Jagt den Fuchs

Italien | Vereinigtes Königreich | Vereinigte Staaten, 1966

  • Originaltitel: Caccia alla volpe
  • Alternativtitel:

    O Fino da Vigarice (BRA)

    Tras la pista del Zorro (ESP)

    Le renard s'évade à trois heures (FRA)

    A Raposa Dourada (POR)

    After the Fox (Int.)

  • Deutsche Erstaufführung: 16. Dezember 1966
  • Regisseur: Vittorio De Sica
  • Kamera: Leonida Barboni
  • Musik: Piero Piccioni, Kurt Bacharach
  • Drehbuch: Neil Simon, Cesare Zavattini
  • Inhalt:

    In Ägypten gelingt es dem Dieb Okra (Akim Tamiroff) Goldbarren im Wert von 3 Millionen Dollar zu stehlen, mithilfe seiner Schwester. Doch er braucht einen Weg, die Goldbarren in Europa an Land zu schmuggeln. Der Einzige, der für diesen Job in Frage käme ist der als „Fuchs“ bekannte Meisterdieb Aldo Vanucci (Peter Sellers), doch der sitzt im Gefängnis.

     

    Als Vanucci erfährt, seine Schwester würde auf der Via Veneto arbeiten, nimmt er an, sie sei Prostituierte und bricht aus dem Gefängnis aus. Doch seine Schwester (Britt Ekland) möchte Schauspielerin werden und ihren Namen in „Gina Romantica“ ändern. Während er sich mit seinen drei Komplizen vor der Polizei versteckt, und auf der Flucht vor zwei Beamten erst den Hype um Hollywood-Filmstar Tony Powell (Victor Mature) miterlebt, und ihn dann auf der Leinwand sieht, entwickelt sich in seinem Kopf ein Plan.

     

    Vanucci gibt sich als neorealistischer Filmregisseur Federico Fabrizi aus, und engagiert Tony Powell für einen angeblichen Film, betitelt „Das Gold von Kairo.“ Co-Star wird seine Schwester Gina Romantica, die Crew seine drei Komplizen, Komparsen die gesamte Bevölkerung des Fischerdorfes Sevalio, wo man stolz ist, an einem Spielfilm mitwirken zu dürfen. Am Strand von Sevalio soll die große Szene gedreht werden, wo man das Gold von Kairo in Empfang nehmen will.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    „Jagt den Fuchs“ war das erste Spielfilmdrehbuch, das Neil Simon nach einem seiner Stücke schrieb und es gibt zahlreiche personelle Verwirrungen. Während Simon für die Hauptrolle ein echter Italiener vorschwebte, zeigte Peter Sellers Interesse an der Rolle, der den Film dann auch co-produzierte. Peter Sellers war es auch, der seine damalige Ehefrau Britt Ekland als weibliche Hauptrolle und Vittorio De Sica als Regisseur vorschlug. Neil Simon wiederum war sehr verwundert, warum sich ausgerechnet Neorealist De Sica für den Film interessierte. Doch der Grund dafür zeigt sich im Ergebnis, aber erst mal weiter zum Personal:

     

    Während der Soundtrack der englischen Fassung von Burt Bacharach stammt, mit einem Titelsong der „Hollies“ (zusammen mit Peter Sellers), wurde die Musik der italienischen Fassung von Piero Piccioni komponiert. Ich kenne die italienische Version nicht, aber auch in der englischen Fassung des Films sind mir zumindest zwei Stücke aufgefallen, die ich in jedem Fall Piccioni zurechnen würde.

     

    Das Original-Filmplakat stammt von Illustrator-Legende Frank Frazetta.

     

    Das endgültige Drehbuch schrieb Neil Simon mit Cesare Zavattini, das ist bestätigt, obwohl Simon kein Italienisch und Zavattini kein Englisch konnte – wie man in Italien sowas eben macht.

     

    Ein Kuriosum ist in jedem Fall Altstar Victor Mature, der nach bereits fünfjähriger Filmabwesenheit ausgerechnet diese Rolle wollte, um sich über einen Hollywoodstar, der mit seinem Alterungsprozess nicht klarkommt (also über sich selbst) lustig zu machen, kein Scherz! Allerdings hat Mature seine Karriere offenbar ohnehin eher locker gesehen, so wird ihm z. B. die Aussage zugeschrieben, „Ich bin kein Schauspieler und habe 64 Filme gemacht, die das beweisen.“ In einer wirklich tragikomischen Szene als sich die junge Gina (Britt Ekland) an ihren Star ranschmeißen will, färben seine schwarz getönten Haare auf ihre Wangen ab, und er weist sie verzweifelt zurück, ob nur wegen des Alters oder aus anderen Gründen (ähem) wird nicht so ganz deutlich.

     

    Einen noch recht schlanken Martin Balsam sehen wir als (verzweifelten) Manager des Hollywood-Stars. Hier eine schöne Szene, wo er vom „Regisseur“ einen Vertrag zu sehen verlangt und Peter Sellers nur sagt: „Einen Vertrag? Hier ist ihr Vertrag!“ und gibt dem Star ein Küsschen auf die Wange – Italien halt.

     

    Und hier sind wir auch schon bei der Eigenart dieses Films. Während zu Anfang alles noch nach einer Heist-Komödie aussieht, macht Vittorio De Sica stattdessen weitgehend eine Satire über das Filmemachen in Italien und die damalige Filmverrücktheit der Italiener daraus. Hier sehen wir in einem kurzen Gastauftritt auch De Sica selbst, wie er in Rom ebenfalls einen Film „in Ägypten“ dreht, tatsächlich ein freier Platz auf dem man „Pyramiden“ aufgeschüttet hat, im Hintergrund ein paar Hochhäuser, De Sica selbst thront auf einem Kamerakran, wo er John Huston (nicht bestätigt, ob das tatsächlich John Huston ist, liegt aber nahe) als Moses Regieanweisungen gibt. Während eines „Sandsturms“ klauen ihm Peter Sellers und seine Bande aber den Kamerakran unter dem Hintern weg.

     

    In weiteren Rollen sieht man unter anderem Lando Buzzanca, Maria Grazia Buccella und Rossano Brazzis Ehefrau Lydia Brazzi als Vannuccis Mutter. Wie Lydia Brazzi zu dem Projekt kam, ist etwas rätselhaft, denn sie war eigentlich gar keine Schauspielerin. Die Interpol-Szenen mit Maurice Denham wirken wie nachträglich eingefügt und sind für die Handlung komplett unerheblich. Akim Tamiroff verließ für „Jagt den Fuchs“ die Dreharbeiten zu Orson Welles „Don Quixote“, der bekanntermaßen nie wirklich fertiggestellt wurde, es sei denn, man zählt den 1992 entstandenen Zusammenschnitt von Jess Franco.

     

    Noch eine Randnotiz zum Budget und den Locations: der Film kostete etwa 3 Millionen Dollar, die Via Veneto war eine Nachbildung in den Cinecitta Studios. Die Szenen im Fischerdorf Savalio konnten nicht mit den echten Bewohnern gedreht werden, da die Dreharbeiten mitten in der Hochsaison stattfanden, so dass die Bewohner alle Hände voll zu tun hatten, die Touristen davon abzuhalten, die Dreharbeiten am Strand zu stören. Als Filmstatisten ließ man somit stattdessen die Einwohner des Nachbardorfes anfahren.

     

    Zum gesamten Film selbst muss man sagen, dass er schon sehr lustig ist, besonders in der ersten Hälfte, dann aber mit der Zeit ein wenig anstrengend wird. Die Filmkritiker der damaligen Zeit sahen das ähnlich, mitunter sogar schlimmer, da ist die Rede von „chaotisch“ bis hin zu „Amateurproduktion.“

     

    Trotzdem ist „Jagt den Fuchs“ doch ein guter Peter Sellers-Film mit gewissem Kultfaktor. Wer mehr über die künstlerische Bedeutung von Nichts und Etwas erfahren will, unbedingt anschauen.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Links

    OFDb

    IMDb

    Kommentare (1)

    • Maulwurf

      Maulwurf

      15 August 2015 um 16:30 |
      Vielen Dank für die Besprechung Gerald! Ich habe den Film vor einiger Zeit gesehen und fand ihn ... nett. Ich denke ich kam mit dem Wechsel vom Heist zur Satire nicht klar, außerdem fand ich Peter Sellers auf die Dauer etwas anstrengend. Aber mit diesen Hintergrundinformationen wird er noch mal eine Ecke interessanter und tiefgründiger. Ich sollte ihm wohl noch mal eine Chance geben ...

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