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Kampf um Rom

Deutschland | Italien | Rumänien, 1968/1969

  • Originaltitel: Kampf um Rom - 1. Teil / Kampf um Rom - 2. Teil: Der Verrat
  • Alternativtitel:

    La invasión de los bárbaros (ESP)

    Pour la conquête de Rome (FRA)

    La calata dei barbari (ITA)

    Lupta pentru Roma (RUM)

    The Last Roman (USA)

  • Deutsche Erstaufführung: 17. Dezember 1968
  • Regisseur: Robert Siodmak
  • Kamera: Richard Angst
  • Musik: Riz Ortolani
  • Drehbuch: Ladislas Fodor
  • Inhalt:

    Um 500 nach Christus bricht das einst so mächtige römische Reich auseinander und wird machtpolitisch aufgeteilt. Herrscher über den Osten ist Kaiser Justinian (Orson Welles) in Byzanz, im Westen hat der Gotenkönig Theoderich Italien in die Knie gezwungen. Nach dessen plötzlichem Tod entfacht sich zwischen seinen Töchtern Mathaswintha (Honor Blackman) und Amalaswintha (Harriet Andersson) ein unerbittlicher Machtkampf um den Thron. Der Kronrat macht Mathaswintha zur Königin und ihre Schwester schwört Rache aus der Verbannung. Unter diesen unruhigen Bedingungen sieht der römische Adelige Cethegus (Laurence Harvey) seine Zeit gekommen und versucht sich mit List und Intrigen Macht zu verschaffen, indem er nicht nur die neue Königin der Goten zu beeinflussen, sondern auch den byzantinischen Kaiser zu einem Krieg gegen die Goten zu bewegen versucht. Bei Hofe hat er in Kaiserin Theodora (Sylva Koscina) eine hilfreiche Verbündete gefunden...

  • Autor: Prisma
  • Review:

    Robert Siodmaks Geschichtsepos "Kampf um Rom" besteht aus zwei Teilen in Spielfilmlänge und mit einem Produktionsbudget von rund 15 Millionen D-Mark handelt es sich um die bis zum damaligen Zeitpunkt kostspieligste deutsche Kino-Produktion. In den Bereichen Aufwand und Ausstattung lässt sich durchaus erkennen, dass man insgesamt nicht besonders kleinlich war, obwohl man aus Kostengründen in Rumänien drehte. Das Star-Aufgebot und die Komparserie sind überwältigend, so dass man es schon einmal mit günstigen Voraussetzungen zu tun bekommt. Der geschichtliche Kontext wurde durch die Dramaturgie stark verändert, was ganz konkret heißt, dass Schicksale frisiert, Personen hinzu erfunden, und Gegebenheiten komplett anders dargestellt wurden, außerdem konnten viele Inhalte trotz der doppelten Spielfilmlänge nur angerissen werden, was ein Kritikpunkt, aber auch gleichermaßen ein Vorteil sein kann, je nachdem was man gerne sehen möchte. Falls man es schafft, die Geschichte mit all ihren reißerischen bis romantischen Auswüchsen anzunehmen, bleibt unterm Strich Unterhaltungskino der unterhaltsamen Sorte. Sucht man eher nach dem geschichtlichen Konsens, wird die Nadel im Heuhaufen möglicherweise Enttäuschung heißen. Fakt ist, dass Siodmak sein Epos so weit wie möglich zuschauerfreundlich gestaltet hat, da man beispielsweise in den Bereichen Spektakel, Darstellkunst oder Dramatik etliche Hingucker geboten bekommt, die für einen soliden, hin und wieder sogar überdurchschnittlichen Eindruck sorgen. Lediglich die Spannungskurve geht im zweiten Teil deutlich nach unten, zumal es im Verlauf effektiv immer weniger Personen geben wird, die zuvor mitreißen konnten. Die Bildgestaltung und die Kulissen sind größtenteils beachtlich und es kommt zu einem empfunden authentischen Transfer, Riz Ortolanis bombastische Klänge verhelfen dem Spektakel in den richtigen Momenten dazu, in Verbindung mit rasanten Einstellungen auch als solches wahrgenommen zu werden, ja, und die internationale Star-Riege weiß zu begeistern, obwohl viele Parts sehr kurz, wenngleich auch hoch präzise ausgefallen sind.

     

    Der gebürtige Litauer Laurence Harvey spielt die Rolle des machthungrigen Präfekten Cethegus sehr glaubwürdig, auch wenn es sich um keine historisch belegbare Figur handelt. Sein Schachspiel und das Konspirieren gegen so gut wie alle Lager macht ihn gefährlich, ebenso wie seine Intelligenz, die von Gegnern zwar gefürchtet, aber womöglich unterschätzt wird. Lediglich die Figur des General Narses, gespielt von einem wie immer bemerkenswerten Michael Dunn, scheint ihm und allen anderen Personen überlegen zu sein. Narses setzt auf ein indirektes Schach dem König, doch der Weg dorthin führt über ein perfides Gardez la dame, allerdings ohne Ankündigung. Zuvor wartet er jedoch geduldig ab und sieht mit Vergnügen dabei zu, wie seine Pläne aufgehen, er sitzt Gefahren einfach aus, und lässt die Beteiligten schließlich gegeneinander antreten, um später ihre Reste aufsammeln zu können. In diesem Zusammenhang kommen die großartigen Leistungen von Sylva Koscina als Kaiserin Theodora und Orson Welles als Justinian zum Tragen, die sich in ihren wenigen Sequenzen Präzisionsauftritte zur vornehmsten Aufgabe machen und die Macht in Byzanz eindrucksvoll repräsentieren. Im gotischen Lager weiß der erbitterte Kampf um den Thron zu gefallen, den sich Honor Blackman und Harriet Andersson liefern. Es wird eine große Bühne für Theatralik und Fantasie geschaffen, beide Interpretinnen zeigen Leistungen der Spitzenklasse mit Feuer und Temperament. Die romantische, beziehungsweise verklärte Seite bedienen vor allem Robert Hoffmann und Ingrid Boulting, hier als Ingrid Brett, sowie Florin Piersic und Ewa Stroemberg in einer ihrer wenigen Charakterrollen als Rauthgundis. So trägt das Drehbuch im Kampf um Emotionen und gewissen Rührseligkeiten manchmal recht dick auf, um sicher im Unterhaltungssektor punkten zu können. Die größte Unterstützung hierbei stellt Riz Ortolanis melancholisch und minutiös angepasste Musik dar, wenn es weniger um geschichtliche Fakten, als um Spektakel geht.

     

    Im cineastischen Sinne gipfelt "Kampf um Rom" in einem Kampf um die Gunst des Zuschauers, die genannten Vorteile lassen den doppelten Verlauf oft spannend und auch mitreißend erscheinen. Leider geht dieser ambitionierten Großproduktion die Luft im zweiten Teil "Der Verrat" an vielen wichtigen Stellen aus, es kommt zu immensen Zeit- und Gedankensprüngen und unzureichenden Erklärungen, so dass lange Strecken bis zum Finale eher eilig heruntergekurbelt wirken und sich empfindliche Längen einschleichen. Es kommen gestreckte Phasen und dramaturgische Aussetzer auf, die dem Gesamtbild leider schaden und wenn sich die Ereignisse schließlich überschlagen, merkt man eben nicht mehr sehr viel von der ziemlich bedachten Strategie und dem recht intelligent konstruierten Aufbau des ersten Teils, der ja schließlich den Weg für den Nachfolger geebnet hat und ein möglicherweise fulminantes Finale suggeriert. Die große Stärke der Angelegenheit ist die hochwertige Dialogarbeit, die alles zwischen großen Worten und der zynischen Peitsche offeriert, es entstehen mitunter doch sehr starke Momente. In diesem Zusammenhang sind einige Wölfe im Szenario aufzuspüren, die buchstäblich Kreide gefressen haben, außerdem ist die deutsche Synchronisation mehr als gelungen. Eine große Schwachstelle präsentiert sich allerdings im Bereich der Montage, denn harte, oder eher ungenaue Schnitte durchziehen den Verlauf wie ein roter Faden, was zu einem handwerklich unrunden Ergebnis führt. Über allem steht glücklicherweise der hohe Unterhaltungswert und es lässt sich schließlich wesentlich mehr Ambition herausfiltern, die von gewissen Ungereimtheiten nicht bedeutend gestört werden kann. "Kampf um Rom" erweist sich mit seinen zwei Teilen insgesamt als gelungenes Unterhaltungspaket und es ist selbst beim mehrmaligen Anschauen leicht möglich, Siodmaks Film nachhaltig faszinierend zu finden. Sehenswert!

  • Autor: Prisma
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