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Mögen sie in Frieden ruhen

Deutschland | Italien, 1966/1967

  • Originaltitel: Requiescant
  • Alternativtitel:

    Réquiem Para Matar (BRA)

    Que en paz descansen (COL)

    Dio crea gli uomini, Requiescant li uccide (IT)

    Os Assassinos também choram (POR)

    Let Them Rest (USA)

    Kill and Pray

    Mögen sie in Frieden ruh'n

  • Deutsche Erstaufführung: 28. Juli 1967
  • Regisseur: Carlo Lizzani
  • Kamera: Sandro Mancori
  • Musik: Riz Ortolani
  • Drehbuch: Lucio Battistrada, Adriano Bolzoni, Franco Bucceri, Armando Crispino, Renato Izzo, Pier Paolo Pasolini
  • Inhalt:

    Während eines Massakers in Fort Hernandez, San Antonio, lässt Col. George Ferguson (Mark Damon) eine Gruppe von Mexikanern töten, um deren Land für sich und seine Freunde in Besitz zu nehmen. Kurz nach dem Massaker wird ein am Kopf verletzter kleiner Junge von einem Prediger und dessen Frau gefunden und aufgenommen. Der Junge wächst bei ihnen mit deren Tochter Princy auf, zu der er tiefe Zuneigung fasst. Er selbst erinnert sich nicht an seine Herkunft.

     

    Als die Beiden erwachsen sind, läuft Princy (Barbara Frey) von ihren Eltern weg, um sich einer Tanztruppe anzuschließen. Ihr Halbbruder (Lou Castel), der sich fortan „Requiescant“ nennen wird, verspricht, sie zurück zu holen. Zudem entdeckt er, dass sein heimliches Wurfmessertraining ihn zu einem unfehlbaren Pistolenschützen gemacht hat.

     

    Er findet Princy schließlich in San Antonio, wo sie sich in einem Saloon für den Revolverhelden Dean Light (Ferruccio Viotti) prostituiert, der für Ferguson arbeitet. Requiescant will das Problem zunächst friedlich lösen und will Ferguson um Princys Freilassung bitten. Der befiehlt seinem Untergebenen Dean Light auch, diesem Wunsch nachzukommen, doch der spielt nicht mit.

     

    Requiescant entführt Princy und versteckt sich in einem verfallenen Fort, wohin ihn ein stummer Helfer geführt hat. Als dieser Requiescant die zahlreichen noch immer im Sand liegenden Skelette vor dem Fort zeigt, erinnert sich Requiescant an seine Herkunft und die Ermordung seines Vaters durch Ferguson und seine Männer. Währenddessen wird der Stumme getötet, Princy verschleppt und ermordet.

     

    Mithilfe des mexikanischen Paters Don Juan (Pier Paolo Pasolini) und dessen Verbündeten sinnt er auf Rache und die Rückgabe der Grundbesitztümer an die Mexikaner.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Gleich nach dem eher durchwachsenen doch durchaus noch sehenswerten „Eine Flut von Dollars“ (Un fiumi di dollari) zeigte Carlo Lizzani mit „Requiescant“, dass es eben doch sorgfältiger und beeindruckender geht. Obwohl „Mögen Sie in Frieden ruh’n“ sicher keine große Produktion war, verhelfen wechselnde Locations, zahlreiche Nebenstränge, sorgfältige - wenn auch nicht immer logische -Charakterisierungen und ein dazugehöriger Cast diesem Italo-Western zu einem gewissen Kultstatus. Und mein Gott, ist der Film herrlich Links! Italien halt.

     

    Bleiben wir zunächst bei den Charakteren. Requiescant, gespielt von Lou Castel, hat vor seinem ersten Getöteten im Film keinen Namen, jedenfalls keinen, an den er sich erinnert. Das kommt erst später. Die Predigerfamilie, die ihn aufgenommen hat, gab ihm sicher auch einen Namen, aber den erfahren wir nicht. Als er sich zu der Suche nach seiner entlaufenen Schwester entschließt, ist er in Sachen Töten absolut noch Jungfrau, schafft es dann aber keine paar Minuten, es auch zu bleiben. Tatsächlich erschießt er seine ersten zwei Menschen – Bankräuber – fast schon versehentlich. Der Charme dieses Charakters liegt sicherlich in der für einen Western ungewohnten pausbäckigen Unschuld dieses noch sehr jungen Mannes, der nach dem Töten stets ein gebt für sein Opfer spricht. Zudem, tötet er nur, wenn andere friedlichere Wege fehlgeschlagen sind. Er versucht also, ein guter Mensch zu sein.

     

    Der zweitwichtigste Charakter des Films ist natürlich sein Gegenspieler Ferguson, gespielt von Mark Damon. Ferguson ist ein ehemaliger Südstaatenoffizier und Sklavenhalter, ein Aristokrat, der alle Nicht-Aristokraten für minderwertig hält. Seine Frau, die er zur Ehe gezwungen hat, nachdem er ihren Vater tötete, ist eine seiner ärgsten Feindinnen, sie hasst ihn, wird von ihm oft in einer Gummizelle im Haus gehalten und gebiert ihm keine Kinder, wobei unklar bleibt, ob das wirklich an ihr liegt. Denn obwohl Ferguson zu Anfang des Films noch eine wirklich starke Persönlichkeit zeigt, verfällt er im Laufe des Geschehens und eine gewisse geistige und körperliche Degeneration wird sichtbar. Hier auch eine der schrecklichsten Szenen des Films, in der Ferguson seine Frau erdrosselt, nachdem diese Requiescant geholfen hat.

     

    Eine kleiner aber gewichtige Rolle spielt auch Pier Paolo Pasolini, der zahlreiche revolutionäre Reden schwingen darf, und überhaupt liegt eine der großen Stärken von „Mögen Sie in Frieden ruh’n“ in seinen symbolträchtigen Dialogen. Neben Pasolini sind ebenfalls Franco Citti und Ninetto Davoli dabei, die unter anderem in einigen Pasolini-Filmen zu sehen waren.

     

    Auch die weitere Besetzung des Films ist sorgfältig und kommt völlig ohne Knallchargen aus. Hier will ich mich aber nicht aufs Glatteis begeben, denn einige Besetzungen und deren Rollen sind mir unklar geblieben, da nicht jedem Namen zugeordnet sind.

     

    Was seltsamerweise hier sehr gut funktioniert sind gewisse Stilwechsel. Dabei sei zum Beispiel erwähnt, wie Lou Castel sein Pferd stets mit einer Bratpfanne antreibt, was zwar absurd aussieht, ohne aber komisch zu wirken. Bedrohlich und seltsam komisch zugleich dagegen das Duell zwischen Requiescant und Dean Light: beide stehen auf Hockern im Saloon, eine Galgenschlinge um den Hals, Schlag Zwölf wollen sie sich die Hocker unter den Füßen wegschießen – und dazu spielen Pasolini und seine Mexikaner fröhliche Musik, und die Frau singt so schlecht, dass es die reinste Freude ist. Zudem sieht zu Anfang des Films alles nach einer gewöhnlichen Rachestory aus, doch dann kommen wir mitten in ein Drama, um schließlich in einer Revolution zu enden. Aber, wie gesagt, es funktioniert, wohl weil es von Carlo Lizzani inszeniert wurde. Mir fiele da schon so mancher Italo-Regisseur ein, der aus diesem Drehbuch ein Desaster gemacht hätte.

     

    Für mich hat dieser Film nur ein - zugegeben winziges - Manko, und das ist (jetzt hassen mich alle) die musikalische Untermalung von Riz Ortolani. Denn es ist nur eine Untermalung. Die Musik an sich ist natürlich nicht schlecht, schließlich IST es DER Riz Ortolani, aber ein wenig mehr Düsterkeit und weniger Durchschnitt hätte diesem Film musikalisch gut getan.

     

    Ansonsten – einer der großen Höhepunkte des Italo-Westerns.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Veröffentlichungen:

    Nach der Uncut-DVD von Koch Media (die mir irgendwie nie in einem Laden begegnet ist?), gibt es nun eine Blu Ray/DVD-Combo von Arrow Films mit englischem und italienischem Ton nebst englischen Untertiteln, ebenfalls uncut. Also nicht von der Laufzeitangabe (z. B. auf „Amazon“) von 92 Minuten irritieren lassen, die geht 106 Minuten. Zusätzlich bietet die zu einem Interview mit Carlo Lizzani – vermutlich dasselbe wie bei Koch Media, kann ich aber nicht beschwören – ein Interview mit Lou Castel und das obligatorische Booklet, hier mit einem neuen und bebilderten Text von Pasquale Iannone.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Filmplakate

    Links

    OFDb

    IMDb

     

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