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Kill Johnny Ringo

Italien, 1966

  • Originaltitel: Uccidete Johnny Ringo
  • Alternativtitel:

    Johnny Ringo, O Caçador dos Fora da Lei (BRA)

    Matad a Johnny Ringo (ESP)

    Tuez Johnny Ringo (FRA)

  • Regisseur: Gianfranco Baldanello
  • Kamera: Marcello Masciocchi
  • Musik: Giuseppe Caruso
  • Drehbuch: Arpad DeRiso, Giovanni Scolaro
  • Inhalt:

    Während der Abwicklung von Geschäften mit Mexiko sind 200.000 Dollar Falschgeld aufgetaucht. Um die guten Handelsbeziehungen nicht zu gefährden und diplomatische Verwicklungen mit dem südlichen Nachbarn zu vermeiden muss der Urheber ausgeforscht und zur Verantwortung gezogen werden. Die Regierung schickt den Texas Ranger Johnny Ringo in die Ortschaft Eagle Pass, in dem die Drahtzieher dieser Falschgeldaffäre vermutet werden. Und Johnny Ringo stößt auch sehr schnell auf so manche Ungereimtheiten.

  • Autor: nerofranco
  • Review:

    Für den langjährigen Regieassistenten Gianfranco Baldanello war "Uccidete Johnny Ringo" seine zweite Regiearbeit nach dem recht ansprechendem Western "30 Winchester per El Diablo" (30 Winchester für El Diablo), in dem Carl Möhner die Stadt Canyon City von der Bande rund um den mysteriösen El Diablo befreit. Als Assistent arbeitete Baldanello in den 50’er und 60’er Jahre vor allem an zahlreichen Peblums, Mantel- und Degenfilmen, Komödien und Western mit, von denen jetzt kein Film besonders ins Auge sticht. Am interessantesten ist da vielleicht noch der Western "El Rojo" von Leopoldo Savona, der ein paar recht ungewöhnliche Zutaten enthält. Seine Regiearbeiten fügen sich da nahtlos an, die allesamt recht belanglos und durchschnittlich daherkommen, wenn auch meisten immerhin einigermaßen unterhaltsam. Einzige Ausnahme bildet der knallharte "Black Jack" (Auf die Knie, Django), in dem Robert Woods auf einen unerbittlichen Rachefeldzug geht.

     

    "Don’t play with fire if you don’t want to get burned."

     

    Mit "Black Jack" ist Baldanello also ein richtiger Kracher gelungen ganz im Gegensatz zu diesem hier. "Uccidete Johnny Ringo" ist ein wenig bemerkenswerter früher Genrevertreter, der nicht allzu viele Schauwerte zu bieten hat. Dabei ist der Ansatz der Geschichte recht interessant. Ein Texas Ranger kommt inkognito in das von einem Despoten beherrschte Nest Eagle Pass um einen Geldfälscherring auffliegen zu lassen und die Verbrecher ihrer gerechten Strafe zukommen zu lassen. Allerdings wird das Ganze so belanglos und uninspiriert heruntergespult, dass der Film es kaum schafft den Zuschauer in seinen Bann zu ziehen. Dadurch überrascht aber der ungewöhnlich dramatische und harte Schluss umso mehr, dem es zu verdanken ist, dass "Uccidete Johnny Ringo" einem doch noch länger im Gedächtnis bleibt.

     

    Der Texas Ranger Johnny Ringo wird dargestellt vom Amerikaner Brett Halsey in seinem ersten aber nicht letzten Auftritt in einem Italowestern. Seine beste Rolle hatte Halsey meiner Meinung nach in Tonino Cervis erstklassigem "Oggi a me… domani a te!" (Heute ich – morgen du), in dem er mit der Unterstützung von einer Handvoll Killer, u.a. Bud Spencer und William Berger, den Mord an seiner Frau rächt. Aber auch sein alkoholkranker Sheriff in Alberto Cardones "20.000 dollari sporchi di sangue" kann sich mehr als sehen lassen. Als Johnny Ringo macht er eine ganz ordentliche Figur ohne allerdings einen großen Eindruck zu hinterlassen. Ihm zur Seite steht Sheriff Parker, gespielt von Guido Lollobrigida, der in seiner Stadt mit den Methoden des skrupellosen Geschäftsmannes Jackson zu kämpfen hat, denn der schaltet jeden aus, der ihm im Wege steht. Einer davon ist der junge Ray Scott, der zwar ein Mitarbeiter von Jackson ist aber kurz davor ist über dessen krumme Geschäfte bei der Regierung auszuplaudern. Das bringt ihn natürlich mächtig in die Bredouille.

     

    Verliebt ist Ray in die hübsche Annie, die sich bedauerlicherweise im Besitz von Jackson befindet (Jackson: "You belong to me." – Annie: "I just belong to you like this place and everything in this town. Gary, please, give me my freedom back and let me go away, please"). Dargestellt wird Annie von Greta Polyn, die im Saloon ihres Gatten arbeitet und das Liedchen "How long is the Night" trällern darf. Attilio Dottesio mimt den Dorfarzt, der für seine Hilfsbereitschaft kräftig bezahlen muss. Auch sonst gibt es noch jede Menge bekannte Gesichter zu sehen, Franco Gulà beispielsweise, sodass für Genrekenner zumindest eine schöne Wohlfühlatmosphäre entsteht.

     

    Einer der wenigen Glanzpunkte des Films ist der Auftritt von Guglielmo Spoletini als spielsüchtiger José, der sogar seine Farm verkauft um weiterspielen zu können. Zu allem Überdruss wird er auch noch von Jacksons Leuten dazu benutzt um dem unschuldigen Ray einen Mord anzuhängen. Und wer der Ermordete ist kann man sich denken. Als messerschwingender Bandit ist Federico Chentrens zu sehen, der später die Western-Komödie "Le juge", nach einem Comic von Morris und Goscinny, inszenierte, die ich leider noch nicht gesehen habe. Danach wanderte er mit der gesamten Familie nach Australien aus und drehte dort unter anderem noch den Fernsehfilm "The Bushranger" bevor er von der Bildfläche verschwand (1).

     

    Die Musik von Giuseppe Caruso bleibt einem nicht lange im Ohr hängen, der Komponist ist im Film aber immerhin als Klavierspieler zu bewundern. Für den Schnitt zeichnete sich hier kein geringerer als Bruno Mattei verantwortlich, der später als Regisseur so manchen Heuler inszenierte. Da wir es hier noch mit einem frühen Vertreter des Genres zu tun haben, können wir auch noch jede Menge englische Pseudonyme bestaunen. Am besten finde ich jenes von Nino Fuscagni, der als Pseudonym seinen Rollennamen Ray Scott verwendete. Die Version, die ich gesehen habe, irgendeine skandinavische Fassung, ist allerdings auch mehr als bescheiden. Nicht nur die Bildqualität ist mies, es fehlt auch an allen Ecken und Enden und gekürzt ist er obendrein. Vielleicht könnte eine gute Fassung den Film noch etwas aufwerten, bisher gibt es weltweit noch keine einzige Veröffentlichung auf DVD oder Blu-ray. (2)

     

    Regisseur Gianfranco Baldanello gelang mit "Uccidete Johnny Ringo" ganz sicher nicht der große Wurf. Aus einer durchaus interessanten Grundidee machen Drehbuch und Regie nicht wirklich viel und so bleibt am Ende nur ein belangloser Durchschnittswestern, den man sich zwar ganz gut anschauen kann, der aber nur aufgrund des sehr guten und dramatischen Endes zumindest ein wenig Eindruck hinterlässt. Nach dem ebenfalls nicht sonderlich aufregenden "I lunghi giorni dell'odio" (Seine Winchester pfeift das Lied vom Sterben) folgte im Jahr 1968 "Black Jack", und den muss man gesehen haben.

     

    (1) http://trove.nla.gov.au/newspaper/article/46457966
    (2) http://www.spaghetti-western.net/index.php/Uccidete_Johnny_Ringo

  • Autor: nerofranco
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