Lucky M. füllt alle Särge

Deutschland | Italien | Spanien, 1967

  • Originaltitel: Lucky, el intrépido
  • Alternativtitel:

    Opération Re Mida (FRA)

    Agente speciale L.K.: operazione Re Mida (ITA)

    Lucky, the Inscrutable

  • Deutsche Erstaufführung: 01. September 1967
  • Regisseur: Jesús Franco
  • Kamera: Fulvio Testi
  • Musik: Bruno Nicolai
  • Drehbuch: José Luis Martínez Mollá, Julio Buchs, Remigio Del Grosso, Jesús Franco
  • Inhalt:

    Bei einem Kostümfest bittet eine leidlich als Cleopatra verkleidete Frau (Teresa Gimpera) den Superagenten Lucky (Ray Danton) um Hilfe als Gangster ihr Leben bedrohen. Lucky kann ihren Tod nicht verhindern und reist nach New York, wo die Wall Street-Geheimloge der Erzengel ihn auf die Spur einer Bande von Geldfälschern ansetzt. Zunächst führt die Spur nach Rom, wo Lucky Unterstützung durch den windigen Michele (Dante Posani) und die junge Beba (Beba Loncar) erhält. Auf einem Markt für geheime Informationen vor dem Colosseum erfährt Lucky, dass die gefälschten Banknoten vermutlich aus einer Papierfabrik in Albanien stammen. Er und Michele fliegen mit einer klapprigen Privatmaschine dorthin und bekommen es mit der dominanten Polizeichefin Yaka (Rosalba Nerin), dem Superschurken Goldbrille (Marcelo Arroita-Jáuregui) und einem SS-Transvestiten zu tun.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Fangen wir heute mal mit der deutschen Sprachfassung an. Wer den in der Inhaltsangabe genannten SS-Transvestiten vermisst, das wurde in der deutschen Kinosynchronisation ein wenig umgearbeitet, ebenso wie Hinweise darauf, dass es sich bei den „Erzengeln“ um eine Organisation von Faschisten handelt. Warum die alle Burka tragen, ist mir allerdings nicht so ganz klar.

     

    Ein weiterer aber sehr kleiner Wermutstropfen ist, dass es am Anfang noch schien als würde die deutsche Synchro fast den großen Running Gag des Films verderben. Der besteht darin, dass Lucky mal ein Superheldenkostüm trägt, aber ansonsten inkognito unterwegs ist und selbstredend erwartet, dass man ihn kostümiert sofort erkennt, inkognito dagegen natürlich nicht – allerdings läuft es umgekehrt. Hier kriegt die Synchro aber noch die Kurve, man wollte uns Lucky am Anfang wohl nur einfach vorstellen. Dabei hätte das große „L“ auf seiner Brust - in Verbindung mit dem Filmtitel – als Hinweis wohl ausgereicht. Vielleicht hielt man ja damals deutsche Kinozuschauer einfach für nicht sehr helle. Ansonsten macht die Kinosynchro gegenüber dem eher drögen englischen Dubbing einiges wett.

     

    Von Oktober bis November 1966 drehte Jesús Franco diese Eurospy-Persiflage mit Ray Danton in der Hauptrolle in italienischen Studios und Außenaufnahmen in der Umgebung von Murcia in Spanien. Dabei bemühte er sich, dem Ganzen einen comicartigen Charakter zu verleihen und erscheint selbst in gleich drei Gastrollen. „Lucky M. füllt alle Särge“ ist ein reiner Spaß- und Klamaukfilm, nichts davon kann man ernst nehmen, und man versucht es auch gar nicht. Schwer verdaulich ist der sehr steif agierende Hauptdarsteller Ray Danton. Höhepunkt dagegen der Auftritt von Rosalba Neri, als peitschenschwingende albanische Polizeichefin, die sich von unserem Helden herausgefordert fühlt als der ihr im Verhör mangelnde Weiblichkeit unterstellt. Es gibt einige gute Ideen, die Bekannteste davon der Markt der Spione.

     

    In einer recht winzigen aber erinnernswerten Rolle Patty Shepard als notgeile Telefonistin, die unseren Helden Lucky anschmachtet, dass es die reinste Freude ist. Witzig ebenfalls Madame Linda, die irgendwann mal als schönste Frau des Orients galt. Eine größere Rolle als schwindsüchtiger Auftragskiller des Superschurken Goldbrille hat Dieter Eppler, der wohl ein Beitrag des deutschen Co-Produzenten Artur Brauner. Brauner erscheint hier ebensowenig als Produzent im Vorspann wie in dem nie in Deutschland veröffentlichten (und ziemlich langweiligen) Franco-Film Residencia para Espías (Golden Horn, 1966) mit Eddie Constantine. Als Superschurke „Goldbrille“ hier Marcelo Arroita-Jáuregui, der in mehreren Frühwerken Francos mitspielte. Die Zwei haben sich aber später komplett verkracht als Arroita-Jáuregui sich plötzlich entschloss, sich einem Zensur-Komitee als Vorsitzender zur Verfügung zu stellen.

     

    „Lucky, el intrépido“ ist die erste Zusammenarbeit von Jesús Franco und Filmkomponist Bruno Nicolai. Und hier kann ich mich dem Enthusiasmus einiger Fans genauso wenig anschließen wie Stephen Thrower. Der Soundtrack ist zwar passend aber musikalisch schwach, kein Vergleich zu Nicolais späteren und teils herausragenden Arbeiten für Franco.

     

    In diversen Internetforen taucht immer wieder die Frage auf, welche Filme von Jesús Franco kann man Nicht-Francophilen eigentlich als Einstieg empfehlen. Nun, diesen hier empfehle ich niemandem, der nicht hackedicht ist und ja, das ist das große PLUS dieses Werkes. Ich mag das Ding.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Veröffentlichungen:

    „Lucky M. Füllt alle Särge“ erschien gerade in der deutschen Kinofassung bei PIDAX in sehr guter Bildqualität. Diese Fassung weist ein paar kleine Unterschiede zur englischen Fassung auf und ist etwas kürzer. Fehlende Szenen gibt es im Bonusmaterial.

  • Autor: Gerald Kuklinski
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