Ingrid sulla strada

Italien, 1973

  • Regisseur: Brunello Rondi
  • Kamera: Stelvio Massi
  • Musik: Carlo Savina
  • Drehbuch: Brunello Rondi
  • Inhalt:

    In einem kleinen Dorf im Hohen Norden Finnlands steigt die junge Ingrid in einen Zug. Ihr Reiseziel ist Rom, ihr Zukunftskonzept, Hure zu werden. Auf der Reise muss sie sich zunächst erst das Fahrgeld verdienen, denn sie besitzt nichts.

     

    In Rom angekommen, freundet Ingrid sich mit der Prostituierten Claudia (Francesca Romana Coluzzi) an und zieht bei ihr und ihrem Freund, einem Maler (Bruno Corazzari), ein. Ihren ersten Freier in Rom bedient sie zusammen mit Claudia, den exzentrischen Adligen Urbano (Enrico Maria Salerno), der einer sehr speziellen sexuellen Neigung frönt.

     

    Zudem lernt Ingrid Claudias Beschützer Renato (Franco Citti) kennen, den Anführer einer faschistischen Rockerbande, die zudem einen Terroranschlag plant. Und bei denen Ingrid schließlich in Ungnade fällt, da sie Renato zurückweist.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Sollten mir in der Inhaltsangabe oder im folgenden Text Fehler unterlaufen, bitte ich diese zu entschuldigen, da dieser Film bisher wirklich nur in italienischer Sprache verfügbar scheint, Untertitel sind nirgendwo auffindbar. Aber ich denke, man konnte dem Geschehen auch so ganz gut folgen. Und als kleine Vorwarnung: da die Wahrscheinlichkeit, diesen Film irgendwann in nächster Zeit in einer verständlichen Sprache zu finden äußerst gering ist, spoiler ich hier knallhart bis zu Ende durch.

     

    Aus zwei Gründen hat mich „Ingrid sulla strada“ wirklich interessiert. Zum Einen ist dies wohl der erste Film, in dem ich Janet Agren - hier gerade 24 Jahre alt - als absolute Hauptfigur bewundern konnte. Zum Anderen unter der Regie von Brunello Rondi, der den hervorragenden „Il demonio“ (1963) mit Daliah Lavi inszeniert hat und den ebenfalls sehnenswerten „Valeria, dentro e fuori“ (1972) mit Barbara Bouchet.

     

    Gerade zu Anfang gelingt es Janet Agren auch, trotz ihrer zurückhaltenden Gestik, durch ihre Mimik zu überzeugen. In der Szene, wo sie auf der Zugfahrt ihren ersten Freier bedient, bietet ihr Gesicht ein Wechselbad von Lust, Naivität, Kälte, bis hin zu Widerwillen, wenn der Freier es mit Zärtlichkeiten versucht. Doch dann wird es schwierig, denn man stellt ihr die temperamentvolle Francesca Romana Coluzzi zur Seite, die ihr in gemeinsamen Szenen relativ mühelos die Show stiehlt. Überhaupt ergibt sich im Folgenden immer stärker der Eindruck, dass Janet Agren zunehmend teilnahmsloser agiert, bis sie den Zuschauer am Ende wieder überzeugen kann.

     

    Obwohl Ingrid sulla strada“ kein Exploitation-Film sondern ein knallhartes Drama ist, bekommen wir einiges Trash-Potenzial, bis hin zu regelrecht traumatischen Szenarien. Das Trash-Potenzial wird am Deutlichsten in der Szene mit Enrico Maria Salerno, der als Baron Urbano einer äußerst kuriosen Neigung frönt. Er betatscht Claudia, Ingrid liest ihm dabei aus einem Buch vor, und im Nebenzimmer findet eine (gefakte) Scéance statt, in deren Verlauf Baron Urbanos gar nicht so tote Ehefrau wieder von den Verstorbenen „aufersteht“, um sich dann ebenfalls an den sexuellen Aktivitäten zu beteiligen. Claudia beendet das allerdings, da es ihr zu bunt und zu speziell wird.

     

    In Sachen traumatisches Szenario gibt es gleich zwei ziemlich heftige Beispiele. Die Rockerbande plant einen Terroranschlag, doch es befindet sich ein Verräter (Luciano Rossi, den kennen wir u. a. aus Joe D’Amatos „Die Mörderbestien“) unter ihnen. Der Rockerchef Renato, gespielt von einem sehr böse agierenden Franco Citti, zwingt den Verräter eine Schüssel mit Kot auszuschlecken, stopft ihm eine brennende Zigarette in den Mund und schneidet ihm die Zunge ab, während dazu ein Marschlied aus NS-Zeiten erklingt. Ebenfalls unter den Rockern findet sich Franco Garofalo („Die Hölle der lebenden Toten“) mit dekorativer Hakenkreuz-Armbinde.

     

    Das zweite traumatische Szenario ist natürlich die Massenvergewaltigung von Ingrid, zuvor von den Rockern unter Drogen gesetzt, die Tat selbst wird von den Rockern mitgefilmt. Dabei erfahren wir auch in einer Rückblende von Ingrids Vorgeschichte, wie sie in Finnland von ihrem Vater (Fulvio Mingozzi) brutal vergewaltigt wird.

     

    Und nun dürfen Alle drei Mal raten, ob dieser fröhliche Film wohl ein Happy End hat...

     

    Vorsicht, von diesem Film existiert mal wieder eine mit Hardcore-Inserts versetzte XXX-Version, von der man besser die Finger lässt. Während bei den meisten solcher Fassungen Inserts in schlechter Qualität in den knallig bunten Hauptfilm eingefügt werden, ist es hier qualitativ eher umgekehrt. Porno-Inserts mit richtig schöner Farbgebung wurden in einen Hauptfilm eingefügt, den man im Rohzustand belassen hat, zweifarbig mit Blaustich. Grässlich. Und auch nur in Italienisch.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Links

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