Das letzte Gewehr

Italien, 1964

  • Originaltitel: Jim il primo
  • Alternativtitel:

    Atirador Solitário (BRA)

    Le dernier pistolet (FRA)

    Killer's Canyon (GBR)

    Duelo no Arizona (POR)

    Lonely Gunslinger (USA)

    The Last Gun

  • Deutsche Erstaufführung: 09. März 1965
  • Regisseur: Sergio Bergonzelli
  • Kamera: Romolo Garroni, Amerigo Gengarelli
  • Musik: Marcello Gigante
  • Drehbuch: Ambrogio Molteni, James Wilde Jr.
  • Inhalt:

    Der feige Gauner Jess (Livio Lorenzon) schließt sich einer Bande an, die mithilfe des Bankers Morgan (Luigi Batzella) einen Goldtransport aus der Stadt Sanderson an sich bringen will. Unterwegs in die Stadt schließt sich ihnen der singende Cowboy Guitar (Carl Möhner) an.

     

    Als die Banditen in Sanderson eintreffen, geraten sie in Streit mit dem Ladenbesitzer Bill (Cameron Mitchell), den der Sheriff (Giulio Maculani) unterbricht. Der Sheriff sucht nach Hilfe in den Reihen der Stadtbewohner, doch niemand ist bereit, sein Leben aufs Spiel zu setzen – abgesehen von einem maskierten Revolverhelden, der vorgibt, der berüchtigte Gunslinger Jim Hart zu sein, der vor Jahren verschwand.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Wer hat den ersten Italowestern gedreht? Diese Frage kann ich nicht beantworten, weil ich es wirklich nicht weiß. Sergio Bergonzellis „Das letzte Gewehr“ kam jedoch nur einen Monat nach Leones „Für eine Handvoll Dollar“ in die italienischen Kinos und ist noch vor diesem und Caianos „Die letzten Zwei vom Rio Bravo“ entstanden. Hauptdarsteller Cameron Mitchell scheint allerdings gleich anschließend und relativ lückenlos am gleichen Drehort für Corbuccis „Minnesota Clay“ vor der Kamera gestanden zu haben. Bavas „Blutige Seide“ – ebenfalls mit Mitchell - müsste vor den Beiden entstanden sein.

     

    Ähnlich wie Minnesota Clay orientiert sich „Das letzte Gewehr“ am US-Western, wobei der Einfluss des Eurowesterns in Form deutscher Produktionen spürbar ist. Abgesehen von Mitchell wirken die Akteure auch recht unsicher, die Frauen machen den Eindruck als kämen sie vom Set eines historischen Abenteuerfilms und der ohnehin grenzwertige Darsteller Livio Lorenzon agiert in seiner Rolle als Gangster Jess wie ein Karikatur-Bösewicht aus Western von Gestern. Einen guten Eindruck macht Luigi Batzella als schmieriger Banker, sieht in seinem langgeschnittenen Anzug und dem lila Hut aber ein wenig wie der Musiker Kid Creole aus. Der Darsteller des Sheriffs hat wiederum die irritierende Angewohnheit einzufrieren, sobald sein Dialog beendet ist, dann steht er da als hätte jemand die Luft rausgelassen.

     

    Es gibt ein schmalziges Cowboy-Lied, einen traurigen Song mit spanischem Text, zwei nervige Kinder und jede Menge Verwirrung bei den Namen, sowohl in der englisch gedubbten Fassung, die ich gesehen habe als auch vom Datenbank-Informationslevel her, der aufgrund zahlreicher Pseudonyme bescheiden ist. Apropos Fehler, es sieht lustig aus, wenn Guitar den Eindruck erwecken soll, er würde beim Reiten Gitarre spielen, denn auch wenn man ihn dabei nur von Hinten oder von Weitem sieht, ist sehr deutlich, dass er schon Mühe hat, dass ihm die Gitarre nicht runterfällt. Von Spielen oder Singen beim Reiten vor kann also keine Rede sein. Zudem trägt er zu Anfang bei diesen Aufnahmen ein rotes Hemd, bei unmittelbar anschließenden Nahaufnahmen sieht man Carl Möhner jedoch mit hell-kariertem Shirt. Das rote Hemd taucht erst später im Film auf. Imdb scheint zudem die weiblichen Darstellerinnen zu verwechseln – Célina Cély müsste Bills Freundin Jane sein und „Kitty Carver“ Dolores, nicht umgekehrt. Überhaupt scheint Kitty Carver ein Pseudonym, für wen auch immer. Das Gesicht sieht bekannt aus. Mariangela Giordano (auf imdb angegeben) konnte ich nicht entdecken, ist aber nicht auszuschließen, dass sie dabei war. Es gibt einige weibliche Darstellerinnen, die pseudonym agieren und somit schwer einzuordnen sind.

     

    Wer die Absicht hat, von der Identität des „geheimnisvollen“ maskierten Jim Hart überrascht zu werden, sollte sich das aus dem Kopf schlagen. Wir sehen zu Anfang den noch jungen Revolverhelden, wie er schwört, nie wieder eine Waffe anzurühren. Danach gibt es zwar etwas Ablenkung durch die Banditen und Carl Möhner, bevor wir dann Bill (Cameron Mitchell) kennen lernen, der zunehmend Probleme mit seiner Verlobten bekommt, weil er keine Waffe benutzen will. Hallo? Nur seine Verlobte begreift den Zusammenhang nicht, wir - die Zuschauer – dagegen schon.

     

    Aber wie auch immer, bei all seinen offensichtlichen Schwächen ist „Das letzte Gewehr“ sehr unterhaltsam und langweilte mich keine Minute. Die US-BD vom Schrott-Label „Mill Creek“ ist natürlich keine Offenbarung, von der Bildqualität her der deutschen DVD immerhin knapp überlegen. Leider fehlen zwei Minuten Handlung bzw. Rückblenden am Ende, die ich allerdings nicht vermisst habe. Das englische Dubbing ist dagegen...

  • Autor: Gerald Kuklinski
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