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Im Knast der perversen Mädchen

Italien, 1978

  • Originaltitel: Le evase - Storie di sesso e di violenze
  • Alternativtitel:

    Women Against Women, a Tale of Sex and Violence (CAN)

    Las evadidas (ESP)

    Violez les otages! (FRA)

    Jailbirds (GBR)

    Escape from Women's Prison (USA)

  • Regisseur: Giovanni Brusadori
  • Kamera: Sebastiano Celeste
  • Musik: Giuseppe Caruso
  • Drehbuch: Giovanni Brusadori, George Eastman, Bruno Fontana
  • Inhalt:

    Einer Gruppe verurteilter Straftäterinnen rund um die Terroristin Marina (Lilli Carratti) gelingt es, aus dem Gefängnis zu fliehen. Fortan zeichnet sich ein regelrechter Rachefeldzug ab, der auf all diejenigen abzielt, die in den Prozessen gegen die Frauen entscheidende Rollen für deren Verurteilung gespielt haben. Auf der Flucht nehmen die Ausbrecherinnen einige Geiseln und wenig später stellt sich heraus, dass eine von ihnen die Tochter des damals verantwortlichen Richters ist. In seinem Haus angekommen, stellen sie ihre Gewaltbereitschaft und Perversion unter Beweis und die Situation eskaliert nach kürzester Zeit. Wird die Polizei den Wettlauf gegen die zu allem entschlossenen Frauen verlieren..?

  • Autor: Prisma
  • Review:

    Ein Ausbruch aus dem Knast ebnet den Weg für den Zuschauer, dem letzten Abschaum dabei zuzusehen, in welch turbulente und womöglich tatsächlich perverse Situationen sie noch gelangen werden. Für all diejenigen die sich in Gefängnisfilmen wohlfühlen kommt es schnell zu der willkommenen Gewissheit, dass man hier auf die richtigen Pferdchen gesetzt hat, schließlich gefallen sich die Damen in wenig zimperlichen Drohgebärden und glänzen nahezu mit dem ordinärsten Gossenton. Es ist zu vermuten, dass die vier Frauen diese sprachlichen Raffinessen bereits vor ihrem Urlaub auf Staatskosten drauf hatten, aber es ist ebenso anzunehmen, dass der Wortschatz dort bedeutend verfeinert, womöglich erweitert wurde. Beim geneigten Zuschauer sorgt diese Haudrauf-Strategie des Regisseurs Giovanni Brusadori gleich von Anfang für ein großes Vergnügen und es ist wieder einmal mehr als klar, dass man derartige Filme vielleicht bedingungslos mögen muss, um sich auf höchstem, oder besser gesagt, niedrigstem Niveau unterhalten zu fühlen.

     

    "Le evase - Storie di sesso e di violenze" legt ein gutes Tempo vor und erfreut mit charakteristischen Zutaten,. Dabei ist die Geschichte jedoch altbekannt, was aber nicht weiter tragisch ist, schließlich kommt es auf die reißerische Umsetzung an. Erste Rangeleien, und den deutschen Titel untermalende Anspielungen, sorgen für eine gute Aufmerksamkeit und es ist einem so, als wisse man genau, wo diese Reise hingehen wird. Plötzlich sind politische Untertöne zu vernehmen, die in eine handelsübliche Rache-Geschichte gehüllt sind, und darüber hinaus offenbaren sich willkommene Pointen im Rahmen von Sarkasmus und Zynismus, die die trostlos wirkende Szenerie gekonnt auflockern, beziehungsweise erschüttern. Besetzungstechnisch bekommt man es in diesem Beitrag im wahrsten Sinne des Wortes mit den üblichen Verdächtigen zu tun, deren vornehmste Aufgabe es gewesen zu sein scheint, derartige (oder ähnlich geartete) Produktionen tatkräftig und unter vollstem Körpereinsatz zu unterstützen.

     

    Die darstellerischen Leistungen erweisen sich als angemessen und am prägnantesten sind selbstverständlich die Darbietungen der weiblichen Entflohenen, die durch gut einstudierte Choreografien in Wort und Tat für Aufsehen sorgen werden. Interessant ist, dass ein paar Damen trotz ordinärer Anstriche teilweise kultiviert wirken, im nächsten Moment jedoch wieder gerne auf die Tube drücken und somit durch - für einen derartigen Film - angemessenes Verhalten auffallen. Besonders ins Auge fallen die beiden hübschen Interpretinnen Lilli Carati aus Italien und ihre tschechische Kollegin Zora Kerova, die auch in darstellerischer Hinsicht überzeugen können. Es dauert recht lange, bis es zu ersten Veranschaulichungen im den Bereichen exzessiver Gewalt, sexueller Nötigung und Mord und Totschlag kommt, was zugunsten eines sorgsamen Aufbaus in die zweite Reihe gereicht wurde. Die dem Produktionsjahr überaus angepasst wirkende musikalische Untermalung versucht mit allen verfügbaren Mitteln, die zugegebenermaßen etwas schwächelnde Spannungskurve aufzupolieren.

     

    Die größte Enttäuschung bei "Im Knast der perversen Mädchen" bleibt die Tatsache, dass es keine Szenen aus dem klassischen Gefängnisalltag gibt, was sich bei Genre-Kollegen immer als wichtige Zutat im Sinne eines gefügigen Verstärkers herauskristallisiert hat. Auch wenn die geflohenen Damen, für die Kavaliersdelikte offensichtlich ein Fremdwort darstellen, alles tun, Ebenbilder aus der Gosse so glaubhaft wie nur möglich darzustellen, fehlen in schwachen Momenten doch Personen aus dem Dunstkreis sadistischer Aufseher_innen, oder brutale Bandenaktivitäten, sowie das natürliche Vakuum des Gefängnisses an sich. Überdurchschnittlich gut weiß hingegen die deutsche Synchronisation mit ihren gepfefferten Wortspitzen zu gefallen, die diesen Verlauf quasi unermesslich aufwerten kann, und ihn in einem empfunden besseren Licht dastehen lässt, als es eigentlich der Fall wäre. Unterm Strich bleibt mit Giovanni Brusadoris Arbeit jedoch ein dienstbarer und letztlich produktiver Vertreter des "WiP"-Genres stehen, der vor allem kurzweilig und unterhaltsam ausgefallen ist.

  • Autor: Prisma
  • Links

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    IMDb

    Kommentare (1)

    • Frank Faltin

      Frank Faltin

      21 November 2017 um 19:01 |
      Meine Güte, was für ein Film doch entspringen kann, wenn die richtigen Leute das deutsche Dialogbuch schreiben. Ohne diese dauerhaften Erniedrigungen und Beleidigungen wäre das Teil vermutlich gerade mal die Hälfte wert. Den Knast suche ich heute noch, pervers sind sie aber fast alle. HEY HO LET´S GO!

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