Der Killer von Wien

Italien | Spanien, 1971

  • Originaltitel: Lo strano vizio della Signora Wardh
  • Alternativtitel:

    Les nuits folles de Mme Wardh (BE)

    La perversa señora Ward (ES)

    Next! (UK)

    The Next Victim! (USA)

    Blade of the Ripper (USA)

    The Strange Vice of Mrs. Wardh (USA - DVD)

  • Deutsche Erstaufführung: 05.05.1972
  • Regisseur: Sergio Martino
  • Kamera: Emilio Foriscot, Floriano Trenker
  • Musik: Nora Orlandi
  • Drehbuch: Vittorio Caronia, Ernesto Gastaldi, Eduardo Manzanos Brochero
  • Inhalt:

    Nachdem ein unbekannter Killer bereits mehreren Damen auf eine nicht gerade zimperliche Art und Weise einen Freifahrtschein in Richtung Himmel vermittelte, herrscht unter der Wiener Bevölkerung Angst und Schrecken. Genau in diesem Moment finden sich die reizende Julie Wardh (Edwige Fenech) und ihr Ehemann Neil Wardh (Alberto de Mendoza) in der Donaumetropole ein, da der werte Gatte in Wien geschäftlichen Verpflichtungen nachgehen muss. In der Beziehung der Beiden kriselt es daher schon seit längerem, da sich Julie von ihrem Partner vernachlässigt und hinter seine Arbeit zurück gesetzt fühlt.

     

    Während Neil also mal wieder aufgrund seiner zeitintensiven Geschäftsterminen mit Abwesenheit glänzt, versucht sich Julie anderweitig ihre Zeit zu vertreiben und erkundet gemeinsam mit ihrer besten Freundin Carol Brandt (Conchita Airoldi) die österreichische Hauptstadt. Dabei lernt sie auf einer Party Carols Cousin George Corro (George Hilton) kennen, der in ihr ein kleines Gefühlschaos verursacht. Der schöne George versucht fortan mit allen Mitteln der hübschen Strohwitwe den Kopf zu verdrehen.

     

    Doch Julie bedrücken zunächst noch ganz andere Sorgen, da auch ihr Ex-Geliebter Jean (Ivan Rassimov) plötzlich wieder auf der Bildfläche erscheint und sie scheinbar auf Schritt und Tritt verfolgt. Ihre vorherige Beziehung mit dem wahnsinnig-wirkenden und etwas sadistisch-veranlagten Ex-Liebhaber war für Julie die reinste Hölle, da sie lange Zeit die Fesseln dieser destruktiven Abhängigkeit nicht abstreifen konnte.

     

    Da sich aber der irre Jean mit dem letzt endlich von Erfolg gekrönten Befreiungsschlag seiner vorherigen Liebes-Marionette nicht abfinden kann, macht er dieser weiterhin das Leben zur Hölle und lässt ihr sogar Rosensträuße mit Morddrohungen in Form von beiliegenden Glückwunschkarten zukommen.

     

    Auch setzt sich zur gleichen Zeit die Mordserie des unbekannten Rasiermesserkillers fort und in Lulie macht sich die schreckliche Vermutung breit, dass vielleicht Jean hinter den bisherigen Meucheltaten stecken könnte und somit jetzt auch ihr nach dem Leben trachtet. Mit einem Panikanfall rettet sie sich eines Abends in die Arme des schönen George und verbringt mit diesem im Anschluss eine ausschweifende Liebesnacht. Doch ihr Seitensprung bleibt scheinbar nicht unentdeckt, da Julie am nächsten Tag unverhofft von einer unbekannten Person damit erpresst wird: Entweder zahlt sie 20.000 $ oder ihr gehörnter Ehemann würde die Wahrheit über seine mittlerweile total verzweifelte Julie erfahren.

     

    Und als wäre das jetzt nicht alles schon genug, wird Julie auch noch durch einen versuchten Mordanschlag eines maskierten und mit einem Rasiermesser bewaffneten Killers in der dunklen Tiefgarage des Wiener Hotels getollschockt.

     

    Mittlerweile ist Julie mit ihren geistigen und körperlichen Kräften am Ende und hat bereits fast jeglichen Lebenssinn aufgegeben.... was geschieht hier bloß?

     

    "Jetzt versuchst Du mir auszuweichen, doch zu Deinem verborgenen Laster habe nur ich den Schlüssel"

  • Autor: Richie Pistilli
  • Review:

    Sergio Martinos "Der Killer von Wien" gehört zu den absoluten Vorzeigeexemplaren der Hochglanz-Gialli und zu meinen liebsten Genrevertretern. Diese mit zahlreichen Farbspielereien und perfekten Bildkompositionen gespickte Inszenierung kann mich jedes mal wieder aufs Neue begeistern und wächst sogar noch weiterhin bei jeder erneuten Betrachtung.

     

    Zu den visuellen Highlights gehören gut durchdachte Kamerafahrten und -einstellungen, traumhaft inszenierte Albtraumsequenzen in Form von Rückblenden oder die wunderschönen Schauplätze wie z.B. die Gatenanlage von Schloss Schönbrunn.

     

    Der Film ist durchgehend in wunderschönen Einzelbildern abfotografiert, von denen sich ein sehr großer Teil für immer ins Gedächtnis fräst und dadurch so schnell nicht wieder vergessen wird und das Hotelzimmer der Wardhs fand schon ein Jahr später bei der “Roten Dame” seine erneute Verwendung

     

    Für das sehr gelungene Drehbuch dürfte federführend Ernesto Gastaldi verantwortlich gewesen sein. Das Highlight dieser sehr spannend inszenierte Krimi-Geschichte stellt dann die völlig unerwartet Auflösung des Plots dar, da sich diese letzt endlich als eine sehr große Überraschung ungeahnten Ausmaßes präsentiert.

     

    Soweit man Sklaven ihrer Triebe in der etwas enger gefassten Definition des Genrebegriffs Giallo außen vor lässt, handelt es sich hierbei (nach Five Dolls for an August Moon) um den wohl zweiten Einsatz von Frau Fenech im Rahmen dieser heißgeliebten Meuchelfilmchen. Wie so oft macht die Edwige auch hier eine sehr ansehnliche Figur und kann den kompletten Film über verzücken.

     

    Der gute George, aber auch Alberto de Mendoza liefern wie gewohnt eine sehr solide Darbietung ab und werden lediglich durch den Auftritt des großartigen und schrecklichen Ivans in den Schatten gestellt. TerrorstalkerRassimov setzt sich in der Rolle des unberechenbaren Jeans ein weiteres Denkmal und verbreitet mal wieder alleine aufgrund seines markanten Äußeren und der bedrohlichen Außenwirkung nicht nur beim Zuschauer, sondern in in erster Linie auch bei der armen Edwige, ein höchstes Maß an Unbehagen und wirkt einfach nur bedrohlich. Was für eine großartige und einmalige Hackfresse (in diesem Fall natürlich im positiven Sinn und ganz lieb gemeint ).

     

    Ansonsten ist auch noch Bruno Corazzari in einer kleineren Nebenrolle mit von der Partie.

     

    Als Krönung des Ganzen, spendierte Nora Orlandi diesem fröhlich, bunten Meuchelspektakel dann auch noch einen passgenauen Score, der zugleich einige unvergessliche Perlen it. Filmusikkunst enthält. Ein sehr brillanter Soundtrack.

     

    Fazit: Einer der ewigen Genre-Klassiker, der auch noch in den nächsten Jahrzehnten eine gute Figur abgeben wird.

  • Autor: Richie Pistilli
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