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A Man for Emanuelle

Italien, 1969

  • Originaltitel: Io, Emmanuelle
  • Alternativtitel:

    Moi, Emmanuelle (Frankreich)

  • Regisseur: Cesare Canevari
  • Kamera: Claudio Catozzo
  • Musik: Gianni Ferrio
  • Drehbuch: Graziella di Prospero , Cesare Canevari, Giuseppe Mangione
  • Inhalt:

    Ein Tag im Leben von Emmanuelle, die, alleingelassen von ihrem Geliebten, versucht, ihren Seelenschmerz unter anderem durch wahllose Partnerwahl vergeblich zu betäuben. Doch ihr Geliebter wird nicht zurückkommen.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Erst mal vorweg, dieser erste Emmanuelle-Film gibt in keinster Weise vor, auf den Romanen von Emmanuelle Arsan zu beruhen, sondern auf der Kurzgeschichte „Disintegrazione 68“ der Drehbuchautorin Graziella di Prospero. Nichtsdestotrotz haben einige Auffälligkeiten in Bezug auf die Hauptfigur Arsan veranlasst, gegen Canevaris Film gerichtlich vorgehen zu wollen, jedoch vergeblich. Allerdings hatte der britische Verleih wohl auch versucht, mit ihrem Namen zu werben. Bei der italienischen Orginalfassung war das nicht der Fall.

     

    Wer erwartet, in Canevaris vierter Regiearbeit einen Erotik-Film à la Just Jaeckin vorzufinden, wird enttäuscht werden. Wer dagegen ein intelligentes Arthouse-Drama im Stil der Sechziger sehen möchte, wird bestens bedient.

     

    Die junge und schöne Emmanuelle, gespielt von Erika Blanc, ist getrieben von zeitgemäßen Ängsten verschiedenster Art, Depressionen, Halluzinationen und Selbstmordphantasien. Zudem vermisst sie ihren Geliebten, aber viel mehr erfahren wir vorläufig nicht über ihn. Diese Ängste verursachen ihr körperliche Schmerzen in der Bauchgegend, die sie unter anderem mit wechselnden Männerbekanntschaften zu tilgen versucht – aber das funktioniert nicht. Und sie rächt sich postwendend: von den vier Männern, die sie allein bis zum Mittag trifft, verbrennt sie dem ersten nach dem unbefriedigendem Sex ein paar handgeschriebene Seiten seines Romanmanuskripts, dem Zweiten redet sie ein, dass seine Frau ihn betrügt, alle wüssten es, nur er nicht, nennt ihm auch den Namen eines angeblichen Liebhabers. Der Vierte, der sie in seinem Auto mitnimmt, möchte Sex, bekommt stattdessen aber nur ein paar Horrorvisionen eingeredet, was später aus seinem Sohn und seiner Tochter werden könnte, nämlich Soldat und Hure. Überhaupt scheint Ersteres auch eine von Emmanuelles größten Ängsten zu sein, die Angst vor Krieg und Gewalt.

     

    Nach einer Begegnung mit einer lesbischen Verehrerin in einem Restaurant, deren Annäherungsversuche sie nicht zulässt, trifft sie noch den Verleger Sandri, gespielt von Adolfo Celi. Anscheinend ist Emmanuelle eine seiner Reporterinnen. Sandri ist ein Macho, hasst Kommunisten und erzählt gerne von seinen (lange vergangenen) Abenteuern als Reporter, bei denen er „dem Tod ins Auge gesehen“ hat. Als er sich dann versehentlich mit seinem Taschenmesser in den Finger schneidet, zwingt ihn Emmanuelle unter großem Aufstand ins Krankenzimmer, wo sie sich dann, während sein Finger genäht wird, verstohlen an jeder Regung seines Schmerzes erfreut. Um den Schmerz zu übertünchen pfeift Sandri dann das Revolutionslied „Bandiera Rossa“, welches Filmfans aus Dusan Makajevs „Sweet Movie“ kennen. Aber auch die Erregung über Sandris Schmerz führt anschließend nicht zur erhofften sexuellen Befriedigung.

     

    Schließlich geht Emmanuelles frustrierender Tag mit der Nachricht zu Ende, dass ihr Geliebter in seinem Auto verbrannt ist.

     

    Und das könnte man auch als Grundstimmung des Films bezeichnen, Frustration.

     

    Doch Canevari gelingt es, den Zuschauer zu fesseln, „Io, Emmanuelle“ ist eine stimmige Charakterstudie, mit (sehr) verstecktem Humor, politischen Bezügen und Kritik an einer egoistischen Gesellschaft, deren Vertretern es nicht mehr gelingt, das Individuum zu sehen sondern nur die eigenen Bedürfnisse.

     

    Ein paar Nacktszenen mit Erika Blanc dürfen natürlich nicht fehlen, aber in Sachen Erotik geht es eher sparsam zu, denn Sex ist letztendlich nicht das Thema der Geschichte, nur ein Symptom. Und Erica Blanc hatte hier wirklich Gelegenheit, eine komplexe Charakterstudie abzuliefern.

     

    Kameramann Claudio Catozzo veranstaltet allerlei visuelle Experimente und bleibt in ständiger Bewegung.

     

    Der Soundtrack stammt von Gianni Ferrio, auch ein Titelsong, gesungen von „Mina“, die auch in Ferrios Soundtrack zu „La Morte Risale A Ieri Sera“ zu hören ist.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Veröffentlichungen:

    „Io, Emmanuelle“ gab es nie in Deutsch, einzige DVD war die verwaschene, aber noch passable italienische Veröffentlichung von Medusa, englische Untertitel dazu nur im Internet.

  • Autor: Gerald Kuklinski
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    Links

    OFDb

    IMDb

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