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Labyrinth des Schreckens

Italien | Spanien, 1975

  • Originaltitel: Gatti rossi in un labirinto di vetro
  • Alternativtitel:

    El ojo en la oscuridad (ESP)

    Eyeball (USA)

    The Devil's Eye

    The Eye

    (The) Secret Killer

    Wide-Eyed in the Dark

    Labyrinth des roten Todes

  • Regisseur: Umberto Lenzi
  • Kamera: Antonio Millán
  • Musik: Bruno Nicolai
  • Drehbuch: Umberto Lenzi, Félix Tusell
  • Inhalt:

    Eine amerikanische Reisegruppe – alle aus Burlington, Vermont – reist durch Barcelona mit ihrem Reiseführer Martinez (Raf Baldassarre). Unter ihnen befindet sich die junge Paulette Stone (Martine Brochard), die eine Affäre mit ihrem Chef Mark Burton (John Richardson) hat. Dessen Ehefrau sollte sich wegen eines Nervenzusammenbruchs in eine Klinik nach New York begeben, ändert aber im letzten Moment ihre Absicht und scheint sich ebenfalls in Barcelona zu befinden. Dann geschieht ein erster Mord, bei dem der Täter seinem weiblichen Opfer das linke Auge entfernt. Weitere Morde folgen, mit demselben Tatmuster. Nach und nach erwächst in Mark ein schrecklicher Verdacht, denn ein Jahr zuvor geschah im Heimatort eine ganz ähnliche Tötung, und an diesem Tag fand er seine Frau bewusstlos am Swimmingpool mit einem blutigen Messer in der rechten Hand und einem Augapfel neben ihrer Linken. Da alle Morde stets in der Nähe der amerikanischen Touristengruppe stattfinden, lässt der kurz vor der Pensionierung stehende Inspektor Tudela schließlich die Pässe einsammeln und quartiert alle in einem kleinen Hotel ein. Und wieder geschieht ein Mord, diesmal an der Fotografin Lisa Sanders (Mirta Miller) – doch diesmal fehlt dem Opfer kein Auge. Findet sich die Lösung des Falles etwa auf einem ihrer unentwickelten Filme?

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Während Umberto Lenzi mit seinen ersten Gialli (Orgasmo, Paranoia, etc.) eine ganz eigene Klasse in diesem Genre entwickelte, verlegte er sich mit dem 1972 entstandenen „Das Rätsel des Silbernen Halbmonds“ schließlich doch auf die Schlitzkiller-Variante und setzte dies in seinem letzten Giallo-Beitrag „Labyrinth des Schreckens“ fort. Da das Drehbuch eher mau ist und voll von unglaubwürdigen Charakteren und Wendungen, verlegte er sich hierbei auf zahlreiche Referenzen. Der Killer im Regenmantel erinnert an Nicholas Roegs „Wenn die Gondeln Trauer tragen“, und wir sehen einen Mord in einer Geisterbahn wie in Alfonso Brescias „Ragazza tutta nuda assassinata del parco“ (1972).  Die Schlusszene am Flughafen zeigt Spuren von „Death walks on High Heels“ (La morte cammina con i tacchi alti, 1971) von Luciano Ercoli. Die Variante, dass eines der Opfer den Killer längst fotografiert hat, ohne dies bewusst wahrzunehmen, ist indessen ein typisches Argento-Thema. Schaut man sich die Szene, in der das Foto entstanden ist, allerdings im Nachhinein ein zweites Mal an, stellt man dagegen fest, dass dies unmöglich ist. Die Fotografin steht komplett vor der einen des Busches und konnte unmöglich aufnehmen, wer auf der Rückseite mit rotem Regenmantel und mit Messer gewaffnet so in hellem Tageslicht umherschleicht.

     

    Umgekehrt geht es mit den Referenzen allerdings auch. Die Eröffnungsszene mit der nervösen Ehefrau am Flughafen findet man in Argentos „Tenebrae“ von 1982 wieder. Auffällig sind – wie üblich - zahlreiche Produktplatzierungen in Lenzis Film, J&B darf da nicht fehlen, außerdem bekommen wir permanent Aschenbecher mit Cinzano-Schriftzug ins Bild gehalten. Letzter für Touristen jener Zeit aber alles andere als ungewöhnlich, die Dinger waren quer über Restaurants und Cafés in ganz Europa verteilt. Überhaupt weist die Kameraführung des Spaniers Antonio Millán ein paar Eigentümlichkeiten auf. Einige Aufnahmen der weiblichen Darstellerinnen beginnen mit Großaufnahmen von deren Brüsten, erst danach zeigt er das Gesamtbild der betreffenden Damen. Bei der Flamenco-Szene verbringt er einige Zeit mit Panty-Shots, und das auch nicht zum ersten Mal in diesem Werk. Wo er das wohl gelernt hat? Vielleicht in Jess Francos „How to seduce a virgin“ (Plaisier a trois, 1974), allerdings hat er von dort auch positive Eindrücke mitgebracht. So erinnern Winkel und Farbgebung der Geisterbahn-Szene in „Labyrinth des Schreckens“ durchaus an Alice Arnos Gruselkeller in „How to seduce a virgin.“

     

    Bruno Nicolai steuert ein schönes Titelthema zu Lenzis durchaus unterhaltsamen Giallo bei, viel mehr aber auch nicht. Das HD-Format der X-Rated-Veröffentlichung offenbart dagegen noch Schwächen anderer Art, nämlich die der „Augenhöhlen.“ Denn natürlich haben die Darstellerinnen der Opfer ihre Augen noch, und somit sehen die dementsprechenden Effekte nicht sehr glaubwürdig aus. Ähnlich verratzt bei der finalen Enthüllung des Täters, der… nein, heute wird nicht gespoilert. Aber da bewegt sich was, was sich eigentlich nicht bewegen sollte. Beim letzten Opfer des Mörders handelt es sich übrigens um Laura Trotter, welche vier bis fünf Jahre später in Umberto Lenzis „Großangriff der Zombies“ (Incubo sulla città contaminata, 1980) die weibliche Hauptrolle bekam. In kleineren Parts sind in „Labyrinth des Schreckens“ Lenzis Ehefrau Olga Pehar und Silvia Solar zu sehen. Letztere beglückte deutsche Zuschauer mit Auftritten in Meisterwerken wie Pierre Chevaliers „Das Schiff der gefangenen Frauen“ (La maison des filles perdues, 1974) oder Taberneros „Cannibal Terror“ (terreur Cannibale, 1980).

     

    Wie sieht also mein Fazit aus? „Labyrinth des Schreckens“ ist gut ansehbar, was den Unterhaltungswert betrifft, hat aber mehr Schwächen als Stärken in der Umsetzung. Und zurück zum Thema Nicht-Spoilern, meine Mitguckerin hatte sich nach einer knappen halben Stunde für einen Hauptverdächtigen entschieden und behielt am Ende recht. Ich selbst bin ja nicht so der Nachdenker beim Filmeschauen.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Veröffentlichungen:

    Nach der DVD-Premiere durch Marketing Film vor nun schon 15 Jahren, erschien der Film als „Labyrinth des Roten Todes“ in Form eines Mediabooks von X-Rated in der ECC-Collection als No. 38. Bild und Ton sind gut. Das Bonusmaterial auf der Disc ist dagegen ausgesprochen spartanisch, und das Tenebrarum-Booklet von Martin Beine sehr lang, besonders was die Inhaltsangabe betrifft. Etwas zu viel des Guten. Hintergrundinfos sind doch interessanter als eine seitenlange, detaillierte Inhaltsangabe zu einem Film, den man eh gleich sehen wird. Sorry, Martin, ist nicht böse gemeint. Als Bonus-Disc (deshalb wohl „Mediabook“) lag eine DVD von Frank de Felittas „Dark Night of the Scarecrow“ bei, den ich noch nie gesehen habe, und das wird vorläufig wohl auch so bleiben. Oder lohnt sich der? Man hat ja viel zu wenig Zeit zum Filmeschauen…

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Filmplakate

    Kommentare (2)

    • Frank Faltin

      Frank Faltin

      23 Januar 2018 um 22:00 |
      Schau dir „Dark Night of the Scarecrow“ an, Gerald. Es lohnt sich, denn der Film macht mächtig viel Spaß!

      antworten

    • Gerald Kuklinski

      Gerald Kuklinski

      25 Januar 2018 um 13:06 |
      Danke, Frank, werde ich dann auch machen.

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