Korruption im Justizpalast

Italien, 1975

  • Originaltitel: Corruzione al palazzo di giustizia
  • Alternativtitel:

    Corrupção no Palácio da Justiça (BRA)

    Corrupción en el palacio de justicia italiano (ESP)

    Corrupção no Palácio da Justiça (POR)

    Smiling Maniacs (USA)

  • Regisseur: Marcello Aliprandi
  • Kamera: Gastone Di Giovanni
  • Musik: Pino Donaggio
  • Drehbuch: Marcello Aliprandi, Ugo Betti, Gianfranco Clerici, Fernando Imbert
  • Inhalt:

    Als Mafioso Carlo Goja (Martin Balsam) für ein politisches Amt kandidiert, will die Staatsanwaltschaft einen erneuten Versuch unternehmen, ihm endlich etwas anzulasten. Neun Jahre zuvor war ein entsprechender Versuch gescheitert, der über den Schreibtisch des heutigen obersten Richter Vanini (Fernando Rey) ging, angeblich weil nicht genug Beweise vorlagen. Doch das kann niemand mehr nachprüfen, denn die Akte ist seitdem verschwunden. Nun erhält man einen Hinweis auf ein Lagerhaus, in dem Goja Geschäftsunterlagen aufbewahrt, die ihn belasten können. Doch während der junge Richter Dani (Franco Nero) mit einem Beschlagnahmebeschluss in der Tasche dorthin unterwegs ist, wird Goja gewarnt. Vier von Gojas Handlangern verbrennen die Unterlagen, werden aber von einer alten Frau dabei gesehen. Die Zeugin muss weg, also schließen sie sie ein und lassen sie mit verbrennen. Die Staatsanwaltschaft will wissen, wer Goja gewarnt hat und schickt den Ermittler Erzi (Umberto Orsini) in den Justizpalast, der Vanini verdächtigt. Ohne Beweise ist der Richter aber unantastbar, und so versuchen Erzi und auch der ehrgeizige Dani, der zudem vielversprechendster Anwärter auf Vaninis Posten ist, die vor neun Jahren verschwundene Akte zu finden. Außerdem will man ihm nachweisen, dass er es war, der Goja gewarnt hat, doch Vanini beteuert, es nicht gewesen zu sein, obwohl er zweifellos Verbindungen zu Goja hat. Doch es gibt noch andere Verdächtige, den herzkranken, offenbar dem Alkohol verfallenen Archivar Prandó (Gabriele Ferzetti), der nachts durch die Gänge des Justizpalasts schleicht, und auch Richter Dani ist nicht so sauber, wie er vorgibt. Dani versucht über Vaninis Tochter Elena (Giovanna Benedetto) an Informationen über ihren Vater zu kommen und in Erfahrung zu bringen, ob Goja etwas gegen den Richter in der Hand hat, dass ihn erpressbar macht.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Von dem eher weniger geläufigen Marcello Aliprandi, am Bekanntesten noch durch „A Whisper in the Dark“, vielleicht auch noch durch die Komödie „Senza Buccia“ mit Olga Karlatos, kommt dieser Justizthriller aus dem Jahre 1975.

     

    Der Cast kann sich sehen lassen und Aliprandi setzt hier auch voll auf Charakterisierung. Niemand ist wirklich sauber. Von Beginn an ist es kein Geheimnis, dass der Oberste Richter gespielt von Fernando Rey, kein Unschuldiger ist, obwohl er beteuert, den Anruf, der zum Tod einer unschuldigen Frau geführt hat, nicht gemacht zu haben. Doch recht früh erfahren wir bereits von der Verbindung zwischen dem Obersten Richter und dem Mafioso, gespielt von Martin Balsam: sie teilen sich die Geliebte Flavia (Mara Danaud), die mal bei dem Einen, mal bei dem Anderen lebt, alles komplett einvernehmlich. Und man erweist sich so auch andere gegenseitige Gefälligkeiten, ohne dass dabei direkte Schmiergeldzahlungen im Spiel sind. Martin Balsam spielt seine Mafiosi-Rolle wie die eines Geschäftsmannes, der für die Staatsanwaltschaft eine Provokation darstellt, als er für ein politisches Amt kandidiert. 25 Jahre sind vergangen, seitdem man der Öffentlichkeit versprochen hat gegen Korruption in der Justiz vorzugehen, und da man seither nichts unternommen hat, die Presse aber anlässlich dieses 25-jährigen Jubiläums der Untätigkeit darüber berichten wird, soll an Goja und auch an Richter Vanini ein Exempel des Erfolgs bei der Korruptionsbekämpfung statuiert werden.

     

    Gerade zu Anfang des Films gibt es eine nette kleine Szene, in der Mafiosi Goja mit seiner Geliebten eine Kabarettshow sieht, in dem man sich offen über ihn lustig macht und sein Wahlplakat verbrennt. Seine Geliebte kann nicht verstehen, warum er sich das gefallen lässt, er erwidert nur lächelnd, das sei doch gut für sein Image.

     

    Richter Dani, gespielt von Franco Nero, erscheint einem zunächst – vielleicht auch aus einer gewissen Erwartungshaltung der Zuschauer heraus – als der adrette junge Richter, der ein Zeichen im Kampf gegen die Korruption setzen will. Tatsächlich ist er eher ein schmieriger kleiner Intrigant, der scharf auf den Posten seines Chefs ist. Angesichts seines eigenen Charakters sieht Dani in Vaninis Tochter Elena einen reinen Engel der Unschuld. So einfach ist das dann aber doch nicht.

     

    Der interessanteste und letztendlich in Erinnerung bleibende Protagonist des Films ist jedoch Richter Vanni, gespielt von Fernando Rey, ein Mann in einer Zwangslage, aus der er nicht mehr heraus kann. Da ich nicht alles über die Charaktere spoilern will, denn genau daraus bezieht der Film seine Spannung, wer ist also der Sauberste im Justizpalast? Der Sauberste ist natürlich der äußerlich Schmutzigste. Aliprandos Film beruht auf einem Theaterstück des in Italien sehr angesehenen Autors Ugo Betti, was auch die Lastigkeit auf die Story und die Charaktere erklärt. Wer Action oder Gewalt à la Polizieschi erwartet, bekommt nicht viel geboten, lediglich ganz zu Anfang und in einer bizarren Vergewaltigungsszene, der der Film wohl den kuriosen englischen Titel „Smiling Maniacs“ verdankt.

     

    Noch ein kleiner Hinweis zum ImdB-Eintrag, da wird zu „Korruption im Justizpalast“ als Alternativtitel „Streets of Eternity“ angegeben und der Film als Fortsetzung von „Die Klette“ angegeben. Hat wohl jemand mit Castelllaris „Street Law“ verwechselt...

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Links

    OFDb

    IMDb

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