Im Netz der goldenen Spinne

Frankreich | Italien | Spanien, 1966

  • Originaltitel: Missione speciale Lady Chaplin
  • Alternativtitel:

    Operación Lady Chaplin (ESP)

    Mission spéciale Lady Chaplin (FRA)

    Operation Lady Chaplin

    Special Mission Lady Chaplin

  • Deutsche Erstaufführung: 20. Januar 1967
  • Regisseur: Alberto De Martino, Sergio Grieco
  • Kamera: Federico G. Larraya, Alejandro Ulloa
  • Musik: Bruno Nicolai, Giovanni Simonelli
  • Drehbuch: Sandro Continenza, Marcello Coscia, Hipólito de Diego, Giovanni Simonelli
  • Inhalt:

    Ein bereits vor vier Jahren gesunkenes U-Boot bereitet der U.S. Marine auch weiterhin mächtiges Kopfzerbrechen, da dieses immer noch mit sechszehn weiterhin scharfen Atomraketen bestückt ist und jegliche Bergungsversuche bisher erfolglos blieben. Hinzu gesellen sich heftige Unterwasserstömungen, infolgesessen das versunkene Atom-U-Boot auch noch ständig seine Position verändert. Ein klarer Fall also für unseren amerikanischen Superagenten 077 Dick Malloy (Ken Clark), welcher dann auch sogleich im Namen des F.B.I.s voller Tatendrang mit den Ermittlungen loslegt. Dabei zieht er dann zunächst den renommierten Reedereibesitzer Kobre Zoltan (Jacques Bergerac) zu Rate, da sich dessen Konzern auf die Bergung versunkener Schiffe spezialisiert hat. Aber leider kann ihm dieser bei diesem verzwickten Fall auch nicht wirklich weiterhelfen, so dass Malloy unverrichteter Dinge nach anderweitigen Lösungsmöglichkeiten weitersuchen muss. Doch dann überschlagen sich urplötzlich die Ereignisse, da sowohl ein wichtiger Informant fremdbestimmt das Zeitliche segnet als auch dass Malloy ab diesem Moment andauernd von bösartigen Schurkenbuben attackiert wird. Und als wäre das alles noch nicht genug, betritt dann auch noch die zwielichtige Modeschneiderin Lady Arabella Chaplin (Daniela Bianchi) die Bildfläche, von wo aus sie dann ungefragt im Wettlauf um die Atomraketen munter mitmischt. Just in diesem Moment taucht dann auch noch inmitten des undurchschaubaren Schlamassels das gesuchte Atom-U-Boot an einer völlig anderen Stelle als bisher auf. Bleibt also letzlich nur noch die Frage, ob es Dick Malloy schlussendlich auch gelingen wird, die unheilvollen Atomraketen vor den kriminellen Interessensgruppen rechtzeitig in Sicherheit zu bringen?

  • Autor: Richie Pistilli
  • Review:

    Meiner bescheidenen Meinung nach kann Alberto De Martinos OPERATION LADY CHAPLIN zweifelsfrei zu den Spitzenvertretern des Eurospy-Genres gezählt werden, da bei dieser kunterbunten Inszenierung so ziemlich alles zu stimmen vermag. Neben einer recht interessanten Agentengeschichte und gutaufgelegten Darstellern sind es gerade die sorgfältig arrangierten Bildkompositionen des verdienstvollen Kameramanns Alejandro Ulloa (LASST UNS TÖTEN COMPANEROS, TOTE ZEUGEN SINGEN NICHT, MANAOS – DIE SKLAVENTREIBER VOM AMAZONAS), die diesen erstklassigen Genrebeitrag zu einem wahrhaften Filmjuwel werden lassen. Dabei benötigt Alejandro Ulloa auch meist nur einen gekonnten Kameraschwenk, um von der einen hervorragenden Bildkompsition gleich zur nächsten überzuwechseln. Hinzu gesellt sich eine dermaßen launensteigernde Farbenfrohheit, die den Zuschauer in Verbindung mit den anschaulichen Drehkulissen (Madrid, New York, London, Paris) dann einfach nur noch zum Träumen einlädt.

     

    Die reizende Daniela Bianchi (DER CHEF SCHICKT SEINEN BESTEN MANN, OPERATION “KLEINER BRUDER”, BRADOCK – DREI UNZEN BLEI ZUM FÜNF-UHR-TEE) verkörpert dabei die zwielichtige Modedesignerin Ms. Arabella Chaplin, welche dann wiederum gemeinsam mit dem skorpionvernarrten Oberschurken Zoltan in einen internationalen Atomraketenskandal verwickelt zu sein scheint. Dabei zeigt sich die blonde Schönheit kleidungstechnisch als sehr geschmackssicher, denn auch egal welchen Dress Daniela gerade zur Schau trägt, sie sieht darin letztendlich immer richtig schniecke aus. Egal ob im Seniorinnenlook, in Nonnentracht, Militärsuniform oder auch einfach nur in eleganter Abendgaderobe, Daniela macht zu jedem Zeitpunkt des Films eine erstklassige Figur. Nebenbei entwirft sie dann nicht nur im Rahmen ihrer hauseigenen Modelinie "Propolan" hochexplosive Mode für den Hausgebrauch, sondern bedient auch das Maschinengewehr recht graziös, mit dem sie dann wiederum in der fulminanten Eröffungsszene als abtrünnige Ordensfrau verkleidet zwei falsche Glaubensbrüder ins ewige Paradies befördert. Darüber hinaus verpasste ihr die deutsche Synchronisation einen recht merkwürdigen Akzent, wobei dieser ihren Rollencharakter nicht nur etwas wundersam erscheinen lässt, sondern auch gerade erst dadurch den richtigen Unterhaltungswert verleiht. Sobald Daniela in der deutschen Sprachfassung den Mund aufmacht, hört sich das in etwa folgendermaßen an:

     

    "Sie wollen uns wirklisch nischt weiterhelfen..."
    "Handelt es sisch dabei um besonders gesischerte Kisten?..."
    "Ach ja, das hatte isch vergessen..."

     

    Der US-Amerikanische Schauspieler Ken Clark (DIE HÖLLENHUNDE DES DSCHINGIS KHAN, JACK CLIFTON JAGT WOSTOK III, NEBRASKA-JIM) verkörpert dieses Mal die Rolle des Superagenten 077 Dick Malloy, der eines schönen Tages von New York nach Madrid reisen muss, da ein Schiff mit sechszehn atomaren Sprengköpfen untergegangen ist und daher schnellstens wieder geborgen werden muss, bevor sich böse Buben anderer Weltmächte an der massenvernichtenden Ladung zu schaffen machen. Dabei trifft er dann auch recht schnell auf die reizende Lady Chaplin, woraufhin das undurchsichtige Intrigenspiel erst richtig beginnt. Mr. Clark erledigt dabei seinen Schauspieljob recht souverän, so dass er mir in dieser Rolle trotz einer gewissen Gelackmeiertheit besser als viele seiner konkurrierenden Superagentendarsteller gefällt.

     

    In weiteren Rollen können dann auch noch die reizende Ida Galli (DER SCHÖNE KÖRPER DER DEBORAH, DER SCHWANZ DES SKORPIONS, SPUREN AUF DEM MOND) und die unverwüstliche Helga Liné (MY DEAR KILLER, BLUTMESSE FÜR DEN TEUFEL, ORGIE DES TODES) bestaunt werden, wobei Frau Galli auch gerne mal ein nicht gerade alltägliches Hut-Haarschopf-Konstrukt auf ihrem Kopf unverblümt zur Schau trägt. Als Handlangerin von Lady Chaplin spielt Frau Galli vordergründig zwar eine recht unscheinbare Rolle, aber wie wir alle wissen, sind stille Wasser bekanntlich recht tief... Helga Liné zeigt sich dabei weniger modeinteressiert, denn sie kauft viel lieber massenvernichtende Atomsprengköpfe auf dem illegalen Wege ein.

     

    Alles in allem handelt es sich bei AGENT 077 - IM NETZ DER GOLDENE SPINNE um einen sowohl bildschönen, als auch einen der besser inszenierten Eurospy-Vertretern, wobei der Film seine vollständige Wirkung erst so richtig auf der großen Leinwand zu entfalten vermag. Die Darstellerriege gibt sich im Allgemeinen sehr spielfreudig und der Storyverlauf ist auch recht spannend in Szene gesetzt. Als Höhepunkt bekommt der Zuschauer dann auch noch ein dermaßen hanebüchenes Finale vorgesetzt, dass einem Sehen und Hören dabei vergeht: Ungeachtet der zur Verkaufsschau ausgestellten Atomrakten liefern sich der Superagent und der Superschurke genau inmitten der hochexplosiven Ware einen heftigen Schusswechsel und riskieren somit eine globale Atomkatastrophe.

     

    Abschließend sei auch noch auf die erstklassige Filmmusik hingewiesen, die dieses mal von keinem geringeren als dem einzigartigen Bruno Nicolai stammt. Der Titelsong "Lady Chaplin" entpuppt sich dabei als ein absoluter Ohrwurm, den man dann auch nicht mehr so schnell aus dem Gehörgang bekommt. Leider schaffte es die "Vocal Version" von Bobby Solo aus unerklärlichen Gründen nicht auf die Kauf-CD, so dass auf dieser ausschließlich die "Instrumental Version" des Titelsongs zu hören ist. Schade!

     

    Fazit: Erstklassig, bildschön, fantastische Musik und tolle Darstellerinnen.

  • Autor: Richie Pistilli
  • Veröffentlichungen:

    Neben einer ausländischen TV Fassung durfte ich den Film bisher einmal auf der großen Leinwand bestaunen, wobei die 89 minütige TV Fassung im Vergleich zur ca. 11 Minuten längeren Kinofassung einen etwas knackigeren Eindruck machte. Welche Szenen hierbei genau der Schere zum Opfer fielen kann ich im Nachhinein leider nicht mehr nachvollziehen. Zumindest waren keine offensichtlichen Schnitte feststellbar und der Erzählfluss wirkte auch völlig barrierebefreit. Darüber hinaus existiert auch noch eine deutsche VHS Fassung, welche dann trotz einer längeren Laufzeit von ca. 97 Minuten von Gewaltschnitten nicht verschont blieb.

  • Autor: Richie Pistilli
  • Kommentare (1)

    • Sergeant Schnauzbart

      Sergeant Schnauzbart

      15 April 2017 um 13:22 |
      Hallo Richie,
      wie kommst du darauf, dass die deutsche VHS geschnitten ist?
      97 min PAL/25 fps = ~100 min/24 fps (89 min TV + 11 min).

      ;)

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