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Kommissar X - Jagd auf Unbekannt

Kroatien | Deutschland | Italien, 1966

  • Originaltitel: Kommissar X - Jagd auf Unbekannt
  • Alternativtitel:

    Comisario X (ESP)

    Le commissaire X traque les chiens verts (FRA)

    Kiss Kiss, Kill Kill (GBR)

    12 donne d'oro (ITA)

    Comisario X-misión diabólica (MEX)

    Comissário X - Ataque Fulminante (POR)

  • Deutsche Erstaufführung: 11. März 1966
  • Regisseur: Gianfranco Parolini
  • Kamera: Francesco Izzarelli
  • Musik: Mladen Gutesa
  • Drehbuch: Gianfranco Parolini, Giovanni Simonelli, Theo Maria Werner
  • Inhalt:

    Berüchtigte Gangster, die sich bereits zur Ruhe gesetzt hatten, fallen heimtückischen Sprengstoffattentaten zum Opfer, von denen ein zwielichtiger Mann namens O'Brian (Nikola Popović) zu profitieren scheint. In diesem Zusammenhang wendet sich Joan Smith (Maria Perschy), seine Sekretärin, an Joe Walker (Tony Kendall), der einen seit längerer Zeit verschwundenen Atomphysiker wieder finden soll. Doch kann er der attraktiven Joan trauen? In der Zwischenzeit geschieht eine Reihe weiterer brutaler Morde, die "Kommissar X" beweisen, dass er bereits auf der richtigen Spur sein muss. Gemeinsam mit Captain Tom Rowland (Brad Harris), seinem Kollegen von der Mordkommission, versucht er ein Phantom zu fassen, doch es stellt sich heraus, dass man es mit einem Wahnsinnigen zu tun hat, der zu allen Maßnahmen bereit ist...

  • Autor: Prisma
  • Review:

    Da etablierte oder anlaufende Reihen wie "James Bond" oder beispielsweise "Jerry Cotton" seinerzeit erfolgreich ihr Unwesen auf internationalen Kinoleinwänden trieben, entschied man bei der Parnass Film, einen erfolgreichen Gegenspieler ins Rennen zu schicken, und die "Kommissar X"-Serie war geboren. Bereits der Vorspann mit seiner grandiosen Titelmelodie macht unmissverständlich klar, dass man sich an die Fersen gewinnbringender Vorbilder, oder vielmehr Kassenschlager heften wollte, und Gianfranco Parolinis Fall Nummer 1 kann mit vielen Vorzügen auftrumpfen. Der größte Coup der kompletten Agentenserie stellt sicherlich die Verpflichtung der Darsteller Tony Kendall und Brad Harris dar, die regelrechte Aushängeschilder für die hauseigene Action und den charakteristischen Humor werden sollten. Rasante Sequenzen dominieren "Jagd auf Unbekannt" gleich von der ersten Sekunde an, und es geht nicht gerade zimperlich zu, wenn es darum geht, so vielen Personen wie möglich dabei zusehen zu müssen, wie sie sich endgültig ins Jenseits verabschieden, oder besser gesagt, dorthin geschickt werden. Explosionen, Schüsse und Einbetonieren beenden zahlreiche Leben sehr unsentimental, wenngleich die humorigen Untertöne etliche bemüht brutale Vorgehensweisen sehr clever aufweichen können. Schauplätze und Kulissen aus dem Bilderbuch stellen einen angenehmen, nahezu trügerischen Kontrast zu dem dargebotenen Fall dar, und es darf mitgefiebert werden, wer den groß angelegten Liquidierungsmaßnahmen entkommen wird. Im Zweifelsfall dürfte es aber jeden erwischen können, was die Spannung enorm begünstigt. Stilistisch kann sich diese Produktion durchaus sehen lassen, die Story weiß zu gefallen und die Darsteller sind wie auch in nachfolgenden Filmen sehr gut aufgelegt. Zunächst sollen ein paar Worte über die weibliche Hauptrolle verloren werden, die von keiner Unbekannten übernommen wurde.

     

    Die langjährige "Kommissar X"- Reihe präsentiert den Zuschauern einige attraktive Damen aus der ersten, oder auch zweiten Reihe, und mit Maria Perschy hatte man nicht nur eine verlässliche Darstellerin für die weibliche Hauptrolle der ersten Stunde gefunden, sondern auch gleichzeitig eines der interessantesten "Kommissar X"-Girls. Maria Perschy überrascht in "Jagd auf Unbekannt" zunächst mit einer auffälligen optischen Wandlungsfähigkeit. So sieht man die aparte Österreicherin sowohl in eleganten, als auch in sexy Outfits, mit verschiedenfarbigen Perücken und dem Empfinden nach vollkommen wechselhaften Verhaltensweisen, die man immer wieder in Etappen angeboten bekommt, und die in dieser hohen Konzentration eher unüblich für sie waren. Joan Smith personifiziert hier die buchstäbliche Verführung, gleichzeitig gefällt sie sich aber auch darin, Zweifel aufkommen zu lassen. Ist sie ein Ganovenliebchen, das nur auf die Hüter des Gesetzes angesetzt wurde, um diese unschädlich zu machen? Verfolgt sie persönliche Absichten und sucht dabei Opfer für ihr doppeltes Spiel? Wird sie die eigens provozierten Gefahren unbeschadet überstehen können, oder verbirgt sie doch einen guten Kern? Dies sind die üblichen Fragen, die man sich bei vielen KX-Mädchen stellen durfte, und es bleibt abzuwarten, welche Launen des Schicksals den Film durchziehen werden. Trotz des zu dieser Zeit bereits vorhandenen Star-Bonus, wirkt Perschys Rolle mit eigentlich eher unauffälligem Umfang komplett untergeordnet. Die weibliche Hauptrolle dient schließlich als offizieller Hingucker, was im Sinne der Geschichte auch vollkommen beabsichtigt ist, und damit ausreicht. Naturgemäß fehlen dabei die Möglichkeiten eine solche Rolle großartig auszubauen oder bedeutsam zu prägen, allerdings betrachtet man diese Strategie mit voller Nachsicht, da die Hauptpersonen andere Namen tragen und das uneingeschränkte Identifikationspotential mitbringen.

     

    Maria Perschy ist deutlich anzusehen, dass sie ein Vollprofi war, denn sie geht in der Rolle sehr gut auf und passt sich den vorhandenen Rahmenbedingungen sehr flexibel und glaubhaft an. Die Kamera bietet zunächst immer wieder genügend Raum, um die Interpretin als die außergewöhnlich schöne Erscheinung hervorzuheben, die sie ist, und dabei kommt es zu einem angenehmen zur Schau stellen ihrer offensichtlichen Vorzüge. Maria Perschy wirkt hier dem Empfinden nach gelöster als sonst, was teilweise auch an der bestehenden Oberflächlichkeit des Verlaufs liegen mag, jedoch wirkt es hier wirklich originell, wie sie sich von nahezu allen Beteiligten dienstbar machen lässt. Auch Joan Smith wird also Teil eines sehr hohen Unterhaltungswertes und der Zuschauer bekommt die Möglichkeit geboten, sie zu bewundern, an ihr zu zweifeln, mit ihr zu zittern und sie mit voller Begeisterung zu begleiten. Maria Perschy gibt ihrer Rolle in "Jagd auf Unbekannt" im Grunde genommen eine vielleicht nicht gerade unbekannte, aber durchaus seltene Färbung mit. Es scheint, als sehe man hin und wieder etwas mehr Temperament als sonst, doch dies geschieht alles im Rahmen der sehr beeindruckenden Strukturierung ihrer Rollen. Auffällig dabei ist wieder einmal ihre übliche Gestik und Mimik, bei der man Gesichtszüge sieht, die eine Frau spiegeln, die sich stets im Griff zu haben scheint. Leichtere Kostproben von Impulsivität und Angriffslust lassen ein rundes Gesamtbild entstehen und es bleibt bei dem Eindruck, dass Maria Perschy für weitere weibliche Rollen der Reihe eine Stilrichtung mitgeben konnte und daher als eines der überzeugendsten "Kommissar X"- Mädchen in die Historie dieser Serie eingehen darf. In diesem ersten Film gab es allerdings auch weit und breit keine wirkliche weibliche Konkurrenz für sie, was eigentlich schade ist, denn ein paar Reibungsflächen in diese Richtung wären sicherlich gut angekommen.

     

    Vielleicht könnte hier doch eine beinahe unanständig attraktiv aussehende Christa Linder genannt werden, die allerdings vollkommen entgegengesetzt agiert, und sich dem Titelhelden bereitwillig anbietet, wie es zahlreiche andere Damen auch tun. So soll es zumindest auch sein, immerhin wird Joe Walker gegen Ende des Flicks noch mit einer Reihe weiblicher Roboter konfrontiert, die gegen seinen Charme und die berüchtigten Küsse resistent sein werden. Tony Kendall als Mann der ersten Stunde macht seine Sache sehr gut. Es bereitet ein großes Vergnügen ihn in Kopplung mit seiner Agilität und den locker sitzenden Sprüchen zu begleiten. Als Pendant fungiert Brad Harris in ebenso stichhaltiger Manier, sodass dieses dynamische Duo Überzeugungsarbeit vom Feinsten leisten kann. Die Geschichte an sich wirkt noch etwas raffinierter als in einigen Nachfolgerfilmen, Action, Spektakel und Spannung tun ihren Dienst aufgrund einer angemessenen Dosierung sehr bestimmend. Der Kampf gegen ein Phantom, das in Wirklichkeit eigentlich gar keines ist, gestaltet sich aufgrund der abwechslungsreichen und sorgsamen Inszenierung als besonders eingängig, und "Jagd auf Unbekannt" darf als vielleicht als ausgewogenster Reißer in die Geschichte der Serie eingehen, da auch angesichts der etwas satteren Ausstattung einige Akzente gesetzt werden können. Somit ist Fall Nummer 1 nicht nur als perfekter Fischfang für potentielle Fans anzusehen, sondern dieser Beitrag ist gleichermaßen einer der aussagekräftigeren Repräsentanten des florierenden Agenten- und Action-Genres geworden, der kurzweilig und spektakulär unterhalten kann. Natürlich sind zahlreiche Anleihen aus prominenteren Vertretern der Sparte zu finden, aber dennoch schafft Gianfranco Parolini es wirklich nachhaltig, seiner Geschichte eine hauseigene Würze und einen nicht zu verachtenden Charme mitzugeben, was natürlich auch den starken Hauptfiguren zu verdanken ist.

  • Autor: Prisma
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