Leidenschaften einer Minderjährigen

Italien, 1974

  • Originaltitel: La minorenne
  • Alternativtitel:

    Les polissonnes excitées (FRA)

    A Menor (POR)

    Valeria - Leidenschaften einer Minderjährigen

  • Regisseur: Silvio Amadio
  • Kamera: Antonio Maccoppi
  • Musik: Roberto Pregadio
  • Drehbuch: Silvio Amadio, Piero Regnoli
  • Inhalt:

    Valeria Sanna (Gloria Guida) ist ein junges Mädchen, das auf einer Klosterschule ihren erotischen bis gewalttätigen Tagträumen nachhängt. Eine besondere Verbindung scheint zwischen ihr und Schwester Angela (Nicoletta Amadio) zu bestehen, die zarte Gefühle für sie hegt.

     

    Mit ihrem Abschluss der Klosterschule kehrt Valeria zu ihrer Familie zurück, zu dem ständig abwesenden Vater Massimo (Marco Guglielmi), der ein Architekturbüro besitzt und zu ihrer Mutter Franca (Rosemary Dexter). Dann wäre da noch Bruder Lorenzo, der ständig in Geldnot ist. Eine seiner Einnahmequellen besteht darin, seine Freundesclique gegen Bares zuschauen zu lassen, wie er Sex mit dem Hausmädchen Carlotta (Gabriella Lepori) hat. Aber auch gegenüber einer kleinen Erpressung des örtlichen Priesters – der zudem sein eigener Onkel ist – ist Lorenzo keineswegs abgeneigt.

     

    Bei einem Strandausflug mit der Familie lernt Valeria den Künstler Spartacus (Corrado Pani) kennen. Zudem findet sie heraus, dass ihre Mutter eine Affäre mit dem Steuerberater der Familie Carlo (Giacomo Rossi Stuart) hat.

     

    Nicht zu vergessen, Valeria ist noch Jungfrau, und es bleibt die Frage zu klären, wer am Ende ihren Jackpot knacken darf: einer von Lorenzos Freunden, der (leicht verrückte) Künstler Spartacus, der (weniger leicht) perverse Steuerberater Carlo, oder doch ein ganz anderer?

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    „La Minorenne“ oder „Leidenschaften einer Minderjährigen“ ist der zweite Film mit Gloria Guida. Regie führte diesmal Silvio Amadio und schon nach den ersten paar Minuten gibt es deutliche Verbesserungen gegenüber dem Vorgänger „La Ragazzina“ („Kesse Teens – Die erste Liebe“) von Mario Imperoli zu erkennen.

     

    Insbesondere in den ersten knapp zwanzig Minuten, während Valerias Tagträumen, ist der Sleaze-Faktor gewaltig. Ummantelt wird dieser Teil mit den in der Realität stattfindenden sehr zärtlich-zurückhaltenden Zuneigungsbekundungen zwischen Valeria und Schwester Angela, die gut und stimmungsvoll inszeniert sind.

     

    Überhaupt gelingt es Silvio Amadio hier in „Leidenschaften einer Minderjährigen“ sehr unterschiedliche Stimmungen glaubhaft umzusetzen, von – wie eben zu Anfang – Sleaze mit einer Prise Gewalt, über Melodram bis hin zu komödiantischen Szenen. Mit Valerias Heimkehr aus der Klosterschule zu ihren Eltern beginnt der Film weitgehend in das Metier Teenager-Melodram umzuschwenken, und die komödiantischen Einlagen lassen dankbarerweise die übermäßige Albernheit vermissen, die man in den nächsten Jahren in italienischen Komödien würde erdulden müssen. Davon ziehe ich mir aber auch noch ein paar rein in nächster Zeit, muss sein.

     

    Die Kameraarbeit von Antonio Maccoppi ist ein deutliches Improvement gegenüber der Wackelkamera in „Kesse Teens – Die erste Liebe“, ebenso wie die Musik von Roberto Pregadio. Nico Fidenco hat ein paar wirklich gute Soundtracks gemacht, aber dieses komische Disco-Gequätsche aus „Kesse Teens – Die erste Liebe“ ging wirklich gar nicht. Fairerweise sollte man allerdings hinzufügen, dass „La Minorenne“ in deutlich besserer Bild- und Tonqualität verfügbar ist als Imperolis „La Ragazzina“. Ebenfalls dem Vorgänger überlegen ist die deutsche Synchro. Zudem ist die DVD von Donau Film uncut, was man von der deutschen Veröffentlichung von „Kesse Teens – die erste Liebe“ nicht behaupten kann.

     

    Dass Komik auch wehtun kann, beweist die Szene in der Carlo versucht, Valeria zu verführen. Denn Carlo hat offensichtlich Potenzprobleme. Die versucht er zu lösen, indem er dem jungen Mädchen erst einen Porno zeigen will, während sie auf seinem Schoß sitzt. Nachdem das nicht den gewünschten Effekt bringt, will er verkleidet als Nazi-Folterknecht, der mit der Peitsche in der Hand der Jungfrau im Gefangenen-Outfit Respekt beibringen will, endgültig zum Sch(l)uss kommen – doch die ist nur permanent am Kichern. Eine schöne Szene, schmerzhaft-peinlich, und dann kommt auch noch Valerias Mutter dazu.

     

    Corrado Panis Rolle als Künstler Spartacus ist eher klein, bleibt aber in Erinnerung wegen ein paar guten, pseudo-tiefsinnigen Dialogen. Als Randnotiz sei bemerkt, dass Rosemary Dexter (kennen wir aus Mario Caianos „Eye in the Labyrinth“, 1972 oder Ugo Liberatores „Das Geschlecht der Engel“, 1968), die Valerias Mutter spielt, zu Zeiten der Dreharbeiten gerade mal Dreißig geworden und somit tatsächlich nur 10 Jahre älter als Filmtochter Gloria Guida war.

     

    Ein kleines Manko am Schluss. Die letzte Szene (verallgemeinert, will ja nicht schon wieder petzen) ist gut gemacht und berührt den Zuschauer. Aber man hätte 45 Sekunden früher abbrechen sollen, die finalen Einstellungen bereiten dann doch leichten Kitsch-Würgereiz.

  • Autor: Gerald Kuklinski
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