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Karamurat - Sein Kung-Fu ist tödlich

Italien | Türkei, 1976

  • Originaltitel: Kara Murat: Seyh Gaffar'a Karsi
  • Alternativtitel:

    Karamurat, le vengeur (FRA)

    The Magic Man (GBR)

    Karamurat, la belva dell'Anatolia (ITA)

    As Aventuras de Karamurat (POR)

    Der Rächer des Khan

  • Deutsche Erstaufführung: 14. April 1978
  • Regisseur: Natuk Baytan, Ernst Hofbauer
  • Kamera: Cetin Gürtop
  • Drehbuch: Erdogan Tünas, Fuat Özlüer
  • Inhalt:

    Fürst Mustafa verfügt über ein weißes Pulver mit dem er seine Feinde gefügig macht. Die geistig versklavten „Puderzuckerjunkies“ sind fortan bereit für den allmächtigen Mustafa nicht nur ihr eigenes Leben, sondern auch das ihrer Kinder zu opfern. Der osmanische Vizeherrscher genießt seinen irdischen Allahstatus und will seine Macht auf das gesamte Reich ausweiten. Ergo strebt er einen Krieg gegen seinen letzten Kontrahenten (den Khan) an.

  • Autor: Frank Faltin
  • Review:

    Turksploitation, Natuk Baytan, Cüneyt Arkin! Was braucht man mehr, um glücklich zu sein? Mir kämen fundierte Informationen über die „Kara Murat-Filme“ sehr gelegen, aber die Gilde der Filmhistoriker hat sich mit diesem Komplex leider sträflich wenig auseinandergesetzt. Demzufolge muss ich die Internetdatenbanken zurate ziehen, um ein zumindest halbwegs stabiles Grundgerüst zu konstruieren. Die Recherche spendiert mir sechs Streiche des Kara Murat, welche in der Zeitspanne zwischen 1972 und 1978 verbrochen und allesamt von Natuk Baytan inszeniert wurden. Die 2015 vollzogene „Wiederbelebung“ des „anatolischen Volkshelden“ („Fatih'in Fedaisi Kara Murat“) klammere ich bewusst aus, da diese Produktion in anderen Dimensionen budgetiert ist und somit das damalige Bild der türkischen Filmindustrie deutlich kaschiert.

     

    Der große Star dieser speziellen Filmproduktionen ist unbestreitbar Cüneyt Arkin. Der unschlagbare Matador aus den Arenen von Beyoğlu und zugleich der Beschützer aller Muslime. Neben seinen unzähligen Auftritten in halbgaren Filmportionen vom Kebabspieß drehte Cüneyt auch außerhalb der Türkei. Dabei konnten ihn die westlichen Arbeitspraktiken und das große Personalaufgebot an den Drehorten kolossal begeistern, denn so etwas wie professionelle Stuntmen standen für türkische Filmproduktionen nicht zu Verfügung. Wer hätte die auch finanzieren sollen? Dementsprechend wurden die Protagonisten im Dunstkreis des Emek Kinos konsequent zur Furchtlosigkeit gedrillt; und sollte Cüneyt eine Szene als zu gefährlich eingestuft haben, dann ermutigte man ihn mit den Worten: „Was willst du? Du bist doch Güneyt Arkin!“

     

    Ob die Drehvoraussetzungen beim „Rächer des Khan“ ebenso chaotisch abliefen, lässt sich nicht so einfach prognostizieren. Schließlich klinkten sich die Italiener sowie Ernst Hofbauer (dessen Schweinkramfilme den Rechtsextremisten Manfred Roeder zur Weißglut trieben, sodass er mit Farbbeuteln die Keuschheit des Vaterlands retten wollte) in die Produktion ein. Dem Film stand somit ein ordentliches Budget zur Verfügung, was allerdings nicht bedeutet, dass der Streifen weniger dämlich daherkommt als der übliche, chaotische Filmoutput: Made in Turkey. 

     

    Ein übermächtiger Impuls für diese Erkenntnis ist Cüneyt Arkins imposanter Kampfstil, wie z. B. seine gestreckte Doppelfaust mit der er seine Gegner niedermäht ohne sie zu berühren. Ungeachtet seiner Box- und Karatefähigkeiten ist Cüneyt ein Meister des Hechtsprungs. Seine sensationellen Trampolinhüpfer wurden vom Schnitttechnikspezialisten extra in eine vierfache Schleife gezwängt, sodass ein „Special Turkey Loop“ resultiert, der selbst den einstigen Weltmeister dieser Disziplin, Lionel Pioline, zu stehenden Ovationen bewegen sollte.  

     

    Leider ist es der deutschen Synchronisation geschuldet, dass die Protagonisten während dieser Kampf- und Actionsituationen selten blöden Kalauer von sich geben. Man hätte in diesen Situationen den gleichen bierernsten Weg beschreiten sollen, wie es beim Rest des Films der Fall ist, denn genau diese aufgesetzte Ernsthaftigkeit gibt dem anatolischen Unfug die mundende Würze.

     

    Obwohl der Film, wie bereits erwähnt, relativ gut budgetiert wirkt und viele  Komparsen verpflichtet wurden, hat man es mit den Kostümen nicht so genau genommen und diese höchstwahrscheinlich aus der Altkleidersammlung stibitzt. Eine Putzfrau konnte ebenfalls nicht engagiert werden, denn die Kulissen und Räumlichkeiten von Kebabspor wirken gewohnt schäbig und asozial.

     

    Fazit: Wenn Kara Murat den Zuschauer zum Abschlussball lädt, dann ist der Untergang des Morgenlands längst besiegelt. Absurde Schnittfolgen, hektisches Kampfgezappel und eine sich stets wiederholende Explosion setzen dem ratlosen Sultan endgültig die Christenkrone auf. Trotz dieses fulminanten Endspurts muss ich anmerken, dass die (ebenfalls in Deutschland veröffentlichten und ähnlich ambitionierten) Dönervehikel „Der heilige Krieg“ und „Lion Man“ einen Tick mehr „Druck auf dem Kessel" haben.

     

    In diesem Sinne:

    Cüneyt Arkin – Fußballgott!

  • Autor: Frank Faltin
  • Links

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    IMDb

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