The Man with Icy Eyes

Italien, 1971

  • Originaltitel: L'uomo dagli occhi di ghiaccio
  • Alternativtitel:

    O Homem dos Olhos de Aço (BRA)

    El hombre de los ojos de hielo (ESP)

  • Regisseur: Alberto De Martino
  • Kamera: Gábor Pogány
  • Musik: Peppino De Luca
  • Drehbuch: Adriano Bolzoni, Massimo De Rita, Arduino Maiuri, Vincenzo Mannino
  • Inhalt:

    „Um Mitternacht wirst Du sterben!“

     

    Als eines schönen Abends im Bundestaat New Mexico ein zwielichtiger Senator a.D. beim Betreten seines Hauses völlig unverhofft von einem unbekannten Täter das Lebenslicht ausgeblasen bekommt, geht der ermittelnden Polizei auch schon kurz darauf ein Tatverdächtiger mexikanischer Abstammung ins Netz. Während des anschließenden Verhörs durch die örtlich zuständige Staatsanwaltschaft verschärfen sich weitere Verdachtsmomente gegen den schließlich wegen Raubmords angeklagten Carlos Veldese (Giovanni Petrucci), da diesen nicht nur die am Tatort vorgefundene Tatwaffe, sondern erst recht die sehr erdrückende Zeugenaussage der Nachtclubtänzerin Anne Saxe (Barbara Bouchet) schwer belastet. Dabei beteuert er durchwegs seine Unschuld und streitet vor der Justiz vehement das ihm vorgeworfene Verbrechen ab. Doch das Hohe Gericht lässt ihm gegenüber keinerlei Gnade walten und verurteilt den völlig entsetzt dreinschauenden Carlos schlussendlich zur Todesstrafe in der Gaskammer.

     

    Glücklicherweise gibt es da aber auch noch den aufstrebenden und hochmotivierten Journalisten Eddie Mills (Antonio Sabato), der den Fall für eine lokale Tageszeitung mitverfolgt und dabei für die entsprechenden Schlagzeilen auf der Titelseite sorgt. Da der Journalist während seiner Recherche aber immer häufiger an der Schuld des angeklagten Mexikaners zu zweifeln beginnt, verlagert er seinen Ermittlungsschwerpunkt auf das Umfeld des fragwürdigen Ex-Senators und bringt dabei so einige Widersprüche ans Tageslicht. Als er dann auch noch auf den aus Funk und Fernsehn bekannten Astrologen Isaac “Rasputin” Thetman (Corrado Gaipa) trifft, bekommt er von diesem ungefragt seine düstere Zukunftsaussichten vorausgesagt: Eddie Mills Lebenszeit soll genau um Mitternacht des Folgetags ihr unumstößliches Ende finden. Dabei soll er sogar noch vor dem Todgeweihten Carlos Veldese das Zeitliche segnen, dessen Hinrichtungstermin auch für die Folgenacht veranschlagt wurde. Ab diesem Moment ist für den unermüdlichen Journalisten höchste Eile im Wettlauf gegen die Zeit geboten, da er mittlerweile nicht nur die Unschuld des vermeintlich zu Unrecht zum Tode verurteilten Veldese beweisen, sondern zudem seine eigene Haut vor der nahenden Todesstunde retten muss. Bleibt nur noch die Frage, ob es ihm schließlich auch gelingen wird...?

  • Autor: Richie Pistilli
  • Review:

    Einen vollmundigen „Giallo all'italiana“ sollte man bei DER MANN MIT DEN GLASKLAREN AUGEN nicht gerade erwarten, da sich Alberto De Martinos Regiewerk eher als eine gewöhnliche und zudem recht unspektakuläre Kriminalgeschichte entpuppt, die dem geneigten Giallo-Liebhaber aber dennoch wärmstens empfohlen werden kann. Storytechnisch scheint sich Signore De Martino (MORD AUF DER VIA VENETO, IM DUTZEND ZUR HÖLLE, DER ANTICHRIST) etwas bei dem bereits 2 Jahre zuvor unter der Regie von Lucio Fulci entstandenen NACKT ÜBER LEICHEN bedient zu haben, da beide Handlungsverläufe unübersehbare Gemeinsamkeiten aufweisen. Aber auch optisch erinnert das Ganze sowohl ein wenig an den zuvor genannten Fulci-Thriller, als auch an De Martinos Vorgänger EXZESS – MORD IM SCHWARZEN CADILLAC, da der Schauplatz des Geschehens auch in diesem Fall auf dem amerikanischen Kontinent angesiedelt ist, genauer gesagt im Bundesstaat New Mexico und zwar in den Städten Alburquerque und Santa Fé. Im Kreuzfeuer der Kritik steht dieses mal die Willkür der staatlich legitimierten Todesstrafe, wobei in diesem Fall bis zum Ende völlig offen bleibt, ob der verurteilte Todeskandidat nun tatsächlich im Sinne der Anklage schuldig ist oder doch nur ein unbeteiligtes Bauernopfer der justiziellen Selbstherrlichkeit darstellt.

     

    Genretypische Utensilien wie z.B. hochglanzpoliertes Schlitzwerkzeug oder einen feinlichst vermummten Täter sucht man hier vergebens und beim Thema der gelblich bedingten Freizügigkeit wird auch ein wenig gegeizt, aber nichtsdestotrotz konnte mich diese beschauliche Detektivgeschichte auf ihre entsprechende Art und Weise begeistern. Ein obligatorisches paar schwarze Handschuhe kann dann aber wiederum bewundert werden und auch der eigentlich recht einfach gestrickte Whodunit Plot weiß letztendlich zu überzeugen. Inszenatorisch kann diese multiple Todeskandidatensause als grundsolide beschrieben werden, wobei gegen Ende das sowieso schon recht locker sitzende Zeitgefüge völlig aus der Bahn geraten zu sein scheint, denn was da schlussendlich so alles an zeitintensiven Ereignissen während der letzten Stunde abläuft, geht dann wirklich auf keine Kuhhaut mehr. Hierbei scheint sich augenscheinlich ein fieses und hinterhältiges Zeitloch in den Geschichtsverlauf eingeschlichen zu haben, da die Zeit in der letzten (Film)Stunde völlig still zu stehen scheint. Amüsant anzuschauen ist das Ganze aber trotzdem.

     

    Die bildgestalterische Ebene weiß hierbei auch zu gefallen, obwohl sie keineswegs bei der gestalterischen Finesse eines Dario Argentos, Mario Bavas oder sogar eines Sergio Martinos mithalten kann. Leider lag mir vom MANN MIT DEN GLASKLAREN AUGEN nur ein TV Mitschnitt mit leicht verfälschtem Bildausschnitt vor, der die tolle Arbeit des Kameramanns Gábor Pogány (DAS GESICHT IM DUNKELN, MÄDCHEN IN DEN KRALLEN TEUFLISCHER BESTIEN, KALIBER 38 – GENAU ZWISCHEN DIE AUGEN) wiederum um einiges schmälerte. Es wäre wirklich fabelhaft, wenn auch diese symphatischen Kriminalfilmperle in ferner Zukunft ein adäquates Release spendiert bekäme, denn in seiner vollen Bildpracht wirkt dieser lockere Kriminalfilm bestimmt noch um einiges angemessener, als er es so schon tut.

     

    Antonio Sabato (DAS RÄTSEL DES SILBERNEN HALBMONDS, MILANO ROVENTE, VIOLENCE FOR KICKS) verkörpert hierbei den aufstrebenden Journalisten Eddie Mills, dessen größter Wunsch es ist, seinen Namen endlich mal unter einer Titelstory erblicken zu können. Zwar ist auch er zunächst von der Schuld des angeklagten Mexikaners überzeugt, aber im Verlauf seiner weiteren Recherche macht sich plötzlich immer mehr Skepsis in ihm breit, so dass er irgendwann an der Wahrhaftigkeit seiner Artikel zu zweifeln beginnt und die zermürbende Suche nach der tatsächlichen Wahrheit unermüdlich fortsetzt. Dabei darf er auch mehrmals die volle Pracht seiner Männlichkeit demonstrieren, indem er stolzen Hauptes auf seinem motorrisierten Bike gemütlich durch Alburquerque cruist oder sich handfeste Kloppereien mit bösen Buben aus der Unterwelt liefert. Als er im Rahmen seiner unermüdlichen Ermittlungsarbeit schließlich auf den überzeugten Astrologen Corrado Gaipa (MY DEAR KILLER, EIN SCHWARZER TAG FÜR DEN WIDDER, DER TEUFEL FÜHRT REGIE) trifft und von diesem sein Ableben in den nächsten 24 Stunden vorausgesagt bekommt, lässt ihn auch dies völlig unbeeindruckt und setzt trotz des drohenden Todes im Nacken unermüdlich seine Ermittlungen nach der letztendlichen Wahrheit fort. Unterstützung bekommt er hierbei von seinem Chefredakteur John Hammond, dessen Rolle überzeugend von Victor Buono (HÜGEL DER BLUTIGEN STIEFEL, RÜCKKEHR ZUM PLANET DER AFFEN, DER WÜRGER KOMMT AUF LEISEN SOCKEN) dargestellt wird. Als weiterer Gaststar darf außerdem die Schauspielveteranin Faith Domergue (METULANA 4 ANTWORTET NICHT, NACKT ÜBER LEICHEN) in der Nebenrolle der Ehefrau des Todeskandidaten kurz “Hallo” sagen, wobei sich ihre Auftrittszeit leider schwer in Grenzen hält. Nur Nello Pazzafinis statistenhaftes Intermezzo als Fahrstuhlgast fällt schlussendlich noch kürzer aus.

     

    Zu guter Letzt treibt dann auch noch Barbara Bouchet (DER SCHWARZE LEIB DER TARANTEL, DIE ROTE DAME, DIE RACHE DES PATEN) als flittchenhafte Bartänzerin ein völlig undurchschaubares Spiel und hält dabei den unnachgiebigen Journalisten mit ihren fadenscheinigen Zeugenaussagen durchwegs auf Trapp. Die zu erfüllende Rolle als zwielichtige Hupfdohle verlangt der guten Frau Bouchet keinesfalls schauspielerische Höchstleistungen ab und es hätte bei ihrem undurchschaubaren Spiel auch noch ein wenig mehr Luft nach oben hin bestanden, aber schlussendlich bereitet ihre Darbietung auch so schon ein recht ordentliches Vergnügen.

     

    Abschließend sei auch noch kurz auf einen der absoluten Höhepunkte dieser sympathischen Filmproduktion hingewiesen, nämlich auf die prächtige Filmmusik von Peppino De Luca & I Marc 4. Diese entpuppt sich schließlich als eine Anhäufung mächtig groovender Big Beat Kompositionen, welche die Beine sofort zum mitwippen animieren und durchwegs beste Laune versprühen. Ein Soundtrack-Highlight der Sonderklasse!

     

    Fazit: Ein glasklarer und zugleich wechselfarbiger Kriminalfilm mit Zeitlochgarantie.

  • Autor: Richie Pistilli
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