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Jonny Madoc rechnet ab

Italien, 1967

  • Originaltitel: Pecos è qui: prega e muori!
  • Alternativtitel:

    Pecos Vem para Matar (BRA)

    Pecos renser ud (DEN)

    Pecos tekee puhdasta jälkeä (FIN)

    Döden rider bredvid (SWE)

    Pecos Cleans Up (USA)

  • Deutsche Erstaufführung: 08. Dezember 1967
  • Regisseur: Maurizio Lucidi
  • Kamera: Franco Villa
  • Musik: Coriolano Gori
  • Drehbuch: Adriano Bolzoni, Augusto Caminito, Fernando Di Leo
  • Inhalt:

    In den mexikanischen Bergen herrscht “El Supremo“. Skrupellos und rücksichtslos sucht er mit seiner Bande von Halsabschneidern nach dem Schatz des Montezuma, als dessen Nachkomme er sich sieht, um Mexiko zu erobern. Zumindest behauptet er das ... Dem Pistolero Jonny Madoc schmeckt der Typ nicht so recht, darum zieht er mit der Unterstützung dreier Mariachi-Musiker los, El Supremo zu beseitigen. Und so ganz nebenbei 40.000 Pfund in Gold einzusacken …

  • Autor: Maulwurf
  • Review:

    War Jonny Madoc im ersten Teil noch ein von Rache getriebener und düsterer Todesbringer, der ähnlich wie Django durch die Hölle musste um Erlösung zu finden, so ist er hier eigentlich nur noch ein Herumtreiber der auf eine Chance des Schicksals wartet reich zu werden, ohne dabei jemals ernsthaft in Lebensgefahr zu geraten. El Supremo wird als allmächtig und unangreifbar geschildert, sein Versteck in einem aztekischen Tempel wird gut bewacht und absolut niemand kann dort eindringen*. Supermann gegen Superschurke. Also was denkt sich unser Jonny? “Irgendjemand müsste mal den Mut haben dort aufzuräumen. Ich versuch’s. Macht ihr mit?“ Die Mariachi schauen sich an und sind relativ begeistert, etwa so als ob es auf den Rummelplatz geht. Das handlungsauslösende Moment ist also schon einigermaßen schwächlich. OK, 40.000 Pfund in Gold sind eine Menge Schotter, da kann man schon mal ein Risiko eingehen. Weswegen man sich in Nullkommanix einen Plan ausdenkt, der die Komplexität fortgeschrittener Betriebswirtschaft besitzt. Und auch in etwa die gleiche Spannung.

     

    Nein, das stimmt nicht, spannend ist JONNY MADOC RECHNET AB durchaus. Das Problemchen ist einfach, dass die Handlung aus einem durchschnittlichen Eurospy kommen könnte, oder auch einer Folge AL MUNDY, ÜBERNEHMEN SIE entliehen sein könnte. Eine kleine Gruppe Personen möchte einem supermächtigen Popanz etwas klauen. Das ganze ist nicht superernst, schon gar nicht realistisch, und der Held ist logischerweise ein Tausendsassa der alles kann und zwischen Cantina und Ausfahrt Kiesgrube-Süd ungeheuer komplexe Planungen (da sind sie schon wieder) durchführen kann. Al Mundy könnte das auch, oder Jim Phelbs aus MISSION IMPOSSIBLE. Bloß, dafür schau ich mir nicht unbedingt einen Western an …

     

    Sprich, mein Hauptkritikpunkt ist eigentlich gar nicht mal die für einen Italo-Western untypische Handlung, sondern vielmehr die dadurch resultierende mangelnde Stimmung. Ich gebe zu dass ich da Purist bin, aber eine Wildwest-Hamlet-Verfilmung (DJANGO – DIE TOTENGRÄBER WARTEN SCHON) oder MISSION IMPOSSIBLE im IW-Gewand (DIE FÜNF GEFÜRCHTETEN) gefällt mir ganz ausgezeichnet solange die Atmosphäre passt, solange das ganze noch wie ein Italo-Western schmeckt.

    Hier hingegen spielt sich sehr viel Handlung rund um einen aztekischen Tempel ab, so richtig mit scheußlichen Steinkötern, Geheimgängen und Verliesen, was irgendwie eher nach einem Abenteuerfilm mit Lex Barker schreit als nach einem Western mit Robert Woods. Lex Barker würde auch eher nach einer goldenen Barke suchen (was für ein Wortspiel) denn ein Pistolero, dessen Hauptaugenmerk darauf liegt schnell zu ziehen und sicher zu schießen. Der Bösewicht trägt eine Oberbekleidung im Stile von Dr. No, was ich persönlich ebenfalls als leichten Stimmungstöter empfinde, und die drei Mariachi sind außer für die Drecksarbeit für den Helden auch dazu da ab und zu lustige Mariachi-Musik zu dudeln und dabei Spaß zu verbreiten. Aber halt auch nicht so viel Spaß dass man denken könnte man wäre in einem Spaßwestern, die gab es 1967 noch nicht. Somit sehe ich auch an dieser Stelle eher einen Heist-Movie mit genialem Schurken und lustigen Sidekicks denn einen Western. Was zwar ganz nett ist, aber eben auch nur ganz nett. DIE 7 GOLDENEN MÄNNER sind da irgendwie mitreißender …

     

    Nochmal: Schlecht ist der Film nicht, er hat mit Robert Woods einen charismatischen Hauptdarsteller, ordentlich gemachte Action und ist nicht unspannend. Dazu kommen in den Nebenrollen hervorragende Akteure wie Umberto Raho und Carlo Gaddi, die aus ihren Rollen einiges rausholen können. Damit kann der Streifen mehr bieten als so manch anderer lahmer Italo-Western, aber für mehr als einen durchwachsenen Fernsehabend reicht es halt einfach nicht. Da empfehle ich den ersten JONNY MADOC erheblich mehr, der von Handlungsaufbau, Stimmung und Spannung her an DJANGO erinnert, während JONNY MADOC RECHNET AB trotz seines relativ frühen Entstehungsdatums eher in die Richtung von Filmen wie dem einige Jahre später entstandenen DREI HALUNKEN UND EIN HALLELUJA geht, also die Gratwanderung zwischen ernstem und heiterem Western versucht. Nun, wer’s mag …

     

    *Natürlich außer Jonny The Man und seinen drei Swinging Mariachi!

  • Autor: Maulwurf
  • Veröffentlichungen:

    Die deutsche DVD ist erschienen in der Italowestern-Enzyklopädie No. 3, zusammen mit den Filmen SARTANA, LANKY FELLOW und JONN YMADOC, und ist, wie bei Koch Media üblich, eine runde Sache. Das Bild ist hervorragend, aber nicht übertrieben gefiltert und gereinigt, enthalten sind deutscher, englischer und italienischer Ton mit optionalen deutschen Untertiteln. Sehr interessant und auch kurzweilig ist eine untertitelte Featurette mit dem italienischen Filmhistoriker Fabio Melelli in der er über die Entstehung des Filmes redet. Dazu geschnitten sind Ausschnitte eines Interviews mit dem Kameramann Franco Villa, der Anekdoten aus der wilden Zeit des italienischen Genrekinos erzählt.

  • Autor: Maulwurf
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