Im Rausch der Sinne

Italien | Spanien, 1971

  • Originaltitel: Fieras sin jaula
  • Alternativtitel:

    Deux mâles pour Alexa (FRA)

    Due maschi per Alexa (ITA)

    Bitterer Whisky

    Two Males for Alexa

  • Deutsche Erstaufführung: 23. August 1974
  • Regisseur: Juan Logar
  • Kamera: Igino Florentini
  • Musik: Piero Piccioni
  • Drehbuch: Francesco Campitelli, Jesús L. Folgar, Juan Logar
  • Inhalt:

    Trotz seiner mittlerweile 56 Lenze auf dem Buckel entschied sich der vermögende Bankier Ronald Marvelling (Curd Jürgens) ein paar Jahre zuvor zur Heirat der fast 30 Jahren jüngeren Alexa (Rosalba Neri), da er dieser bereits seit dem ersten Kennenlernen auf Anhieb mit Haut und Haar verfallen war. Doch das abgebrühte Gör spielte gleich von Beginn ihrer Eheschließung an mit völlig falschen Karten, da sie es von vorne herein nicht nur auf das beachtliche Barvermögen des liebestollen Bankiers abgesehen hatte, sondern ihn auch bereits seit dem Tag ihrer Vermählung andauernd hinterging, denn Alexa ist eine rastlose Nymphomanin, wie sie im Buche steht. Obwohl sie ihr eskapadisches Kopulationsbegehren anfänglich vor dem liebesverblendeten Ronald gut verbergen konnte, so roch dieser doch irgendwann Lunte und erlangte bereits kurz darauf die grausame Gewissheit über das schuftige Freizeitverhalten seiner Angetrauten, was ihm schließlich sein nicht mehr ganz so taufrisches Millionärsherz endgültig brach.

     

    Doch anstatt ihr ordentlich die Meinung zu geigen und die falsche Schlange in die Wüste zu schicken, schmiedet der völlig verbitterte Ronald viel lieber einen perfiden Racheplan, den er dann auch sogleich in die Tat umzusetzen versucht. Als Alexa nämlich eines schönen Tages ein lustvolles Wochenende mit ihrem aktuellsten Objekt der Begierde -dem etwas knackfrischeren Pietro (Juan Luis Galiardo)- in einem abgelegenen Ferienhaus verbringen möchte, steht plötzlich völlig unerwartet der schwer eifersuchtsgeplagte Ronald auf der Matte und setzt daraufhin dem außerehelichen Treiben Rosalbas ein jähes Ende, indem er “sich” vor den Augen der beiden tollgeschockten Ehebrechern durch einen präzisen Kopfschuss das Lebenslicht ausbläst und ihnen dabei seinen Leichnam als Souvenir auf dem Boden des Schlafzimmers hinterlässt. Aber damit hat sich die unangenehme Situation keinesfalls erledigt, da der eigentliche Rachefeldzug des gehörnten Curds gerade erst begonnen hat.

     

    Was folgt, ist ein tosender Knall, der durch das Herabfallen massiver Stahlrolläden ausgelöst wird. Gefangen in einem ausbruchssicheren Hochsicherheitstrakt scheint es für die beiden verlorenen Liebenden von da an kein Entrinnen mehr zu geben.... doch dann erhallt plötzlich völlig unverhofft Curds Stimme von Band:

     

    "Tja, so ist das, Alexa. Ich habe gespielt und verloren. Aber auch Du hast nicht gewonnen. Den letzten Zug, den mache ich!"

  • Autor: Richie Pistilli
  • Review:

    Nach der Betrachtung dieses unsauberen Schmierläppchens blieb zwar die im Titel versprochene Sinnesvernebelung zunächst außen vor, aber einen ordentlichen Unterhaltungsgrad konnte dieses kostengünstig produzierte Schmuddelstück von Regisseur Juan Logar dann letztendlich doch bieten. Ein Blick in seine Vita offenbart dabei einen recht überschaubaren Werdegang, wobei sein sensationslastiger Obduktionsmondo AUTOPSY aus dem Jahre 1973 scheinbar sein bekanntestes Werk darstellt.

     

    Die Geschichte an sich ist eigentlich recht simpel konstruiert und wirkt dabei wie ein früher Vorläufer der späteren SAW Inszenierung, obwohl anstatt der sawlastigen Grausamkeiten eher eine Millimeter dicke Schmierschicht vorherrscht. Regisseur James Wan ist seinen Interviews nach ein bekennender Liebhaber des italienischen Genrekinos und ließ somit nicht nur bei der Inszenierung seiner SAW-Reihe zahlreiche Inspirationen diverser Italoproduktionen miteinfließen. So ließ er sich z.B. für die Anfertigung der diabolischen Puppe aus SAW von keinem geringeren Film als dem argentonischen Meisterwerk PROFONDO ROSSO beeinflussen und bei der Verteilung der Farbakzente soll zudem kein geringerer als Mario Bava Pate gestanden haben. Daher ist die Vermutung gar nicht mal so abwegig, dass diese recht unbekannte italienisch-spanische Co-Produktion eine Art Blaupause für die Rahmenhandlung des 22 Jahre später entstandenen ersten Teil der SAW-Reihe darstellten könnte.

     

    Während der ersten 20 Min. scheint die bemitleidenswerte Rosalba augenscheinlich an einer heftigen Textilallergie zu leiden, da sie sich hierbei vordergründig textilfrei gibt und sich zudem äußerst gerne in fremden Betten herumsuhlt, egal ob beim kalifornischen Studenten George, beim schlacksigen Engländer Peter, Phillip, Marco, Silvio, Bernd, Nils oder wie sie noch alle heißen. Dies erzürnt dann den gehörnten Curd dermaßen, dass dieser einen sowohl selbst-, als auch zugleich fremdgefährdenden Rachefeldzug in Form eines perfiden Psychospiels eröffnet, dessen Ausgang sich keiner der Anwesenden auch nur ansatzweise im Vorfeld vorzustellen vermochte. Das zweite Drittel des Films ist dann hauptsächlich von Rückblenden geprägt, die schließlich das Zustandekommen der stattfindenten Eskalation aufzeigen. Die Darsteller geben dabei allesamt eine vorzügliche Darbietung ab und können in ihren jeweiligen Rollen überzeugen.

     

    An vorderster Front gibt sich Curd Jürgens (DER PFARRER VON ST. PAULI, DAS STUNDENHOTEL VON ST. PAULI, KILL!) als eine Art Vorläufer des Jigsaws die Ehre und veranstaltet dabei im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte mit seiner lumpigen Angetrauten und deren momentanen Love Interest ein herrlich todesbeängstigendes Psychospiel hinter verschlossenen Türen. Dabei hatte zunächst einmal alles so gut begonnen, als unser einsamer Witwer „Curd Gustav Andreas Gottlieb Franz Jürgens” (so sein vollständiger Geburtsname) nämlich eines schönes Morgens nach einer durchzechten Partynacht erstmals mit der bezaubernden Rosalba am heimischen Frühstückstisch zusammentraf und dabei auf Anhieb ihren unwiderstehlichen Reizen erlag. Völlig benebelt vom frischerlangten Liebesglück und verhangen mit einer rosaroten Sonnenbrille ehelichte er daraufhin die 35 Jahre jüngere Rosalba vom Fleck weg und erfüllte ihr von da an auch jeden noch so kostspieligen Wunsch. Desweiteren hing er ihretwillen seine berufliche Karriere als Geschäftsführer eines großen Bankkonzerns an den Nagel, um die ihm noch verbleibende Lebenszeit ausschließlich mit seiner geehelichten Schlange verbringen zu können. Doch wie so häufig ist am Ende mal wieder einzig Undank der Welten Lohn. Die ernüchternde Erkenntnis über das wahre Gesicht seiner schlechteren Hälfte bricht dem tollgeschockten Curd schließlich das Herz, woraufhin er in eine tiefe Verzweiflung stürzt und am Ende völlig verbittert.

     

    Kommen wir zur bezaubernden Rosalba Neri (SKLAVEN IHRER TRIEBE, AMUCK!, SMILE BEFORE DEATH), die sich scheinbar schon immer mal einen Millionär angeln wollte und somit in dem liebestollen Curd endlich ein ideales und zudem williges Opfer gefunden hat. Ihre kaltherzige Umgangsweise diesem gegenüber ist dann aber alles andere als glanzvoll zu bezeichnen, da die nymphomanisch veranlagte Genreikone ihren verblendeten Curd nicht nur nach Strich und Faden, sondern auch noch am laufenden Band hintergeht, indem sie hinter dessen Rücken dauerhaft wollüstige Eskapaden in fremden Betten veranstaltet. Doch im Rahmen ihrer neuesten Errungenschaft scheint sich ein Fehler in ihr bis dato funktionsuntüchtiges Emotionssystem eingeschlichen zu haben, da unsere eigentlich emotionslose Nymphomanin augenscheinlich erstmals Gefühle gegenüber einem Vertreter der männlichen Zunft zu entwickeln beginnt und sich somit im weiteren Verlauf von Pietros ständigen Beleidigungen verletzt fühlt.

     

    Und somit sind wir auch schon bei Juan Luis Galiardo (SIEBEN GOLDENE MÄNNER, DOPPIA COPPIA CON REGINA, MÖRDERROULETTE - DER TODESBIß DER KLAPPERSCHLANGE) angelangt, der dieses mal den egoistischen Unsympathen Pietro verkörpern darf. In dieser Rolle gelingt es ihm dann erstmals, die bis dato erkaltete Gefühlswelt unserer schuftigen Rosalba zu erwärmen und kurz darauf ihr sogar völlig den Kopf zu verdrehen. Doch spätestens nach dem Fall des eisernen Vorhangs und der damit verbundenen Ausweglosigkeit zeigt auch er dann sein wahres Gesicht und ersetzt urplötzlich das zuvor allgegenwärtige Wörtchen “wir” durch ein kurzes, bündiges und egoistisches “ich” in seinem Vokabular. Als Folge seines egomanen Verhaltens kommt es im weiteren Verlauf zu handfesten Beleidigungsorgien, bei denen man sich dann gegenseitig die wüstesten Beschimpfungen an den Kopf wirft. Ansonsten versohlt er nicht nur in seiner Freizeit Frauen gerne den Popo, sondern ist außerdem auch ein bekennender Liebhaber von bitterem Whisky.

     

    Gefangen in einer Falle aus der es schließlich kein Entrinnen mehr zu geben scheint, eskaliert die Situation zwischen den beiden Ehebrechern irgendwann vollends. Ob Curds Racheplan damit aber auch tatsächlich aufgegangen ist, müsst ihr dann schon selbst herausfinden, denn wie man weiß, kann der Schein auch schon mal trügen.

     

    Die recht beswingende Filmmusik von Piero Piccioni stellt dabei ein kleines Highlight dar, wobei mir die jazzlastige Titelkomposition (Vor- und Abspann) zunächst weniger zusagte. Dafür knallt dann aber der Rest des recht schmissigen Soundtracks mächtig in die Gehörgänge und bringt aufgrund seiner treibenden Orgelklänge die Beine ordentlich zum mitwippen. Zudem wurde die deutsche Kinofassung mal wieder mit einer unfassbaren Synchro aus dem Hause Schier gesegnet, wodurch sie sogleich einen erheblich höheren Schmierfaktor als das spanische Original vorweist.

     

    Fazit: Eine sauerstoffarme Schmierenkomödie mit Jigsaw Jürgens an vorderster Front.

  • Autor: Richie Pistilli
  • Veröffentlichungen:

    Wie all zu oft scheinen dann auch von dieser italienisch-spanischen Co-Produktion mehrere Schnittfassungen zu existieren, von denen mir persönlich aber nur die deutsche, spanische und eine auf Liebhaberbasis zusammengebastelte Composite Fassung geläufig sind. Grundsätzlich kann dabei festgehalten werden, dass die deutsche VHS Fassung (DF) gegenüber der spanischen Originalfassung (SF) einen viel höheren Schmierfaktor aufweist, da diese mit deplatziert wirkenden Inserts angereichert wurde, in denen dann augenscheinlich Bodydoubles ihr Bestes geben und Rosalba himself einen gehörigen Nippelalarm auslöst. Dafür sind aber in der DF zahlreiche Handlungsszenen der Schere zum Opfer gefallen, die dabei für den gezeigten Geschichtsverlauf gar nicht mal so unerheblich sind.

     

    Laufzeiten:

    DF: 71 min.

    SF: 83 min.

     

    Eine kurze Übersicht der prägnantesten Unterschiede:

    Bereits die ersten 10 min. der beiden Schnittfassungen unterscheiden sich enorm, da die DF mit einer urbanen Eröffnungsszene in Paris beginnt, welche in der SF überhaupt nicht vorkommt. Bei dieser sieht man Herrn Jürgens während der Eröffnung bereits mit seinem Wagen durch die sonnig-urlaubshaften Landschaften cruisen, zudem in ständigen Gegenschnitten der ausgelassene Wasserskispaß der beiden treulosen Tomaten gezeigt wird. Weitere gravierende Unterschiede zwischen der SF und der DF bestehen bei der darauffolgenden Liebesszene am Strand: Die scheinbar auch in der DF nachträglich eingefügten Bodydouble-Inserts fehlen in der SF schon mal gänzlich und während des lustvollen Liebesspiels im heißen Sand kommen in der SF weder die roten, noch die gelben Farbfilterspielereien zum Einsatz und die Leidenschaft zwischen den beiden Liebenden wirkt dabei gegenüber der DF auch sehr entschärft.

     

    Daraufhin geht es gleich weiter ins liebesnestähnliche Wochenendhaus, wo Rosalbas heiße Sohle auf dem Parkett in der DF dann vollständig der Schere zum Opfer fiel. Dafür bietet diese wiederum ein lustvolles Liebesspiel, bei dem sich dann die beiden hereingeschnittenen Bodydoubles verausgaben dürfen. Daraufhin präsentiert sich die Neri in der DF sowohl vor dem Badezimmerspiegel, als auch kurz darauf im Bett völlig textilbefreit, wobei es sich im ersten Fall auch um ein weiteres Bodydouble handeln könnte. In der SF wurde Rosalba dann augenscheinlich von ihrer Textilallergie geheilt, da sie sich dort in den beiden Szenen verhältnismäßig zugeknöpft gibt.

     

    Der nächste gravierende Unterschied folgt kurz darauf im Rahmen des gemeinsamen Nachtclubbesuchs, wobei in der DF ausschließlich Curd und Rosalba zu sehen sind. In der SF wurde der Nachtclubsszene eine viel höhere Laufzeit zugesprochen, da in dieser auch Pietro im miefenden Beatschuppen zugegen ist und sich gleich in die aufreizende Rosalba verguckt. Nachdem er sich dem vermeintlich glücklichen Liebespaar erstmals vorgestellt hat, legt er vor deren Augen eine heiße Sohle aufs Parkett und flirtet dabei recht offensichtlich die auch nicht gerade uninteressiert wirkende Rosalba an. Und Curd? Der schaut dem Ganzen einfach nur gutgläubig zu. Somit beginnt in dieser Schlüsselszene bereits der Anfang vom Ende, was wiederum unverständlicherweise in der DF gänzlich entfernt wurde.

     

    Gegen Ende kann in der SF auch noch eine längere Rückblende auf einen verzweifelten und außerdem bewaffneten Curd bestaunt werden und Pietros gezeigte Erinnerungen an seine verflossene Schwedin beinhalten auch weiteres Filmmaterial. Zu guter Letzt wird in der SF noch eine letzte Rückblende in Form eines Flashbacks gezeigt, in der Rosalbas Ex-Freund mit seiner neuen Flamme überglücklich Hand in Hand durch Paris schlendert.

  • Autor: Richie Pistilli
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