Mein Körper für ein Pokerspiel

Italien, 1968

  • Originaltitel: Il mio corpo per un poker
  • Alternativtitel:

    A Pistoleira de Virginia (BRA)

    Belle Starr (FRA)

    The Belle Starr Story

  • Deutsche Erstaufführung: 11. Oktober 1968
  • Regisseur: Piero Cristofani, Lina Wertmüller
  • Kamera: Alessandro D'Eva
  • Musik: Charles Dumont
  • Drehbuch: Piero Cristofani, Lina Wertmüller
  • Inhalt:

    Die gesuchte Banditin und Belle Starr (Elsa Martinelli) unterliegt in einem Pokerspiel dem Bandenchef Larry Blackie (George Eastman) und schuldet ihm dafür eine Liebesnacht. Zwischen dem verhinderten Paar entbrennt ein Machtspiel, das seinen Höhepunkt in einem Diamantenraub findet, bei dem jeder der Schnellere sein will. Doch der verläuft für Beide nicht wie geplant.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    „Mein Körper für ein Pokerspiel“ ist kein typischer Italo-Western, nicht mal annähernd. Dieses Frühwerk von Lina Wertmüller dürfte nach Fertigstellung panische Schweißausbrüche bei Produzent Oscar Righini verursacht haben, denn so hatte er sich das bestimmt nicht vorgestellt.

     

    Ich persönlich war angenehm überrascht, denn fernab von unzähligen Django-Adaptionen und Für eine Handvoll Dollar-Aufgüssen trägt der Film Wertmüllers eigene Handschrift in stärkerem Maße als erwartet. Dies zeigt sich vor allem in der Dynamik zwischen dem Liebespaar Belle Starr und Larry Blackie, ein Wechselspiel, wie man es noch deutlicher in späteren Werken zwischen Giancarlo Giannini und Mariangela Melato zu sehen bekommt. Ihm stehen seine Machoallüren im Weg, sie schwankt zwischen ihrem Drang frei und unabhängig zu sein und ihrer Lust an vorübergehender Unterwerfung. Action gibt es natürlich auch, insbesondere einen verdammt guten Shootout in einem Saloon zwischen Belle Starr und ein paar Pöblern. Für ausreichend Peitschen-Unterhaltung ist ebenfalls gesorgt.

     

    Spätestens bei den zahlreichen Rückblenden, in denen wir mehr über Belle Starrs gestörtes Verhältnis zu ihrem Vater erfahren - den sie in den Jahren seiner Abwesenheit wegen des Bürgerkrieges zu einem perfekten Idol hochstilisiert hat, nur um dann nach seiner Rückkehr zu erkennen, was für ein egoistisch-rassistisch-pervertiertes-frauenmissbrauchendes Ferkel er ist – kann man erkennen, dass der Einfluss des Regie-Assistenten Piero Cristofani (als Co-Autor und Co-Regisseur benannt) eher gering ausgefallen sein dürfte. Interessant ist auch der Ansatz, dass es in Belle Starrs Leben durchaus nette Männer gab - z. B. Jugendfreund Cole Harvey (Robert Woods) – doch im Augenblick der Lust verwandeln sich die männlichen Protagonisten dieses Films in fast schon entmenschlichte Tiere. Jedenfalls nehmen Belle und ihre Freundin Jessica (Francesca Righini) sie so wahr.

     

    Bravourös ist hier einer Frau als Regisseurin zumindest das gelungen, was ein Mann – Regisseur Gian Rocco – im selben Jahr so unglamourös mit „Das Coltstrumpfband“ verkackt hat: dem italienischen Western eine starke weibliche Heldenfigur zu geben, selbst wenn diese nicht immer so genau weiß, was sie überhaupt will. Perfekt besetzt ist diese Rolle mit einer schönen Rothaarigen, nämlich „Das Reismädchen“ Elsa Martinelli, die hier einen Charakter zum Besten gibt, der, während man noch damit beschäftigt ist verträumt ihre Sommersprossen zu bewundern, einem einfach eine aufs Maul haut. Und das in schwarzem Leder.

     

    Thema Maul, die deutsche Synchro ist grenzwertig. Insbesondere zu Anfang spricht George Eastman viel mehr als sich seine Lippen bewegen und es kommt nicht viel Sinnvolles über dieselben. Mit der Zeit scheint sich das zu geben, leider nicht zur Gänze. Insgesamt werden Italowestern-Fans unter Umständen nicht so auf ihre Kosten kommen, mir dagegen kam diese Abwechslung vom Durchschnitt mal ganz gelegen.

  • Autor: Gerald Kuklinski
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