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Macabro - Die Küsse der Jane Baxter

Italien, 1980

  • Originaltitel: Macabro
  • Alternativtitel:

    Baiser macabre (FRA)

    Frozen Terror

    Macabre

  • Deutsche Erstaufführung: 27. November 1981
  • Regisseur: Lamberto Bava
  • Kamera: Franco Delli Colli
  • Musik: Ubaldo Continiello
  • Drehbuch: Antonio Avati, Pupi Avati, Lamberto Bava, Roberto Gandus
  • Inhalt:

    Jane Baxter ist auf dem Weg zu einem Schäferstündchen mit ihrem Freund Fred Kellerman (die deutsche Synchronisation nennt ihn liebevoll: Frett). Während sich die alte Schlampe mit ihrem Kerl vergnügt, ertrinkt ihr kleiner Sohn in der Badewanne. Der Beischlaf gerät in Vergessenheit, und es geht nur noch darum so schnell wie möglich nach Hause zu kommen. Fred lässt die Reifen seines Wagens qualmen und verursacht auch kurzerhand einen Unfall, bei dem er (nicht allein im übertragenden Sinne) den Kopf verliert. Ein solcher Tag kann für Miss Baxter nur mit der Einweisung in die Psychiatrie enden. Nach einem Jahr wird sie als geheilt entlassen. Anstatt zu ihrem Ehemann und ihrer Tochter zurückzukehren, zieht Jane in das Haus welches ihr und Fred (je häufiger ich den Namen schreibe, desto beschmierter finde ich ihn) als Liebesnest diente. Dort lebt sie fortan gemeinsam mit dem blinden Robert Duval. Dieser stellt fest, dass mit Jane Baxter irgendetwas nicht in Ordnung ist. Was (oder mit wem) treibt (es) Miss Baxter im oberen Stockwerk?

  • Autor: Frank Faltin
  • Review:

    „Die Küsse der Jane Baxter“ sind so heiß, dass sie die Männer sogar aus der Leichenstarre erwecken. Ob die Küsse allerdings auch heiß genug sind um den Rezipienten in Laune bringen? Vor ca. zwei Jahren hätte ich diese Frage mit einem eindeutigen Nein beantwortet. Mittlerweile (meine bereits dritte Filmsichtung) gefällt mir „Macabro“ etwas besser. Die Idee bzw. das Konzept welches hinter dem Film steckt, sagt mir durchaus zu, allerdings ist dessen Umsetzung eher unglücklich. Der Film weist (in seiner ersten Hälfte) einfach zu viele Durststrecken auf. Die zweite Hälfte kann seine Karten zwar besser ausspielen, aber der alles entscheidende Trumpf entpuppt sich als - ein eher - enttäuschender Bluff.

     

    Es gibt ein paar (wenige) Momente in denen es dem Film gelingt für Beklemmung und Düsternis zu sorgen. Dabei setzt Lamberto Bava auf eine von Bass und Drums dominierte Musik. Das Konzept, den Zuschauer in andere (teils klaustrophobische und morbide) Handlungsumfelder zu befördern, funktioniert somit zumindest zeitweise. Leider verlieren sich diese durchaus interessanten Momente schnell im „Einheitsbrei der Jane Baxter“. Diese (ich nenne sie mal) Inkonsequenz: ist die größte Schwäche des Films.

     

    Die Hauptprotagonistin Jane Baxter (Bernice Stegers) fällt in erster Linie durch ihre unsympathische Aura auf. Eine Eigenschaft die, gemessen an ihrer Rolle, durchaus fördernd ist. Deshalb sollte man nicht von einer klassischen Fehlbesetzung reden - ganz im Gegenteil. Die „Antipathie der Jane Baxter“ ist eine unerlässliche Eigenschaft hinsichtlich der Gesamtkonstellation. Auf diese Weise wird z.B. der Part von Janes keiner Tochter Lucy gestärkt. Eine pfiffige, kleine Bestie die ihrer Mutter das Leben zur Hölle macht, denn das scheinbar liebe Mädchen hat es „faustdick hinter den Ohren“. Lucy(fers) Beweggründe werden jedoch nur oberflächlich behandelt. Der Dritte - im Bunde der Hauptprotagonisten - ist Robert Duval (gespielt von Stanko Molnar). Der Stanko macht seine Sache als blinder Hobbydetektiv gut. Er wirkt natürlich und sympathisch, und wird zu einer Identifikationsfigur. Bekannter Weise stellen herzensguten Menschen, wie der gehandicapte Robert Duval, meist zu spät fest, dass diese verfickte Welt nur aus Arschlöchern besteht.

     

    Die Idee, einen Film zwischen Liebe, Tod und Leidenschaft pendeln zu lassen, ist lobenswert. Allerdings gelingt es nicht, die (notwendige) Morbidität über „Macabro“ regieren zu lassen. Somit versäumt der Film seine Chance, den Zuschauer in die Rolle der Jane Baxter zu zwängen. Der Rezipient ist nicht mehr: als ein (teilweise gelangweilter) Voyeur. Der Film kann somit der Kühnheit seiner Grundidee – die den Niedergang menschlicher Beziehungen innerhalb des (Genre)kinos suggeriert – nicht gerecht werden. Diesbezüglich können uns Jörg Buttgereit, sprich „Nekromantik 1 und 2“ wesentlich mehr berichten.

  • Autor: Frank Faltin
  • Veröffentlichungen:

    Nachdem der Film in unterschiedlichen Verpackungsvarianten (kleine Hartbox, Glasbox) von CMV als DVD erschien, folgte am 19. Februar 2016 eine HD-Veröffentlichung von X-Rated (Nummer 18 der X-Rated Eurocult-Collection). Parallel dazu erschien eine große Hartbox im Coverdesign der UFA VHS. Die Box wurde auf Grund von zahlreichen Fananfragen veröffentlicht und ist die Nummer 315 der X-Rated Hartboxen Reihe. Diese, auf 99 Stück limitierte Auflage, befindet sich mittlerweile in diversen DVD Regalen von Hardcore-Sammlern - und ist längst OOP. Die Bildqualität der Blu-ray ist sehr gut. Hier wurde nicht lieblos gefiltert. Somit wird dem Filmfan ein starker Bildgenuss geboten.

  • Autor: Frank Faltin
  • Filmplakate

    Links

    OFDb

    IMDb

     

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