie Trinkgewohnheiten und Irrglaube, auch auf das ewige Duell zwischen Mensch und Tier ein. Daraus resultieren die härtesten Sequenzen, denn man konzentriert sich darauf möglichst viele verstümmelte Menschen zu demonstrieren. Fehlende Gliedmaßen, dank des Killerinstinkts von Haien. Die Rache der Betroffenen ist nicht weniger grausam.

     

    “Come on without.
    Come on within.
    You'll not see nothing like the mighty Quinn.”
    (Bob Dylan)

     

    Der exploitative Tenor des Films schlägt nicht immer in die glühende Kerbe der Sensationslust. Somit muss man sich mit einigen faden Passagen auseinandersetzen. Der Besuch eines Autofriedhofs, sowie eine Übungsstunde im Hula-Tanz zeigen sich als deplatziert. Einige der älteren Tanzschülerinnen machen übrigens den Eindruck als seien sie später auf einem Cover der „Dead Kennedys“ verewigt worden. Ebenfalls sehr öde ist der Einblick in die 1960er „Spritterszene“ auf der Reeperbahn. Um verkaterte Knallschoten zu sehen, muss ich nur vor die Tür gehen, das ist es wesentlich spannender, aber leider auch ekliger.

     

    Es ist somit nicht alles Gold was glänzt, und der angebliche „Citizen Kane des Mondofilms“ muss sich sehr wohl negative Stimmen gefallen lassen. Über jeden Zweifel erhaben ist allerdings das Maintheme „Ti Guadero nel Cuore”. Eine Gemeinschaftskomposition von Nino Oliviero und Riz Ortalani. Dieses wunderschöne instrumentale Tonwerk wurde von zahlreichen Gesangskünstlern interpretiert. Mein absoluter Favorit stammt natürlich von Frank Sinatra. Somit lasst uns gemeinsam mit Frankie Boys Voice dahin schmelzen und diesen durchschnittlichen Mondofilm - in (s)einem (zumindest) audiovisuellen Glanz - ausklingen.

     

    “I know I never lived before and my heart is very sure,
    No one else could love you more, no one else could love you more.”

     

    Wow!

  • Autor: Frank Faltin
  • Veröffentlichungen:

    „Mondo Cane“ wurde (ca. 2005) erstmals ungeschnitten (die deutsche VHS ist um ca. 18 Minuten gekürzt) von X-Rated (X-NK) auf den deutschen Sammlermarkt „geworfen“. Diese, in der VHS Version fehlenden (und nicht sonderlich bereichernden) Szenen sind deutsch untertitelt.

     

    Als Extras beinhaltet die DVD diversere, den Film bewerbende, Trailer und Radiospots, sowie die A- und B-Seite der Original-Soundtracksingle.

  • Autor: Frank Faltin
  • Filmplakate

    Links

    OFDb
    IMDb

     

     

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