Johnny Yuma

Italien, 1966

  • Originaltitel: Johnny Yuma
  • Alternativtitel:

    Johnny Yuma, o Vingador (POR)

  • Deutsche Erstaufführung: 05. Mai 1967
  • Regisseur: Romolo Guerrieri
  • Kamera: Mario Capriotti
  • Musik: Nora Orlandi
  • Drehbuch: Fernando Di Leo, Romolo Guerrieri, Sauro Scavolini, Giovanni Simonelli
  • Inhalt:

    Auf der wohlhabenden Ranch der Feltons ist die Welt nicht wirklich in Ordnung: Die schöne Hausherrin Samantha hat es satt nur das Anhängsel ihres Mannes zu sein, sie will endlich selber herrschen. Und dann eröffnet ihr Angetrauter ihr auch noch, dass er nicht Samanthas Bruder Pedro als Gutsverwalter haben will, sondern nach seinem Neffen Johnny Yuma gerufen hat. Kurzerhand tötet Samantha ihren Gatten (richtiger: Sie lässt töten ...) und beauftragt ihren Verflossenen, den jetzigen Berufskiller Lawrence, Johnny Yuma umzulegen. Doch Lawrence und Johnny sind beide von echtem Schrot und Korn und freunden sich vorsichtig miteinander an. Pedro und sein Handlanger Sugar sind davon nicht wirklich erfreut und so wird die Jagd auf Johnny eröffnet. Wobei nicht so recht klar ist, auf wessen Seite Lawrence eigentlich wirklich steht …

  • Autor: Maulwurf
  • Review:

    “Meinen Sie nicht auch, dass Sterben etwas Besonderes ist? Der wichtigste Augenblick im Leben!“

     

    Es gibt Western, bei denen liegt der Fokus auf Action. Auf Schießereien, auf Schlägereien, auf eine Abfolge wie auch immer gearteter aufregender Szenen, die den Zuschauer meist erfolgreich vergessen lassen, dass die gesehene Handlung eher zu vernachlässigen ist. Solche Filme machen Spaß.

    Es gibt aber auch Western, bei denen die Psyche durchleuchtet wird, die oft komplizierten Beziehungen zwischen Menschen thematisiert werden, und wo die Grausamkeiten, die man sich so in jeder Form gegenseitig antun kann, wirksam in Szene gesetzt sind. Wenn das gut inszeniert ist machen auch solche Filme extrem viel Spaß.

     

    Und es gibt JOHNNY YUMA. Hier bin ich mir nun gar nicht sicher was Drehbuchautor und Regisseur beabsichtigt haben. Wollten sie einen Actionfilm drehen? Dann wäre ihnen das auch ziemlich gut gelungen, ist hier doch einiges an Schießereien und Aufregungen zu sehen. Oder wollten die beiden vielleicht ein düsteres Drama drehen? Das würde den Mittelteil und den Schluss erklären, die beide recht eindrücklich und dunkel geraten sind. Oder hätte es gar eine Komödie werden sollen? In diesem Fall nämlich wäre der idiotische und überflüssige Sidekick Sanchez (Fidel González) nicht ganz so idiotisch und überflüssig wie es auf den ersten Blick scheint, sondern hätte so etwas Ähnliches wie einen Zweck. Ralf Wolter allerdings wäre da wahrscheinlich sinnvoller gewesen. Auch so manch zugegeben hübscher Einfall hätte dann seine Berechtigung, etwa die Stahljalousie, welche der Barkeeper bei Beginn einer Saloonschlägerei vor Spiegel und Flaschen rollern kann. Oder der Schalter, nicht unähnlich einem Postschalter, wo man das hart erarbeitete Kopfgeld abholen kann.

     

    Ihr merkt schon worauf ich hinaus will: Irgendwie passen die verschiedenen Einzelteile des Films nicht so recht zusammen. Das zeigt sich in der leicht episodenhaften Struktur, und zieht sich in der Zusammenstellung der einzelnen Elemente weiter. So ist die erste Hälfte oft leicht komödiantisch angelegt (also nicht so Spencer/Hill-mäßig, sondern eher immer mit einem Augenzwinkern), aber nach 45 Minuten wird es schlagartig düsterer und brutaler. Ist die Saloonschlägerei noch recht komisch inszeniert, so ist die Corrida alles andere als lustig und dafür reichlich heftig. Im weiteren Verlauf zieht das Tempo ein wenig an und es gibt noch zwei weitere äußerst deftige Brutalitäten zu sehen (die im Kino damals auch entsprechend geschnitten waren), beim Showdown im verlassenen Pueblo hingegen ist plötzlich wieder dieses Augenzwinkern da, und der Schluss entbehrt dann nicht ein gewissen Tragik.

     

    Besagte Brutalitäten geben dem Film dann auch den Ruf, einer der härtesten IWs zu sein. Nun, ich persönlich habe da eine etwas andere Meinung, ich bezeichne einen Film vor allem dann als hart, wenn die gesamte Stimmung kalt und grausam ist. Bei den Italo-Western würde ich da Titel wie AUF DIE KNIE, DJANGO nennen, oder DER MANN AUS VIRGINIA. Filme, in denen persönliche Beziehungen ausschließlich über Hass oder Geld definiert werden, und wo das einzige Gefühl neben dem Hass die Verachtung ist, solche Filme sind hart, nicht diejenigen in denen das Blut nur so spritzt. (Gut, die sind auch hart, aber anders hart. Die eisige Kälte in DER MANN AUS VIRGINA, welche die Szene beherrscht wenn Willy in der ausgestorbenen Stadt gehängt wird, ist an Intensität durch kein filmisches Blutbad zu ersetzen. Aber ich schweife ab …) Zugegeben, JOHNNY YUMA langt bezüglich Gewalt zweimal richtig gänsehauterzeugend zu, und diese Szenen sind definitiv harter Tobak. Aber dass genau diese Szenen dann mit Humor ausgeglichen werden sollen, dass ist einfach nicht meine Welt, da passt etwas nicht zusammen. Auf Romolo Guerrieris Mist sind diese Szenen auch nicht gewachsen, da hat wohl Drehbuchautor Fernando di Leo seine Hände im Spiel gehabt. Guerrieri hat eher die Szene gedreht, in der Mark Damon mitten in einer Schießerei sich in die Kamera dreht und fröhlich mit den Augen zwinkert. Versteht ihr was ich meine?

     

    Ein paar Tage später habe ich Carlo Lizzanis EINE FLUT VON DOLLARS gesehen, entstanden im gleichen Jahr wie JOHNNY YUMA, u.a. mit Thomas Hunter, Henry Silva und Nicoletta Machiavelli. Nun ja, was soll ich sagen? Ich bin begeistert auf meinem Sofa hin- und hergeeiert und habe vor Vergnügen gegluckst. Was ist passiert, wo ist da der Unterschied? Zum einen natürlich der Hauptdarsteller: Zwischen dem eine ruhige Heiterkeit ausstrahlenden Mark Damon und dem fast psychotisch wirkenden und von Rache zerfressenen Thomas Hunter liegen Welten, was dann auch der Stimmung entgegen kommt. Und FLUT ist alles andere als komisch, sondern bierernst und brutal, was meinem persönlichen Geschmack halt erheblich mehr entspricht als das Gejuxe bei JOHNNY YUMA. Die Musik ist besser, die Kamera hat einige wirklich beeindruckende Momente drauf, und Henry Silva in schwarzer Lederkluft hätte für den schnöseligen Pedro nur Verachtung und ein Stückchen Blei übrig. Wenn überhaupt. Dies als Versuch einer Erläuterung, warum ich nicht so richtig begeistert bin.

     

    Freilich ist mir klar, dass Fidel Gonzàlez’ Rolle damit begründet werden kann, dass so die Gewaltausbrüche ein wenig gemildert werden konnten, die Leute sollen schließlich auch was zum Lachen haben. Aber wie eindrücklich hätte der Film ohne diesen Kasper werden können? Trotz Grinsekätzchen Mark Damon wäre der Film (noch mal eine Ecke) härter und besser geworden (und mit Anthony Steffen in der Hauptrolle wäre es dann ein Klassiker geworden, aber sei’s drum …), die anderen Darsteller sind schließlich allesamt erstklassig. Rosalba Neri erinnert oft an eine junge Hannelore Elsner und versprüht pure Erotik und tiefe Bosheit gleichzeitig (und darf in einer Szene einem Papageien alles zeigen – Der Glückliche …), Luigi Vannucchi als Samanthas Bruder Pedro strahlt mit jeder Pore Eiseskälte und Arroganz aus, und nur der amerikanische TV-Darsteller Lawrence Dobkin schwächelt ein wenig vor sich hin. Wenn er das verlassene Dorf betritt wirkt er wie Gary Cooper in HIGH NOON, allerdings ohne dessen Ausstrahlung zu besitzen. Andererseits passt dieses leicht unentschiedene und schwammige in seiner Darstellung auch gut zu seiner Rolle, denn auf wessen Seite Lawrence steht wird erst recht spät im Film klar. Von daher auch hier alles im grünen Bereich.

     

    Handwerklich ist ebenfalls alles ordentlich gemacht, ohne dass besondere Highlights genannt werden können. Der Score von Nora Orlandi ist sehr wohl in Ordnung, Kamera und Schnitt benötigen keine besondere Erwähnung. Durchschnitt eben. Mark Damon hat eine Ausstrahlung wie Tony Curtis in der Fernsehserie DIE ZWEI, und da taucht eben das Problem auf, dass ich so jemanden partout nicht ernst nehmen kann. Schon gar nicht in einem Western, der eine Ralf Wolter-Kopie und eine blutige Corrida vergeblich versucht unter einen Hut zu bekommen. Schade, denn ein Jahr später kann Mark Damon als Schurke in Carlo Lizzanis MÖGEN SIE IN FRIEDEN RUHEN sehr wohl überzeugen (und 1968 in AN DEN GALGEN, BASTARDO! auch neben Anthony Steffen locker bestehen).

    Andreas von Italo-Cinema war erstaunt dass der Flick bei mir so schlecht wegkommt, und ich weiß dass viele Western-Fans mir auch nicht zustimmen werden, aber ganz ehrlich: Ich habe mich über längere Strecken hinweg geärgert über den Film. Über die uneinheitliche Inszenierung, und über die Grimassen von Mark Damon. Eines muss ich allerdings zugeben: Langweilig wird es hier nicht, es wird ständig was geboten! Vielleicht war es auch einfach nicht mein Tag …

  • Autor: Maulwurf
  • Veröffentlichungen:

    JOHNNY YUMA liegt als sehr schöne Veröffentlichung von Colosseo vor. Die DVD-only kommt als Amaray im Schuber daher, die unterschiedlichen Motive von Schuber und Amaray sind beide sehr ansprechend geraten. Bild und Ton sind einwandfrei, ein paar kleinere Bildaussetzer stören nicht weiter, und ein kurzer kurzer Tonaussetzer entsteht bei Anschlussproblemen nach einer geschnittenen Szene. Kein Grund zur Aufregung also. Der Ton liegt vor in deutsch und englisch mit optionalen Untertiteln (letzteres ist laut Regisseur auch der Originalton), beim italienischen Ton hat sich leider der Lizenzgeber geweigert. Dafür hast es nicht nur die deutsche TV-Synchro auf die Scheibe geschafft, sondern die verloren geglaubte Kino-Synchro ist ebenfalls enthalten, was dem Film ungemein gut tut.

     

    Die Extras sind es, welche die VÖ interessant machen. Da wäre ein interessantes Interview mit Romolo Guerrieri, in welchem er ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern darf, ein kurzes Interview mit Rosalba Neri, eines mit der immer ungemein sympathischen und klaviersüchtigen Nora Orlandi, sowie das Mark Damon-Interview das der ein oder andere vielleicht schon von der Wild-East-VÖ kennt. Daneben liegen dann noch vor eine umfangreiche Bildergalerie sowie der kleine existierende Rest des deutschen Kinotrailers.

     

    Mit dieser Veröffentlichung zieht sich Colosseo aus der Reihe der Western-Anbieter zurück, was ausgesprochen schade ist. Wir möchten uns an dieser Stelle ganz herzlich für all die schönen und hochwertigen Ausgaben von Italo-Western bedanken, die nicht immer in der ersten Reihe der Filmgeschichte standen, und denen seitens Colossseo trotzdem eine sehr sorgfältige Editierung gegönnt wurde.

  • Autor: Maulwurf
  • Links

    OFDb
    IMDb
    Film Maniax
    Synchronkartei #1 #2

     

     

    Bitte Kommentar schreiben

    Sie kommentieren als Gast.