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Die letzten Heuler der Marine

Italien, 1981

  • Originaltitel: La dottoressa preferisce i marinai
  • Alternativtitel:

    La doctora de los marineros (ESP)

    La Zézette plaît aux marins (FRA)

    A Bomba na Marinha (POR)

    Flotte Teens und die Heuler der Marine

  • Deutsche Erstaufführung: 25. Dezember 1981
  • Regisseur: Michele Massimo Tarantini
  • Kamera: Federico Zanni
  • Musik: Franco Campanino
  • Drehbuch: Gino Capone
  • Inhalt:

    Da man eine Schiffsbesatzung in ein Hotel umquartieren musste, kommt es zu einigen turbulenten Verwicklungen zwischen den Soldaten, dem Hotelpersonal und den dort abgestiegenen Gästen. Kommandant Morelli (Renzo Palmer) trifft sich in seiner Suite mit seiner Geliebten Paola (Paola Senatore) zu einem Schäferstündchen, doch die Freude ist nur von kurzer Dauer, da ihm seine Ehefrau Clara (Marisa Mell) einen Überraschungsbesuch abstatten will. Als sie die beiden in flagranti erwischt, beschließt sie, mit dem erstbesten Mann ins Bett zu steigen, der ihr in die Hände fällt. Im wahrsten Sinne des Wortes stolpert sie über den kleinen, vertrottelten Alvaro (Alvaro Vitali), der mit seinem Kumpanen Gianni (Gianni Ciardo) auf der Flucht vor einem Killer ist, der die beiden durch das ganze Hotel jagt, da sie einem Mordanschlag von ihm beobachtet haben. Das Chaos nimmt seinen Lauf, jeder scheint jedem nachzustellen, doch die Zeit für derartige Kapriolen wird denkbar knapp, denn im Hotel tickt eine scharfe Bombe...

  • Autor: Prisma
  • Review:

    "Die letzten Heuler der Marine" darf man Regisseur Michael E. Lemick, alias Michele Massimo Tarantini in die Schuhe schieben, der eine ganze Reihe derartiger, böse Zungen behaupten sogar überflüssiger Erotik-Komödien fabrizierte. In diesem Streifen, der seine zweifelhafte Anerkennung durch eine Veröffentlichung in der "Flotte Teens"-Reihe bekam, versammelte sich die übliche Anzahl an Verdächtigen, und viele dieser Darsteller hatten richtige kleine Karrieren in diesem Genre. Lange Rede kurzer Sinn, es sei sofort darauf hingewiesen, womit man es bei diesem Film von 1981 zu tun hat: er ist überladen, hektisch, ohne zündenden Humor, mit anderen Worten also grauenhaft. Sicherlich wird auch dieses schwerfällige Vehikel seine Anhängerschaft haben und anscheinend war zu jener Zeit die Nachfrage da, sonst wären diese Vertreter ja nicht am Fließband produziert worden. Aus heutiger Sicht ist die ganze Chose allerdings nur schwer auszuhalten. Für den Film, folglich auch für die Regie und den Drehbuch-Autor, sind Situationskomik oder beispielsweise Humor vollkommen fremdartige Vokabeln. Die Darsteller müssen permanent ins offene Messer laufen und dabei auch noch ihr künstlichstes Lächeln vorgaukeln. Im Endeffekt ist also kein Geringerer als der Zuschauer selbst der Verlierer, aber es gibt schließlich immer irgendwelche Gründe, sich derartig sperriges Material anzuschauen, und sei es nur wegen der beteiligten Darsteller, die man andernorts ja wenigstens gerne gesehen hat.

     

    Leider ist es so, dass solche Filme den jeweiligen Karriere-Stand von Marisa Mell charakterisieren. 1981 machte sie nur diesen einen Film und es ist kein Geheimnis, wie es beruflich um die Österreicherin bestellt war. Keine Angebote - große Bedrängnis. Im gleichen Jahr schickte sie ja auch vermutlich aus purer Verzweiflung ihre Single 'Lady O / Slave Of Love' in die wohl entsetzten Hitparaden, und das Ergebnis ist mit einem großen Flop Geschichte. Eine professionelle Schauspielerin sollte es natürlich im Blut haben, gute Miene zum bösen Spiel machen zu können, und genau das ist es, was die Interpretation der Österreicherin hergibt. Gut, jeder Fan freut sich zunächst, ihr zusehen zu dürfen, was es auch sei. Doch dann neigt sich der Film dem Ende zu und es bleibt eine gute Portion Ernüchterung zurück. Marisa Mell spielt einmal mehr die gehörnte Ehefrau, deren Sexhunger die Kompetenzen ihres Ehemannes bei Weitem zu übersteigen scheint. Im Film hat sie ihre besten Szenen mit Kollegin Paola Senatore, die sich zwar nicht mit ihr prügelt, aber die beiden finden sich häufiger in einem zickigen Handgemenge wieder, und es setzt etliche Ohrfeigen und scharfe Spitzen. »Halt gefälligst die Klappe, du kleines Miststück!«, oder »Die hat zu mir Hure gesagt.« sind etwa die kleinen Wortgefechte der beiden, Marisa Mell setzt dabei ihren abschätzigsten Blick auf und gestikuliert mit italienischer Grandezza. Ansonsten gibt es wenig nennenswertes zu ihrem Auftritt zu sagen.

     

    Was ist nur passiert? Früher hat man beispielsweise "Eis am Stiel" gerne gesehen und als amüsant eingestuft. "Die letzten Heuler der Marine" fällt in die gleiche Kategorie von Filmen, die Klamauk bis zum Exzess verbreiten möchten, und hier und da mit ein paar erotischen Einlagen zu punkten versuchen. Mit Paola Senatore, Sabrina Siani und Marisa Mell hatte man sogar ansehnliche Darstellerinnen zur Verfügung, doch heute schmeckt dieses Gebräu aus Klamauk und Erotik nicht mehr, nein, es wirkt eher peinlich und ist kaum auszuhalten. Fairerweise ist zu betonen, dass sich im gesamten Verlauf dann doch 2-3 Lacher ausfindig machen ließen, doch im Endeffekt sehnt man sich nur das versöhnliche Ende herbei. Doch dann taucht plötzlich und immer wieder die entsetzlich verzerrte Fratze von Alvaro Vitali auf, dem Prototypen des Trottels und des geborenen Verlierers, dessen Präsenz einen fast aggressiv macht. Abschalten gilt nicht, und daher wird es grotesk. Das Warten auf Marisa Mell, und einer der mitunter miserabelsten Karriere-Auftritte von ihr, wird zum Happening. Nein, das Material ist sinnlos, die Verfolgungen quer durch das Hotel strapaziös, die Gags die nicht zünden, die unmöglichen Personen, oder die lächerlichen Dialoge machen "La dottoressa preferisce i marinai" zu einer üblen Tortur, bei der Geduld, Durchhaltevermögen und diplomatisches Abwinken essentielle Grundvoraussetzungen sind. Insgesamt gesehen ist Tarantinis Streifen in so gut wie allen Belangen misslungen und als einer der anvisiert amüsanten Vertreter des Genres voll und ganz gescheitert.

  • Autor: Prisma
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