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Maigret und der Würger von Montmartre

Frankreich | Italien, 1966

  • Originaltitel: Maigret a Pigalle
  • Alternativtitel:

    Pigalle... barrio prohibido (ESP)

    O Comissário Maigret em Pigalle (POR)

    Maigret at the Pigalle

  • Deutsche Erstaufführung: 10. November 1967
  • Regisseur: Mario Landi
  • Kamera: Giuseppe Ruzzolini
  • Musik: Armando Trovajoli
  • Drehbuch: Sergio Amidei, Mario Landi
  • Inhalt:

    Die Nachtclub-Tänzerin Arlette (José Greci) erscheint angetrunken auf dem Polizeirevier und erzählt von einer Unterhaltung, die sie am Abend an einem Nebentisch belauscht hätte. Zwei Männer, einer von ihnen trüge möglicherweise den Namen Oscar, haben über den geplanten Mord an einer Gräfin gesprochen. Aber nachdem Arlette auf der Couch im Polizeirevier ihren Rausch ausgeschlafen hat, widerruft sie ihre komplette Aussage und Inspektor Lognon (Alfred Adam) setzt sie erbost vor die Tür. Nur wenige Stunden später wird sie erwürgt in ihrer Wohnung aufgefunden, und Lognon bittet seinen Kollegen Maigret (Gino Cervi) um Hilfe, der eigentlich bereits auf dem Weg in den Urlaub ist.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Bevor Regisseur Mario Landi mit Filmen wie „Giallo a Venezia“ (1979) oder „Patrick lebt!“ (Patrick vive ancora, 1980) sich bei Gorehounds einen gewissen Ruf erwarb, war er weitgehend fürs Fernsehen tätig, in durchaus soliden Produktionen mit bekannten Darstellern. So ist „Maigret und der Würger von Montmartre“ auch ein Spielfilm-Spin-off einer 16-teiligen Filmserie fürs TV mit Gino Cervi (Peppone aus den Don Camillo-Filmen) als die bekannte Titelfigur des Kommissars Maigret nach den Romanen von Georges Simenon.

     

    Und da wir schon mal bei der Romanvorlage sind, hier erlauben sich die Drehbuchautoren Sergio Amidei und Mario Landi ein paar Freiheiten. Der Orginaltitel der Simenon-Geschichte lautet „Maigret au Picratt’s“, Letzteres ein Nachtlokal, das desöfteren als Ortsangabe bei Simenon auftaucht. Klingt natürlich lahm, also wurde der Filmtitel in „Maigret a Pigalle“ (Pigalle, Nachclubs, Tänzerin, Brüste, lechz) geändert. Den deutschen Verleihern war das aber wohl noch immer zu öde, also wurde aus dem entsprechenden Romantitel „Maigret, die Tänzerin und die Gräfin“ ein Würger von Montmartre. Egal. Eine weitere Änderung besteht in Kommissar Maigrets Gründen für sein Eingreifen in den Fall. In Landis Film ist er mehr oder weniger bereits auf dem Weg in den Urlaub, kommt aber der Bitte seines Kollegen nach, den sein schlechtes Gewissen plagt, weil er das Mordopfer nur kurz zuvor weggeschickt und deren Aussage zerrissen und in den Müll geworfen hat. In der Romanvorlage schaltet Maigret sich ein, weil Arlette sich in Begleitung eines seiner Inspektoren befand, als sie das Mordkomplott belauschte.

     

    Eine grundsätzliche Änderung – aber eine durchaus angenehme - findet sich in der Stimmung der Geschehnisse. Bei Simenon geht es meist darum, dass einfach jeder zum Mörder werden kann, selbst der Nachbar von Nebenan, egal ob Arm oder Reich, er muss nur in eine entsprechende Notlage geraten. Konservative Literaturkritiker lasteten ihm das stets an, hielten solche Charaktere und Geschehnisse für unwahrscheinlich, anständige Menschen begehen keine Morde. Entgegen der Nüchternheit der Romanvorlagen und weiterer Verfilmungen (auch „Maigret a Pigalle“ wurde insgesamt sieben Mal verfilmt), gelingt Landi mithilfe seines vor Lebendigkeit und hintergründigem, schlitzohrartigen Humors sprühenden Hauptdarstellers Gino Cervi ein solider Spannungsaufbau, der uns in immer tiefere Verwicklungen führt – und schließlich zur Auflösung, wobei das Motiv für den Mord an Arlette – ohne jetzt den Spoiler zu machen – doch wieder Simenons Welt näherkommt. Spannend untermalt wird die temporeiche Handlung durch die Musik von Armando Trovajoli.

     

    Auffällig ist die Darstellerin der Arlette – José Greci – aber in positiver Hinsicht. Eine sehr schöne Frau, mit einer tollen Ausstrahlung, die ihre zwiespältige Rolle zu Anfang und in den Rückblenden eindrucksvoll meistert. Greci war die Tochter des Journalisten Luigi Greci, ehem. Direktor von Radiocorriere und hatte ihren ersten bekannteren Auftritt im Alter von 17 Jahren in Ben Hur als Maria, leider nur uncredited. Größtenteils beschränkten sich ihre Rollen auf Peplums, unter anderem in „Kampf um Rom“ oder pseudonym (als Liz Havilland) in Michele Lupos grenzwertigem „Sieben gegen Alle“ (1965). Ihre letzte Rolle spielte sie 1974 in Silvio Amadios „Catene“, einem Remake des gleichnamigen Matarazzo-Films von 1949. José Greci starb am 1. Juni 2017 in Rom im Alter von 76 Jahren. Als Nachtclubbesitzer spielen Raymond Pellegrin und Lila Kedrova einen wichtigen Part in Landis Film, weiterhin ist Enzo Cerusico als milchgesichtiger Fotograf zu sehen, der in die Tänzerin Arlette verliebt ist.

     

    Wie bereits erwähnt, spielte Gino Cervi die Rolle des Kommissar Maigret insgesamt 17 mal unter der Regie von Mario Landi, Cervi starb jedoch im Januar 1974 und so fand die Reihe ein Ende.

  • Autor: Gerald Kuklinski
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