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Der letzte Mohikaner

Deutschland | Italien | Spanien, 1965

  • Originaltitel: Der letzte Mohikaner
  • Alternativtitel:

    A Vingança dos Moicanos (BRA)

    El último mohicano (ESP)

    Le dernier des Mohicans (FRA)

    La valle delle ombre rosse (ITA)

    El valle de los cuchillos largos (MEX)

    The Last Tomahawk (USA)

    The Last of the Mohicans

    Holzauge sei wachsam

  • Deutsche Erstaufführung: 17. April 1965
  • Regisseur: Harald Reinl
  • Kamera: Ernst W. Kalinke, Ricardo Andreu, Giuseppe La Torre
  • Musik: Peter Thomas
  • Drehbuch: J. Joachim Bartsch
  • Inhalt:

    Weiße Banditen überfallen mithilfe des Huronen Magua (Ricardo Rodriguez) den Stamm der Mohikaner und metzeln alle nieder. Häuptling Chingachgook (Mike Brendel) gelingt es gerade noch sterbend seinem Sohn Unkas (Daniel Martin) und dessen weißen Freund Falkenauge (Anthony Steffen) über die Identität der Mörder aufzuklären, und Unkas schwört Rache. Die Banditen überfallen indessen mit Magua und dessen Kriegern einen Goldtransport, der sich auf dem Weg zur befestigten Munroe-Farm befand. Auch diese will man erobern, und Magua will alle bis zum letzten Mann tot sehen. Oberst Munroe (Carl Lange) lässt das Fort verbarrikadieren, sorgt sich aber um seine zwei Töchter, die sich auf dem Weg zu ihm befinden. Captain Bill Hayward (Joachim Fuchsberger), einem Neuling aus dem Osten, ist die Aufgabe zugefallen, Munroes Töchter Cora (Karin Dor) und Alice (Marie France) zusammen mit einem Trupp seiner Soldaten zum Fort zu geleiten. Eine beschädigte Brücke hindert sie zunächst an der weiterreise, da taucht plötzlich Magua auf, der sich als Bote Munroes ausgibt. Er gibt vor, dem Trupp einen sicheren Weg zum Fort zeigen zu wollen, und obwohl Captain Hayward misstrauisch ist, bleibt ihm nach der plötzlichen Zerstörung der Brücke keine Wahl. Doch dann eilen Unkas und Falkenauge zu Hilfe, und während sich Marie France immer mehr zu Captain Hayward hingezogen fühlt, verliebt sich Cora in Unkas. Schließlich kommt es zum großen Endkampf um das Fort, und in einem finalen Duell zwischen Magua und Unkas wird sich das Schicksal des letzten Mohikaners entscheiden.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Obwohl er noch „Winnetou 3“ vor sich hatte, suchte Harald Reinl 1964 angesichts anderer Winnetou-Regisseure wie Alfred Vohrer oder Harald Philipp wohl nach einem neuen Thema und inszenierte in deutsch-spanisch-italienischer Co-Produktion diese James Fenimore Cooper-Adpation, die im Grunde da weitergeht, wo Kurt Neumanns „Der Wildtöter“ (USA, 1957) mit Lex Barker aufhört. Waren in diesem noch Chingachgook – der auf der Suche nach einer Frau ist, die seine Babys austragen kann - und sein Freund Wildtöter die Hauptfiguren, begegnen wir nun dem inzwischen alt gewordenen Mohikaner-Häuptling, dessen Sohn Unkas und seinem ebenfalls weißen Freund Falkenauge.

     

    Wie das Western-Lexikon beschreibt, überspringt Reinls Verfilmung allerdings mehr als 100 Jahre und siedelt die Story um 1860 an. Die Landschaft von Almeria tut ihr Übriges, um den Handlungsort vom Osten der USA eher im Westen anzusiedeln. Trotz der Freundschaft zwischen einem Indianer und einem Weißen wäre es allerdings mehr als unfair, Reinls „Der letzte Mohikaner“ als Winnetou-Aufguss zu bezeichnen. Zwar sorgen gerade die deutschen Darsteller wie Joachim Fuchsberger, Carl Lange oder Karin Dor für einen gewissen Muff, ansonsten ist „Der letzte Mohikaner“ aber deutlich härter und kompromissloser. Der Traum von einem friedlichen Zusammenleben von Indianern und Weißen ist am Ende. Die sich anbandelnde Liebesgeschichte zwischen Unkas und Cora ist nicht nur historisch unwahrscheinlich sondern auch stilistisch zum Tode verurteilt.

     

    Positiv fallen die italienischen und spanischen Darsteller ins Auge. Daniel Martin ist ein weitaus glaubwürdigerer Indianer als ein Pierre Brice in seiner Rolle als Winnetou, und Anthony Steffen hat leider viel zu wenig Screentime. Da es sich um einen Harald Reinl-Film handelt, darf natürlich der lustige Sidekick nicht fehlen, in diesem Fall ist es Kurt Großkurth als freundlicher Koch der Hayward-Truppe. Ricardo Rodriguez als Huronen-Krieger Magua gibt einen ausgezeichneten Bösewicht ab. Reinls Film entstand weitgehend in Almeria – mit Ausnahme von ein paar Berliner Studio-Szenen – und so ziemlich zu Anfang nutzt er als Kulisse die Felsenformation der Ciudad Encantada, welche er 1966 für die Dreharbeiten von „Die Nibelungen Teil 1 – Siegfried“ wiederverwenden wird, wenn namentlicher Held sich auf dem Weg zum Drachen Fafnir befindet.

     

    Ein Kuriosum stellt wohl folgendes dar. Nur ein Jahr nach Reinls Film – der wie gesagt eine italienisch-spanische Co-Produktion war – dreht Mateo Cano die ganze Story als rein spanische Produktion nochmal, allerdings viel näher an der Romanvorlage angesiedelt. Tatsächlich werden bei Cano ganze Dialogzeilen aus Coopers Romanvorlage übernommen. Daniel Martin ist wieder als Uncas zu sehen, die Rollen von Major Hayward und Colonel Munroe werden dagegen an Jack Taylor und Paul Muller vergeben. Muss ich mir mal wieder ansehen. Doch noch mal kurz zurück zu Reinls „Der letzte Mohikaner.“ Wie bei vielen Co-Produktionen dieser Zeit üblich, gibt es in den unterschiedlichen beteiligten Ländern auch unterschiedliche Credits. Nicht immer ist es dann einfach zu bestimmen, wer tatsächlich vor Ort war und wer nur Credit ist. Fest steht, Kameramann war Ernst W. Kalinke, und während in der deutschen Fassung die Musik von Peter Thomas komponiert wurde, stammt der Score der italienischen und spanischen Version von Francesco de Masi. Editor dieser italienischen Fassung war ein gewisser Bruno Mattei.

     

    Und Harald Reinl lässt beim Endkampf um das Fort doch tatsächlich mit Dynamit einen ganzen Felsen wegballern. Ob er da wohl eine Genehmigung für hatte? Gedreht wurde „Der letzte Mohikaner“ ab Oktober bis Ende 1964. Kinopremiere war im April 1965. Mit dem spanischen Co-Produzenten Alfons Carcascona hatte Reinl bereits bei „Der Teppich des Grauens“ (1962) zu tun. Carcascona war ebenfalls an Franz Josef Gottliebs „Das Geheimnis der schwarzen Witwe“ (1963) beteiligt. Während Joachim Fuchsberger, Karin Dor und Kurt Großkurth sich in der Nachbearbeitung selbst synchronisierten, wurde Anthony Steffen von Horst Niendorf und Daniel Martin von Thomas Eckelmann gesprochen.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Links

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