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Ein Mann auf den Knien

Italien, 1979

  • Originaltitel: Un uomo in ginocchio
  • Alternativtitel:

    A Man on His Knees (US)

  • Regisseur: Damiano Damiani
  • Kamera: Ennio Guarnieri
  • Musik: Franco Mannino
  • Drehbuch: Nicola Badalucco, Damiano Damiani
  • Inhalt:

    "Siehst Du den da draußen... das ist einer, der für Geld Leute umbringt und er sucht Dich, Nino"

     

    Der ehemalige Autoschieber Nino Peralta (Giuliano Gemma) versucht mittlerweile ein halbwegs rechtsschaffendes Leben mit seiner Ehefrau Lucia (Eleonora Giorgi) und dem gemeinsamen Sohn (Fabrizio Forte) zu führen und verdient daher als Inhaber eines kleinen Strassenkiosks den benötigten Lebensunterhalt für seine Familie auf Legalem Wege zusammen. Doch als ihn sein engster Freund Sebastiano Colicchia (Tano Cimarosa) eines Tages mit den obigen Worten begrüßt, bricht für Nino und seine kleine Familie die Welt zusammen.

     

    Nichtsahnend belieferte er eine Zeit lang den Fischgroßhändler Ciccio Capuana mit Lebensmitteln, da sich dessen Großhandelszentrale in unmittelbarer Nachbarschaft seines Kioskstandorts befindet. Somit lieferte er diesem täglich die erwünschte Ware frei Haus ohne dabei zu merken, dass es sich bei dieser Lokalität um den Ort eines grausamen Verbrechens handelte: Denn eine Woche zuvor entführte eine aufstrebende Verbrechensorganisation die Ehefrau des mächtigen Rechtsanwalts Marinis und ließen diese anschließend in der Fischgroßhandelszentrale Capuanas gefangen halten. Mit dieser Aktion sollte das alte und vorherrschende Syndikat, dem auch der Rechtsanwalt Marini angehört, erpresst und die aktuellen Machtverhältnisse aufgeweicht werden. Leider wurde dabei aber das Machtpotential des gegnerischen Syndikats unter der Führung von Don Vincenzo Fabricante (Ettore Manni) maßlos unterschätzt, so dass dieser aufgrund des Hinweises eines Verräters aus den Reihen Capuanas das Entführungsversteck in einer gewaltsamen Aktion hochgehen und die Frau aus ihrer Qual befreien ließ.

     

    "Sie haben ihm die Fingernägel herausgerissen, die Leute sind nicht zimperlich"

     

    Da der Unschuldige Nino Peralta beim täglichen Betreten und Verlassen des Tatorts gesehen wurde und sich in Verbindung mit einem weiteren, kleinen unterlaufenen Missgeschick aus der Sichts des Dons somit eine Mittäterschaft seiner Person an diesem Verbrechen vermuten lässt, findet sich der unschuldige Kioskbesitzer plötzlich neben 7 weiteren Tatpersonen auf einer in der Presse veröffentlichten Abschussliste des Syndikats wieder:

     

    "Sie haben vor, 8 umzubringen. Diejenigen die die Entführung der Frau angeordnet haben, die sie bewacht haben und die das Essen brachten"

     

    Die Veröffentlichung dieser Abschussliste dient der Mafia als Instrument ihrer Machtdemonstration und die bekanntgegebene Opferzahl ist grundsätzlich als unwiderrufbar und verbindlich anzusehen. Doch als dann auch noch plötzlich Antonio Platamonte (Michele Placido) als potenzieller Todesengel auf den Plan tritt, macht sich bei den Peraltas eine im weiteren Verlauf des Films eine immer stärker werdende Paranoia breit, da scheinbar kein Ausweg mehr besteht, dem beschlossenen Todesurteil noch irgendwie entgehen zu können....

  • Autor: Richie Pistilli
  • Review:

    Und gerade dieses bedrückende Gefühl "der Ohnmacht und Machtlosigkeit” gegenüber dem unaufhaltsamen Unheil setzt Regisseur Damiano Damiani in dieser außerordentlichen Inszinierung wieder meisterhaft um. Ähnlich wie bereits bei seinem Vorgänger "Ich habe Angst” handelt es sich auch hier um einen großartigen und hochspannenden Paranoia-Thriller der Extraklasse.

     

    Die schauspielerische Leistung von Giuliano Gemma und seinen Mitstreitern bewegt sich auf einem außerordentlich hohen Niveau, wobei aber gerade Michele Placido hier in der Rolle des vermutlichen Todesengels einfach Alles toppt. Eine fantastische Leistung! Die perfide Beziehungsgestaltung der beiden Filmcharaktere Gemmas und Placidos könnte angesichts dieses glanzvollen Zusammenspiels fast schon als oscar-reif bezeichnet werden (welch' grausamer Begriff) und Letztgenannter treibt in seiner Rolle als potenzieller Killer ein undurchschaubares Spiel bis zur letzten Sekunde auf aller höchstem Niveau. Unglaublich gut!

     

    Im Finale kommt es dann zu einer heftigen Explosion dieser spannungsgeladenen Beziehungsdynamik, die dem Wahnsinn dann endgültig Freilauf gewährt . Ganz großes Kino!

     

    Die Rolle des liebenswürdigen, aber etwas chaotischen und sehr temperamentvollen Kollegen Colicchia's (gespielt vom einzigartigen Tano “die Kartoffel” Cimarosa) heitert den zunehmend düster werdenden und insgesamt sehr bedrückenden Filmverlauf immer mal wieder etwas auf, ohne dabei aber auch nur ansatzweise in die Klamaukrichtung abzudriften bzw. albern zu wirken.

     

    Zudem gibt es auch noch eine Menge bekannter und immer wieder gern gesehener Gesichter wie u.a. Eleonora Giorgi, Ettore Manni, Nello Pazzafini oder Luciano Catenacci zu bestaunen und die deutsche Synchro kann hierbei auch als recht gelungen angesehen werden. Sehr schade, dass diese außerordentliche Filmperle des italienischen Kinos hierzulande wohl bisher nur eine TV-Auswertung zugesprochen bekam und dürfte daher sehr gerne in Form einer silbernen Scheibe das Licht der Welt erblicken.

     

    Fazit: Ein sehr intensiver und bedrückender Paraoia-Thriller, der mit einer Besetzung in Bestform aufwartet.

  • Autor: Richie Pistilli
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