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Killer sterben einsam

Italien, 1978

  • Originaltitel: I gabbiani volano basso
  • Alternativtitel:

    As Gaivotas Voam Baixo (POR)

    Möwen fliegen tief

    Seagulls Fly Low

  • Regisseur: Giorgio Cristallini
  • Kamera: Gino Santini
  • Musik: Carlo Cristallini, Paola Cristallini, Roberto Pregadio
  • Drehbuch: Giorgio Cristallini, Odoardo Fiory
  • Inhalt:

    Die Geschäftsleute Micheli (Mel Ferrer) und Calvi (Andrea Esterhazy) wollen sich ihres Partners Martini (Giovanni Di Benedetto) entledigen, weil der plant, vor einer Untersuchungskommission gegen sie auszusagen. Hierfür lässt Micheli den Veteran Albert Morgan (Maurizio Merli) einschiffen, den er zu diesem Auftragsmord erpresst.

     

    Zusammen mit zwei Killern (Franco Garofalo und noch einer) fährt Morgan zu Martini in die Fabrik und führt seinen Auftrag aus. Nachdem man ihm einen neuen „fast perfekten“ Pass, Geld und das Erpressungsmaterial ausgehändigt hat, will Morgan zurück in die Vereinigten Staaten fliegen. Doch als eine alte Dame kurz vor dem Start einen Herzinfarkt erleidet, müssen alle Passagiere das Flugzeug wieder verlassen. Als erneut die Pässe kontrolliert werden, gerät er in Panik, denn er glaubt, man habe seinen Pass als Fälschung erkannt.

     

    Morgan begibt sich zu Micheli und verlangt neue Papiere. Als die Polizei in der Firma der beiden Geschäftsleute auftaucht und ein Foto von Morgan vorzeigt, gerät diesmal Calvi in Panik. Er beschließt die beiden Killer (wir erinnern uns, Franco Garofalo und noch einer) damit zu beauftragen, Micheli zu töten. Bei Ausführung ihres Auftrages stolpern sie auch über Morgan, der sich nun auf der Flucht befindet.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Maurizio Merli spielt also diesmal einen Killer, unschwer am ungepflegten Schnauzer und den Zottelhaaren zu erkennen und wie böse er in Martinis Vorzimmer die Uhr anguckt. Doch nachdem er nach seiner Flucht vom Flughafen bei Mel Ferrer auftaucht und einen zweiten Pass mit neuem Gesicht braucht, kommt die Zottelmähne runter, der Bart ist ab, und wir erfahren, dass er eigentlich ein ganz netter ist und nun sieht er auch so aus.

     

    Und wir erinnern uns, Mel Ferrer hat ihn zu diesem Mord erpresst, doch womit eigentlich? Offenbar ist Morgan kein Mörder, was könnte also so schrecklich sein, dass man ihn zu einem solchen erpressen kann? Und wieso braucht er überhaupt neue Papiere für die USA? Er ist doch mit dem Schiff gekommen, da hat er doch auch Papiere gebraucht. Hier versagt nicht etwa die Logik der Geschichte sondern das Bavaria-Videotape. Um kurz abzuschweifen, bei der deutschen Fassung „Killer sterben einsam“ handelt es sich um einen Import aus der DDR, wo der Film – vermutlich – ungekürzt gewesen sein könnte. Zwar trägt Morgan zu Beginn eine grüne Armeejacke aber ansonsten wurden für die VHS sämtliche Referenzen, dass er ein Vietnam-Veteran ist und anscheinend von Ferrer mit einem von ihm begangenen Kriegsverbrechen erpresst wird, entfernt. Dazu gehört ein Flashback kurz vor dem Auftragsmord, der zahlreiche Fotos von Kriegsverbrechen und Gräueln, begangen von amerikanischen Soldaten, zeigt. Das hätte man in der DDR nicht rausgeschnitten, die standen auf sowas. Meiner Ansicht nach hat hier Euro Video/Bavaria politisch motivierte Zensur verübt. Amerikanische Soldaten bei Kriegsverbrechen? Nein, die sind doch alle ganz lieb und artig, ein Vorbild für die ganze Menschheit... egal.

     

    Ansonsten bietet „Killer sterben einsam“ solide Krimiunterhaltung ohne nervenaufreibende Action oder Gewaltexzesse. Also eher etwas zähflüssig das Ganze. In kleineren aber wichtigen Rollen ist Dagmar Lassander als Nachtclubbesitzerin dabei, die Morgan einen neuen Pass besorgen soll. Während seiner Flucht vor den beiden Killern (Franco Garofalo und noch einer, wieso haben die keine Namen?) findet Merli Unterschlupf bei der vereinsamten Ladenbesitzerin Nathalie Delon, der er rät, sich eine Katze oder einen Hund anzuschaffen. Wohl seine Art zu sagen, Du kriegst ja doch keinen mehr ab, nachdem ich weg bin. Inszeniert wurde „Killer sterben einsam“ von Giorgio Cristallini („Man nennt ihn Sacramento“, 1972), eine von nur neun seiner Regiearbeiten. Für Merli-Fans sicherlich ein Muss, für Fans von nervenzerfetzender, asphaltkreischender Hochspannungs-Reifen eher nicht.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Links

    OFDb
    IMDb

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