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Justine

Italien, 1979

  • Originaltitel: Justine
  • Alternativtitel:

    La suceuse (FRA)

    Justine de Sade (GBR)

    Le porno libidini di Justine (ITA)

    Justine and the Whip (USA)

  • Regisseur: Jesús Franco, Joe D'Amato
  • Kamera: Jesús Franco
  • Musik: Nico Fidenco, Daniel White
  • Drehbuch: Jesús Franco
  • Inhalt:

    Justine (Lina Romay) ist ein Kind des Nachtlebens und verdient sich ihren Unterhalt nebenbei auch mit Prostitution. Doch die zahlreichen erotischen Begegnungen mit verschiedensten Menschen befriedigen sie nur unzureichend, sie will mehr. Der Poet Chris (Alain Petit) mag es auf die ganz harte Tour und die Peitschenexzesse gehen Justine nicht mehr aus dem Kopf. Immer wieder driftet sie zu ihm zurück, bis zu ihrem unglücksseligen Ende.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Eine schön kurz gehaltene Inhaltsangabe zu einem Film, von dem ich kein Wort verstanden habe, weil ich kein Italienisch kann und der auch nicht mit allzu viel (sinnvoller) Handlung aufwartet. Das macht aber nichts, ist nur ein Porno. Obwohl...so einfach ist das nicht, weit gefehlt.

     

    Ungefähr im Jahr 1975 (das Schlafzimmer aus „Exorcisme et messes noire“, würde die Drehzeit wieder etwas vorverlegen) drehte Jess Franco „Julietta 69“, von dem es lange Zeit hieß, es handele sich um einen nicht fertiggestellten Film. Darsteller Alain Petit sieht das anders, bestätigte in einem Interview eine einmalige Kinoaufführung in Frankreich mit einer Länge von ca. 100 Minuten. Anschließend habe man an einer englischsprachigen Tonfassung gearbeitet, aufgrund einiger recht kontroverser Szenen erwies sich „Julietta 69“ allerdings als unverkäuflich und landete in Francos Schublade.

     

    Im Jahre 1978/79 schuldete Franco irgend jemandem einen fertigen Film. Er schwört Stein und Bein, er habe den Film gedreht und seine Beschreibung hört sich wirklich toll an, muss seine beste Arbeit gewesen sein, wenn man ihm glauben möchte. Er wollte ihn gerade abliefern, leider hat ihn aber im Taxi vergessen und weg isser und ward nie wieder gesehen. Mist aber auch. Rein zufällig wäre er aber noch im Besitz dreier nicht fertig gestellter Filme, deren Material er als Kompensation anbot. Wem die Geschichte bekannt vorkommt, ja, so gelangte auch das ursprüngliche Material von „Gardiennes du Penitencier“ (Frauengefängnis 2) in Umlauf, von dem Franco Stein und Bein schwörte, dass er absolut nichts damit zu tun gehabt hätte, da er den Film bekanntlich für Erwin C. Dietrich – wegen dessen Forderung nach Cinemascope – (noch mal) drehte, was er bestreitet, er habe ihn nur ein Mal gedreht. Sein Beweis: eben weil unterschiedliches Filmmaterial und Kameras benutzt worden seien. Egal, wo war ich?

     

    „Julietta 69“ gelangte also in Besitz der Italiener, ob vollständig oder nur in Teilen, ist mir nicht bekannt. Ich vermute aber letzteres, denn man gab das Material in die Hände von Joe D’Amato, der nur Teilmaterial mit Szenen aus Francos „Midnight Party“ und „Shining Sex“ versetzte, neu vertonte und Musik aus „Black Emanuelle“ drüber legte. Das klingt ein bisschen chaotisch, funktioniert aber – bis auf die Musik von Fidenco, die einfach nicht zu einem Franco-Film passt – noch halbwegs gut. Lina Romays Frisur ändert sich allerdings desöfteren. Nach dem, was man noch vom Originalfilm erahnen kann, handelt es sich um ein weitgehend in Hotelzimmern- und Lounges gedrehtes Erotik-Drama mit sehr düsterem Unterton, aber recht schön fotografiert. Die Hardcore-Szenen sind zwar teils Fremdmaterial, allerdings stammt dieses ausschließlich von Franco selbst (u. a. aus der französischen Hardcore-Fassung von „Shining Sex“) und zeigt somit auch die Darsteller, die wir im Film sehen. Kontrovers ist das Ende:

     

    ANFANG SPOILER Lina Romay findet ihren Poeten als Opfer eines gescheiterten Asphyxie-Experiments erhängt vor und bläst dem Toten die Resterektion. Anschließend schießt sie sich selbst in die Vagina. ENDE SPOILER. Eine kontroverse Mordszene aus „Julietta 69“ fand in D’Amatos Schnittfassung von „Justine“ leider keine Verwendung.

     

    Die italienische DVD von Cine Sexy/CG Entertainment hat ein erstaunlich gutes Bild und ist somit dem grauenvollen, flackernden VHS-Rip aus dem Internet vorzuziehen. Nur leider ohne verständliche Untertitel. Diese habe ich besonders bei der Featurette „Tio Jess in Italia“ vermisst, einem Interview, in dem Franco explizit auf italienische Co-Produktionen und Veröffentlichungen seiner Filme eingeht. Ich hätte gerne gehört, wie diplomatisch er da argumentiert hat, denn bekanntlich hielt er von D’Amato nicht viel. Zudem werden im Verlauf ein paar s/w-Fotos eingeblendet, die anscheinend Rosemary Dexter und Rosalba Neri bei Test-Shoots für die Rolle von „Marquis de Sade: Justine“ zeigen. Von Rosemary Dexter wusste ich, Rosalba Neri wäre mir allerdings neu. Aber Vorsicht mit dieser Info, denn wie gesagt habe ich keine Ahnung was dazu geredet wurde mangels Untertiteln. Am Ende ging die Rolle bekanntlich – und gegen Francos Willen – an Romina Power.

     

    Fazit zu Franco/D’Amatos „Justine:“ nur für Franco-Komplettisten, Lina Romay-Fans und Sammlern eher seltener Hardcore-Filme. Was den Titel des Orginalfilms „Julietta 69“ betrifft, so habe ich den aus dem ofdb-Eintrag übernommen, würde diesen Titel jedoch aus Gründen der Logik eher dem 1970 entstandenen, unfertigen „Juliette“ mit Soledad Miranda zuordnen. Oder warum sollte Franco eine 1974/75 entstandene Adaption „Julietta 69“ nennen? Die im Vospann neben Lina Romay genannte Alice Arno ist nicht dabei, Jess Franco hat einen Auftritt als ängstlicher Freier, der Justine beim Sex mit einem anderen Mann zuschauen will.

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