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Im Stahlnetz des Dr. Mabuse

Frankreich | Deutschland | Italien, 1961

  • Alternativtitel:

    Nas Garras do Dr. Mabuse (BRA)

    El diabólico Dr. Mabuse (ESP)

    Le retour du docteur Mabuse (FRA)

    F.B.I. contro dottor Mabuse (ITA)

    The Return of Dr. Mabuse (USA)

  • Deutsche Erstaufführung: 13. Oktober 1961
  • Regisseur: Harald Reinl
  • Kamera: Karl Löb
  • Musik: Peter Sandloff
  • Drehbuch: Marc Behm, Ladislas Fodor, Norbert Jacques
  • Inhalt:

    Kommissar Lohmann (Gert Fröbe) erhält die Benachrichtigung, dass Oberst Haag (Erik Radolf), ein Mitarbeiter der Interpol ermordet wurde, der Belastungsmaterial gegen das berüchtigte Verbrechersyndikat von Chicago mit sich führte. Von der Aktentasche mit dem vertraulichen Material fehlt allerdings jede Spur. Wenig später geht bei der Polizei die Meldung ein, dass das Syndikat eine weibliche Kontaktperson abgesandt hat, um mit einer ansässigen Organisation Kontakt aufzunehmen, doch noch während Kommissar Lohmann in diesem Zusammenhang den Auftragsmörder Alberto Sandro (Ady Berber) im Zuchthaus verhört, wird die Dame auf bestialische Art und Weise liquidiert. Lohmann hat in ein Wespennest gestochen und als er in der Handtasche der Ermordeten ein rätselhaftes Buch findet, in dem unverhofft der Name Dr. Mabuse auftaucht, weiß er, mit welchem unsichtbaren Gegner er es erneut zu tun hat...

  • Autor: Prisma
  • Review:

    Bei "Im Stahlnetz des Dr. Mabuse" handelt es sich nicht nur um eine sehr gelungene Fortsetzung innerhalb der "Mabuse"-Serie, sondern vermutlich auch um den ausgereiftesten Beitrag der sechsteiligen Reihe. Sehr gut herausgearbeitet ist hier die Frage, ob "Dr. Mabuse" wirklich noch lebt, denn im Vorgänger sah man ja bereits sein vermeintliches Ende, so dass alleine dadurch schon einmal eine solide Grundspannung aufgebaut wird. Der Film bedient sich angesichts des Produktionsjahres einer ungewöhnlich exzessiven Härte, man bekommt ziemlich brutale Ermordungsszenen zu Gesicht, die aber die Strategie des Superverbrechers am treffendsten charakterisieren. Das war in keinem anderen Film der Reihe in diesem Ausmaß der Fall. Immer wieder fallen Quervergleiche mit der Figur des, oder eines Teufels, denn das ständig präsente Buch "Die Anatomie des Teufels", in dem der "Mabuse"-Mythos abgehandelt wird, liefert eindeutige Hinweise auf einen unmenschlichen Größenwahnsinnigen. Es kommt zu hochinteressanten Ansätzen, denn zunächst wird dieses Buch als heiße Spur in eine bestimmte Richtung eingesetzt und wirft später auch gewisse Verdachtsmomente auf, ob der Doktor selbst am Werk ist, oder ob jemand sein Erbe angetreten hat. Erwähnenswert ist das sehr straffe Tempo der Geschichte, ein bestialischer Mord jagt den nächsten, ein Hinweis fällt wie der nächste zusammen wie ein Kartenhaus, bis es schließlich zu handfesten Erfolgen kommt. Die beteiligten Charaktere werden gut in das Geschehen integriert, noch besser werden die jeweiligen Beziehungen der Personen langsam aufgerollt und stellen sich als passend und vor allem förderlich für einen klaren Aufbau der Geschichte heraus. Vor allem aber hatte Harald Reinl eine Star-Besetzung zur Verfügung, die in allen Bereichen wie ein Uhrwerk zu funktionieren scheint.

     

    Gert Fröbe als Kommissar Lohmann ist ein sachlicher und höchst misstrauischer Ermittler, der den Personen stets unmissverständlich direkt und eisern gegenübertritt. So entsteht der Eindruck, dass er von seinem anscheinend übermächtigen Gegenspieler und dessen Katz und Maus-Spiel an die Grenzen der Geduld und seiner Kompetenzen gebracht wird. Lex Barker gab in "Im Stahlnetz des Dr. Mabuse" sein deutsches Filmdebüt. Er schafft es zwar kaum, seinem Charakter das gewünschte doppelte Gesicht zu geben und irgendwie verdächtig zu erscheinen, spielt seine Rolle aber der Anforderung nach recht passabel und eigentlich sympathisch. Daliah Lavi zeigt sich hier lediglich im gehobenen Rahmen der Anforderungen. Für eine rasende Reporterin fehlt ihr letztlich ein bisschen mehr Eigenständigkeit und Schlagfertigkeit. Allerdings wird ihre Maria Sabrehm, und die Beziehungen zu anderen Personen, recht gut in das Gesamtgeschehen integriert, es bleibt also unterm Strich nicht nur der Eindruck der bedrohten, hilflosen jungen Frau zurück. Andere Akzente kann hier Rudolf Fernau als lange zwielichtig wirkender Pfarrer Briefenstein setzen, er zeigt schauspielerische Finesse auf höchstem Niveau. Der Autor von "Die Anatomie des Teufels" ist auch gleichzeitig als Geistlicher im Gefängnis tätig, dem Umschlagplatz für Mord und Verbrechen, so dass das Umfeld Kirche, in die der Teufel scheinbar beten kommt, nur zusätzliches Misstrauen schürt. Fausto Tozzi als Gefängnisdirektor Wolf stellt sich als Glücksgriff für die Besetzung heraus, der ebenfalls nicht gut einzuordnen ist, Werner Peters, der sich innerhalb dieser Reihe in unterschiedlichsten Rollen austoben durfte, wirkt da vergleichsweise etwas schwach, aber doch sehr vertraut. Rudolf Forster steigt erst sehr spät in das Szenario ein, seine für die Handlung doch sehr wichtige Rolle verliert sich aufgrund der kurzen Anwesenheitsdauer leider in gefühlter Belanglosigkeit, auch in schauspielerischer Hinsicht setzte er schon ganz andere Ausrufezeichen. Im Gesamtgeschehen wimmelt es nur so von Verdächtigen und zwielichtigen Personen, so dass man als Zuschauer ausgiebig damit beschäftigt ist, dieses Puzzle mitzuverfolgen und zusammenzufügen. Laura Solari, Henry Coubet und Ady Berber interpretierten äußerst eindrucksvolle und harte Ermordungsszenen. So wirken diese Bilder, wie beispielsweise das Verbrennen der Mrs. Pizarro, das Zerquetschen des Blinden durch einen Lastwagen und das Hinausspringen von Alberto Sandro aus einem der oberen Stockwerke des Polizeigebäudes, überaus authentisch und brutal. Nicht unerwähnt bleiben sollten hier noch Albert Bessler, der mit seiner Rolle in Erinnerung bleibt, und selbstverständlich Wolfgang Preiss, dessen kurzer Auftritt in einem spektakulären Wiedersehen gipfelt. Es bleibt eine fast rundum gelungene Besetzung, die hier an der Überzeugungskraft tatkräftig mitwirkt. "Im Stahlnetz des Dr. Mabuse" überzeugt durch seinen strukturierten Aufbau und wegen des hohen Tempos, außerdem wird der Film durch eine ernste und harte Grundstimmung geprägt. Der Zuschauer bekommt innerhalb kurzer Intervalle viele Informationen und Geschehnisse geboten, die nicht überladen, sondern fast durchgehend spannungsfördernd wirken. Hier unterstützt die eher klassische, aber schwer eingängige Musik von Peter Sandloff den Film sehr angemessen. Die Umschlagplätze für Verbrechen und Planung in Form des Gefängnisses und der Kirche überzeugen, insgesamt fängt die Kamera viele beeindruckende Bilder ein, die sich wie ein roter Faden durch Reinls Beitrag ziehen. Das Finale ist, wie für diese Reihe üblich, sehr spektakulär ausgefallen. Lediglich die Idee, dass man mit einem Verbrechersyndikat kooperieren will, wird zu schwach herausgearbeitet und es scheint, dass gerade die Aspiranten aus Chicago nur mangelhaft vorbereitet waren. Auch das Sedieren durch eine neue, unbekannte Droge, die Personen gefügig macht und sie zu Robotern werden lässt, ist eher abenteuerlich. Was diesen zweiten "Mabuse"-Reißer auszeichnet, ist die deutliche Konzentration auf "Dr. Mabuse", der von Anfang bis Ende überall und nirgends zu sein scheint. Obwohl er nicht im Bild eingefangen ist, bemerkt man seine unheilvolle Präsenz doch überall. Das Finale erweist sich schließlich noch als Knüller und es bleibt einfach nur festzuhalten, dass der Zuschauer hier in allen Bereichen hervorragend unterhalten wird. In diesem Sinne: »Ich habe nur einen Herrn und Gebieter, Dr. Mabuse!«

  • Autor: Prisma
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