Liebe und Tod im Garten der Götter

Italien, 1972

  • Originaltitel: Amore e morte nel giardino degli dei
  • Alternativtitel:

    Amor y muerte en el jardin (ESP)

    Love and Death in the Garden of the Gods (Int.)

  • Regisseur: Sauro Scavolini
  • Kamera: Romano Scavolini
  • Musik: Giancarlo Chiaramello
  • Drehbuch: Sauro Scavolini, Anna Maria Gelli
  • Inhalt:

    Ein eigenbrötlerischer Ornithologe des "germanischen Instituts" mit Professorenstatus (Franz von Treuberg) mietet sich vorübergehend in einem leerstehenden Anwesen ein, da sich in der dortigen Gartenanlage seltene und forschungswürdige Vogelgattungen eingenistet haben, die es jetzt zu untersuchen gilt. Doch gleich bei seiner ersten Erkundungstour durch die weitläufige Gartenanlage entdeckt er einen versteckten Knäuel an Bandsalat, den er zunächst feinlichst entknotet, zuhause aufs reinlichste säubert und sich daraufhin den Inhalt mit Hilfe eines Tonbandgeräts in Ruhe zu Gemüte führt: Bei den Bandaufzeichnungen handelt es sich um mitgeschnittene Therapiegespräche einer ominösen Azzurra (Erica Blanc), die einerseits eine gebrochene Beziehung zu ihrem Ehemann Timothy (Rosario Borelli), aber auch gleichzeitig ein inzestuöses Verhältnis mit ihrem Bruder Manfredi (Peter Lee Lawrence) unterhält. Dabei geht es in beiden Beziehungsgeflechten vordergründig um gestörte Liebe, Macht, Abhängigkeit, Verachtung, Unterwürfigkeit, Leidensdruck, Ohnmacht und blinden Hass.

     

    Je tiefer der unwissende Professor in den verheerenden Verlauf der kranken Beziehungsverläufe eintaucht, desto gefährlicher gestaltet sich für ihn die aktuelle Situation in der Gegenwart und pure Todesangst macht sich plötzlich in ihm breit...

     

    "Ich musste ihr das Leid heimzahlen, dass sie mir zugefügt hatte, Professor. Sie hatte mich zum Gehilfen ihrer Perversion gemacht, seit unserer Kindheit... In jenem Moment wurde mir klar, dass die Liebe unser Leben korrumpiert und uns dem Tod ausliefert."

  • Autor: Richie Pistilli
  • Review:

    Dieser außergewöhnliche Giallo aus der Feder Sauro Scavolini wartet weder mit hochglanzpolierten Schlitzwerkzeug, noch mit einem maskierten Mörder auf, sondern entwickelt sich nach einer recht ruhigen und ausgiebigen Einleitung immer stärker in Richtung eines Psychodramas, wobei die zugleich stattfindente Psychoanalyse zum wahrhaft gewordenen Alptraum in der Gegenwart wird und sowohl beim ahnungslosen Franz von Treuberg in der Rolle des namenlosen Professors, als auch beim Zuschauer Angst und Schrecken zu verbreiten vermag. Gemeinsam mit seinem Bruder Romano Scavolini (“Un Bianco vestito per Marialé”, Nightmare in a damaged Brain”), der sich hierbei für die fantastische Kamerarbeit verantwortlich zeigt, lieferte der ansonsten vordergründig eher als Drehbuchautor tätige Sauro Scavolini seine einzige Regiearbeit ab und trifft damit voll ins Schwarze.

     

    Ein recht ungewöhnliches, aber geniales Gesamtkonzept, das mit einer fantastischen Bilderflut, einer außerordentlichen Kameraarbeit und sehr durchdachten Soundgebung aufwartet. Dieses vielschichtige Zusammenspiel wurde schließlich passend abgestimmt und schlussendlich auch sehr schön in Szene gesetzt.

     

    Von den beiden Hauptdarstellern liefern sowohl Erica Blanc, als auch Peter Lee Lawrence in der Rolle des gestörten Geschwisterpaars eine sehr solide Darbietung ab und können in ihren jeweiligen Rollencharakteren zur vollen Zufriedenheit überzeugen.

     

    Eine weitere Besonderheit dieses außergewöhnlichen Giallo besteht zudem darin, dass sich der eigentliche Film gewissermaßen auf drei Erzähl- bzw. Zeitebenen abspielt: Zum einen gibt es die Gegenwartsebene, in welcher der Professor den gefundenen Bandsalat abhört. Die Erzählungen auf den Bändern von Erica Blanc spielen sich in der Vergangenheitsebene ab und werden als filmische Rückblenden inszeniert. Das soeben Gehörte (bzw. vom Zuschauer auch Gesehene) aus der Vergangenheit beeinflusst in der Gegenwartsebene wiederum die momentane Situation des Professors und dementsprechend auch den weiteren Verlauf dieser morbiden Geschichte.

     

    Außerdem schwingt in manchen Szenen eine dezente Faschismus-Kritik mit, da neben dem Abgesandten des "germanischen Instituts" auch der ominöse (und zudem auch in der italienischen Sprachfassung deutsch sprechende) Pater "Adolf" ("Himmel, Herr Gott, Sakrament... raus, raus mit der Sau...") in einer kurzen Szene auftaucht und der deutsche Professor den rückgratlosen italienischen Hausverwalter aufgrund dessen Haltung mit "Faschist" betitelt, worauf dieser die unrühmliche Auszeichnung wiederum voller Stolz und Überzeugung mit einem Handkuss als Kompliment entgegnet.

     

    Fazit: Ein vorzüglicher Giallo mit Psycho-Drama Einschlag, der sich außerhalb der gängigen Mechanismen bewegt und wie ein wahrhaft gewordener Alptraum daherkommt

  • Autor: Richie Pistilli
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