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Man-Eater (Der Menschenfresser)

Italien, 1980

  • Originaltitel: Anthropophagus
  • Alternativtitel:

    Antropofagia (COL)

    Gomia, terror en el Mar Egeo (ESP)

    Anthropophagous (FRA)

    O Antropófago (POR)

    The Grim Reaper (USA)

    Man Beast (Int.)

    The Savage Island (Int.)

  • Deutsche Erstaufführung: 20. Februar 1981
  • Regisseur: Joe D'Amato
  • Kamera: Enrico Biribicchi
  • Musik: Marcello Giombini
  • Drehbuch: Joe D'Amato, George Eastman
  • Inhalt:

    „It's not fear that tears you apart...it's him!” (Tagline)

     

    In Athen trifft die junge Julie (Tisa Farrow) auf eine Gruppe junger Leute, die mit dem Segelboot durch die griechischen Inseln kreuzen wollen. Julie, die ihre eigene Mitfahrt verpasst hat, wollen sie auf die Insel ihrer Freunde bringen. Dort angekommen, scheint die Insel jedoch verlassen. Nur eine einzelne Frau streift dort durch die Häuser, versteckt sich aber vor den jungen Leuten. Nachdem man in einem leer stehenden Haus eine halbverweste, angenagte Leiche gefunden hat, verschwindet die schwangere Maggie (Serena Grandi). Über Nacht nistet sich die Gruppe im Haus von Julies Freunden ein, wo man im Keller auf die blinde „Henriette“ (deutsche Fassung), bzw. „Rita“ (englische Fassung), bzw. Arieta (ital. Fassung) trifft. Die erzählt ihnen von einer Mordserie und einem unheimlichen Mann, dessen Kommen sie am Leichengeruch erkennt. Und der lässt nicht lange auf sich warten.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    35 Jahre nach der deutschen Erstveröffentlichung von „Man Eater – Der Menschenfresser“ war es allerhöchste Zeit für ein Revisited in HD, wenn auch bisher nicht bei uns in Deutschland – aus naheliegenden Gründen.

     

    Und nach so vielen Jahren stellt sich immer als Erstes die Frage, wie gut hat so ein Film dramaturgisch die Zeit überdauert. Man kann durchaus positiv überrascht sein, denn obwohl „Anthropophagus“ ein langsames Tempo vorlegt, gereicht ihm gerade das zum Vorteil. Die Stimmung lebt. „Anthropophagus“ ist düster, unheimlich, ein paar Längen gibt es freilich geschenkt. Und da ist die Glaubwürdigkeit – zumindest die weiblichen Darsteller verzichten auf genreübliches Over-Acting, agieren völlig natürlich, lediglich ihre männlichen Begleiter fallen gelegentlich wegen Talentlosigkeit auf.

     

    Das weibliche Cast kann sich auch sehen lassen: Tisa Farrow, Mia Farrows 6 Jahre ältere Schwester, gibt hier ihren letzten Filmauftritt, was man ihr nicht mal übel nehmen kann, schaut man sich ihre Filmographie an. Lief nicht wie gewünscht. Als kartenlegende „Carol“ die gebürtige Tschechin Zora Kerova, die wir Italo-Fans vor Allem aus Umberto Lenzis „Cannibal Ferox“ oder weiteren „schönen“ Genrebeiträgen wie Bruno Matteis „Das süße Leben der Nonne von Monza“ oder Fulcis „When Alice broke the Mirror“ kennen. Und dann natürlich die schwangere Maggie, und ich habe es wirklich bis heute noch nicht gewusst: DAS ist Serena Grandi? Der spätere Erotikstar kommt hier in ihrem zweiten Film unter dem Pseudonym Vanessa Steiger jung, natürlich und durchschnittlich moppelig daher.

     

    Als Titelfigur natürlich Co-Drehbuchautor und Co-Produzent Luigi Montefiori alias George Eastman. Im Gegensatz zur Quasi-Fortsetzung „Absurd“ hat man ihm hier ein gruseliges Make-up verpasst und in einigen Szenen wirkt er sogar etwas aufgepolstert, was bei seiner Größe (2,06 m) auch nicht unklug ist, da er so noch bedrohlicher erscheint. Bei Eastmans Figur trifft man auch auf ein paar Unterschiede zur deutschen Fassung. Während er in der DF ein Grieche namens Nikos Karamanlis ist, ist seine Figur in der Originalversion ein deutscher Einwanderer namens Klaus Wortmann.

     

    In der italienischen Fassung spricht auch das erste Opfer-Paar zu Anfang (fürchterliches) Deutsch, die Dialoge passen nicht mal annähernd zu den Lippenbewegungen. Leider gilt das für die gesamte italienische Tonfassung, die offensichtlich ebenso gedubbt ist wie die Englische, und hier kann ich ausnahmsweise mal sagen, der deutsche Ton ist der Beste. Wenn man den dabei hat, bei der BD von 88Films ist das nicht der Fall.

     

    Trotz des eher langsamen Tempos, was aber wie bereits erwähnt gut für die Atmosphäre ist, geht es am Ende natürlich richtig ab. Das Finale im und am Brunnen (und die Schlüsselszene davor) bleiben ewig im Gedächtnis, versprochen. Die Effekte sind von Profi Giuseppe Ferrante, nicht immer hat D’Amato bei seinen Filmen Geld für professionelle Make-up-Effekte ausgegeben. Lediglich der Kehlenbiss an der blinden Henriette/Rita/Arieta ist etwas misslungen, das hätte man besser machen können. Zu dem Kopf im Eimer muss man kein Wort verlieren, siehe Screenshots oben. Zugute muss man D’Amato halten, dass er sich hier mal beherrscht und keine Nacktszenen gedreht hat. Nichts gegen D’Amatos Obsessionen, aber zur richtigen Zeit, am richtigen Ort. In „Man Eater“ hätten sie kaum hinein gepasst. D’Amato selbst ist übrigens während des Films kurz gegen Anfang beim Aussteigen aus einer Gondel zu sehen.

     

    Zu einem unheimlichen Film gehört natürlich auch unheimliche Musik. Marcello Giombini hat hier kein Meisterwerk abgeliefert, aber in den düsteren Szenen funktioniert sein minimalistischer Synthesizer-Sound. Das kann er aber wirklich besser, siehe „In der Gewalt der Zombies“ oder „Die Bestie aus dem Weltraum.“

     

    Die Kamera gibt die Atmosphäre von Trostlosigkeit und Verlassenheit der Insel angemessen wieder. Gedreht wurde lt. wikipedia auf Kodak 16mm-Film, der später auf 35mm Kinoformat „aufgeblasen“ wurde. Während „Man Eater“ in Deutschland ein Riesenerfolg an den Kinokassen war, floppte der Film in Italien gewaltig, ebenso wie die zensierte R-Rated-Version in den USA.

     

    Die nachfolgende Zensurgeschichte des Films in Deutschland wird wohl weitgehend bekannt sein, aber zumindest das Kinoplakat scheint nicht mehr indiziert. Man sollte aber auch mal feststellen, dass Jugendliche oder junge Erwachsene heutzutage „Man Eater“ kaum bis zum Ende ansehen würden, allein schon wegen des Tempos. Hierzu eine Episode aus dem Alltag: ein junger Kollege, damals 19 Jahre alt, erzählte mir, wie toll er das „Evil Dead“-Remake fand. Als ich ihm daraufhin vorschlug, sich das Original von Sam Raimi anzusehen, dass doch deutlich besser sei, entgegnete er nur abfällig: „Nee, bin ich aus den Achtzigern, oder was?!“ Mann, ich werd‘ alt...

  • Autor: Gerald Kuklinski
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