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Konstantin der Große - Im Zeichen des Kreuzes

Kroatien | Italien, 1961

  • Originaltitel: Costantino il grande
  • Alternativtitel:

    Constantino el grande (ESP)

    Constantin le grand (FRA)

    Constantine and the Cross (USA)

    Constantine the Great

  • Deutsche Erstaufführung: 05. März 1963
  • Regisseur: Lionello De Felice
  • Kamera: Massimo Dallamano
  • Musik: Mario Nascimbene
  • Drehbuch: Ennio De Concini, Lionello De Felice, Diego Fabbri, Ernesto Guida, Fulvio Palmieri, Franco Rossetti, Guglielmo Santangelo
  • Inhalt:

    Das vierte Jahrhundert nach Christi Geburt. Konstantin (Cornel Wilde), der Sohn des Imperators, gerät auf seinem beschwerlichen Weg nach Rom in einen Hinterhalt in dem sein Wegbegleiter Hadrian (Fausto Tozzi) schwer verwundet wird. Diese Attacke hätte er nicht überlebt, wenn er nicht von einer Gruppe rechtloser Christen aufgenommen, und gesund gepflegt worden wäre. Doch die Anhänger der verbotenen Religion werden verfolgt und hart bestraft. Als Konstantin eines Tages mit ansehen muss, wie einige von ihnen den Löwen zum Fraß vorgeworfen werden, kommt dieser zur Besinnung und setzt sich fortan für deren Rechte und die Religionsfreiheit ein. Dieses Vorgehen wird jedoch vom Senat mit Entsetzen aufgenommen und Konstantins Widersacher Maxentius (Massimo Serato) nutzt die Gunst der Stunde, um in der Zeit der Unruhe eine blutige Revolte anzuzetteln...

  • Autor: Prisma
  • Review:

    Kurze einführende Szenen und der Satz: »Es wird Zeit, dass du dieses Nest von Korruption und Intrigen kennen lernst!«, ebnen auf schnelle und ebenso verständliche Art und Weise, wohin die Reise in Lionello de Felices Ausstattungsfilm gehen wird. Große Worte, edle Roben, angriffslustige Männer und schöne Frauen lassen den Zuschauer sofort aufmerksam werden und das straffe Tempo begünstigt diesen Einstieg sehr effektiv. Die Geschichte um Macht, Intrigen und Glaubenskrieg erfährt eine weitgehend sachliche Schilderung und in der Nebenhandlung dürfen selbstverständlich auch amouröse Aktivitäten nicht fehlen. Doch ruhige und entspannte Momente kommen eher selten zum Vorschein, da unmittelbar darauf wieder Szenen des Angriffs folgen. Sehr gut wird der immense Druck vermittelt, mit dem sich Konstantin permanent konfrontiert sieht, aber auch vielen anderen Beteiligten sieht man die Bürde dieser schweren Zeiten deutlich an.

     

    Nicht nur durch die Schauplätze, Kulissen, Musik oder Kostüme fühlt man sich wie der Zuschauer einer gelungenen Zeitreise, sondern insbesondere durch das Aufzeigen der römischen Dekadenz und Selbstgefälligkeit entstehen ganz bemerkenswerte Sequenzen, die von Brutalität und Luxus gekennzeichnet sind. Als Gegengewicht setzte die Regie auf die menschliche Zuneigung und das Gerechtigkeitsempfinden des Zusehers, was einen hauptsächlich spannenden Verlauf garantiert, in dem es immer wieder kleine Atempausen zu finden gibt. Für die fotografische Leitung zeigte sich hier Massimo Dallamano verantwortlich und der immense Zeitsprung wurde mit kraftvollen Bildern und aussagekräftigen Sets sehr gut simuliert. Beeindruckend ist in solchen Filmen immer wieder das große Aufgebot an Statisten, die man beispielsweise in den Kampfszenen zu sehen bekommt.

     

    Dass Lionello de Felices Beitrag so gut funktioniert liegt schließlich auch an der hohen Präzision beim Zeichnen der Charaktere, denn sowohl die Hauptfiguren, als auch die Nebencharaktere hinterlassen überzeugende Eindrücke. Wie in derartigen Monumentalfilmen üblich, stand auch hier eine hervorragende Besetzung bereit. Der aus Ungarn stammende Schauspieler Cornel Wilde zeichnet die Titelrolle ganz bemerkenswert und nachhaltig, arbeitet er die überlieferten Attribute von Konstantin dabei doch deutlich heraus. Geprägt von einer Art Opportunismus, trifft er Entscheidungen, die bei seinen Widersachern Zorn und Skepsis hervorrufen. Er agiert mit Weitsicht und er reagiert mit Nachsicht und auch Cornel Wildes körperliche Erscheinung gibt ein recht klassisches Bild ab. Als Fausta sieht man Belinda Lee in einer ihrer letzten Rollen vor ihrem tödlichen Autounfall im Jahr 1961.

     

    Bekannt aus gleich gearteten Filmen und häufig betraut mit großen Frauenrollen, war die Engländerin wie geschaffen für solche Auftritte. Sie hatte die richtige Aura und vor allem die Gabe, sich flexibel in jede Rolle hineinzudenken, ihr Aushängeschild war dabei ihr atemberaubendes Erscheinungsbild, welches dem Zuschauer letztlich ermöglichen konnte, sich in Epochen und Strukturen hineinzudenken, in denen sich starke und für ihre Attraktivität bekannte Frauen die Männer zu Untertanen machen konnten. Aus persönlicher Sicht, und nach mehreren gleichartigen Filmen mit ihr, wirkt Belinda Lee beinahe wie ein Gestalt annehmender Prototyp, für die Verkörperung von Frauen der Weltgeschichte. Erneut kommt es hier zu einer sehr eigenständig gefärbten Interpretation, obwohl sie im Filmgeschehen recht sekundär wirkt.

     

    Selbstverständlich sieht man aufgrund der überlieferten Anlegung der Rolle keine brutalen Machenschaften einer "Messalina", sondern das Temperament und die Weitsicht einer, im Sinne des Films milden, weitsichtigen und gefühlsbetonten Frau, die ihre Attribute nicht rücksichtslos zu ihrem Vorteil dienstbar macht. Darstellerisch gesehen ist schließlich eine sehr dosierte, wenn auch obligatorische Interpretation zu sehen, die der Titelrolle komplett untergeordnet ist. Die Kamera interessiert sich für Belinda Lee im Ganzen und wartet noch nicht einmal mit Strecken von Großaufnahmen auf, im optischen Sinne wurden markante Akzente gesetzt, sodass Lee auch nach über fünfzig Jahren noch erhaben durch die Kulissen schweben kann. Im Endeffekt bleibt zu erwähnen, dass bei der Betrachtung ihres Gesamtwerkes weitaus bedeutsamere Arbeiten im Gedächtnis geblieben sind, und auch wenn es sich hier um einen sehr passablen Film handelt, spielte sie wichtigere Rollen in ihrer so kurzen Karriere.

     

    Was allerdings stets in Erinnerung bleiben wird, ist das interessante Wechselspiel ihrer markanten und sanften Züge, dem Feuer in ihren Augen und einem Temperament, das jeder zu interpretierenden Frauenrolle alle Ehre machen konnte. Die vielleicht beste Leistung sieht man von Massimo Serato als durchtriebenen Maxentius, der Intrigen schmiedet und genüsslich Köpfe rollen lässt. Auch Christine Kaufmann rundet das Geschehen mit einer emotional aufgeladenen Rolle ab und es bleibt im Endeffekt zu sagen, dass man einer hervorragenden Starbesetzung folgen darf, die des Weiteren mit Fausto Tozzi, Tino Carraro und Elisa Cegani glaubhafte Momente transportiert. "Konstantin der Große" ist im Endeffekt sehr zuschauerfreundlich ausgefallen, der geradlinige und stimmungsvolle Verlauf kann mit seinen weit über 100 Minuten durchgehend bei der Stange halten.

     

    Die Regie erlaubt sich im Ganzen keinerlei signifikante Aussetzer, sodass die Geschichte sehr ausgewogen und flüssig erzählt wirkt, selbst die manchmal etwas zu dick aufgetragene Melodramatik und einige Dialoge, die zeitweise einen recht sentimentalen Tenor übermitteln, tun dem überzeugenden Gesamtbild keinerlei Abbruch. Insgesamt gesehen ist allerdings keiner der ganz großen Klassiker des Genres entstanden, aber die hier in vielen Bereichen dargebotene Präzision, der sichtbare Aufwand, eine gewisse Brisanz der Bilder und die ambitionierte bis klassische Ausarbeitung geben einen durchgehend hohen Unterhaltungswert her. Wer sich also für derartige Beiträge ohnehin interessiert und sie sich mit Vergnügen anschaut, wird auch an Lionello de Felices "Konstantin der Große" sicherlich Gefallen finden. Sehenswert!

  • Autor: Prisma
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