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Hunted City

Italien, 1979

  • Originaltitel: Sbirro, la tua legge è lenta... la mia... no!
  • Alternativtitel:

    Tu ley es lenta, la mía no (ESP)

    La cité du crime (FRA)

  • Regisseur: Stelvio Massi
  • Kamera: Pier Luigi Santi
  • Musik: Stelvio Cipriani
  • Drehbuch: Marino Girolami, Vincenzo Mannino, Josè Sanchez
  • Inhalt:

    Kommissar Ferro wird nach Mailand gerufen: Sporadisch werden führende Geschäftsleute und Staatsanwälte erschossen. Polizei und Presse gehen davon aus dass die Mafia dahinter steckt, aber Ferro ist sich sicher dass die für dieses Mal ihre Hände nicht im Spiel hat. Da er aber bei seinen Ermittlungen nicht einen Schritt weiterkommt – kooperiert er kurzerhand mit der Mafia!

  • Autor: Maulwurf
  • Review:

    Wie müsste man sich einen Zusammenschnitt einer Poliziottesco-Fernsehserie der ausgehenden 70er-Jahre vorstellen, die in Italien erfolgreich in die Haushalte flimmerte und nun, nach dem Abflauen der Erfolgswelle, noch einmal für das Kino aufbereitet werden soll? Dieser „Film“ sollte Handlungsstränge der einzelnen Folgen beinhalten, er dürfte natürlich nicht allzu gewalttätig sein (schließlich sollten auch die jüngeren Zuschauer, die um 20 Uhr noch sitzen bleiben durften, ins Kino gehen), und Nuditäten sollten selbstverständlich auch nicht zu sehen sein (aus dem gleichen Grund). Eine zarte Liebesgeschichte müsste hinein für die weiblichen Zuschauer, ein wenig Tragik für die Kritiker, und Maurizio Merli als Zugpferd, Auf ein Kind als Sidekick wird dankenswerterweise verzichtet, aber zumindest lernen wir den juvenilen Neffen von Kommissar Ferro kennen. Und seine Schwester …

     

    Ein Gedankenspiel, aber so kann man sich HUNTED CITY ganz gut vorstellen. Merli walzt sich hier mitnichten mit großer Wumme und lockeren Fäusten durch Mailand, sondern eher tritt er zart und vorsichtig auf. Nicht mal seine Brustbehaarung darf er richtig zeigen. Die Frauen bleiben angezogen, die Ohrfeigen halten sich im Rahmen, und Zynismus ist ein Fremdwort. Wichtig auch, dass die Gangster auf keinen Fall böse sind. Zwar keine reinen Chorknaben, aber zu der abgrundtiefen Bosheit eines Tony Aniante oder des buckligen Vincenzo Moretto ist es mindestens soweit wie von Mailand nach Palermo und wieder zurück. Und das ist verdammt weit. Der einzige auftretende Mafioso ist ein lieber netter Kerl mit großväterlichem Habitus, der eher an Onkel Dittmeyer erinnert als an den Kapo einer Verbrecherorganisation, und der seine schützende Hand selbstverständlich ohne jede Gegenleistung über den auf Zehenspitzen amoklaufenden Merli hält.

     

    OK, ein ganz klein wenig übertreibe ich vielleicht, aber wirklich nur ein wenig. Fakt ist, dass HUNTED CITY außer ein paar recht ordentlich gemachten Verfolgungsjagden und ein paar in Großaufnahme erschossenen Gangstern verdammt wenig bietet. Das grobe Handlungsgerüst verdient den Namen kaum und erinnert eher, ich erwähnte es, an einen Zusammenschnitt aus Fernsehfolgen denn an einen stringenten Kinofilm. Alternativ müsste die deutsche VHS um locker 20 Minuten geschnitten sein um all die losen Stränge zusammenzufügen, die sich in der deutscher Version im Nirgendwo verlieren. Die IMDB schreibt was von 103 Minuten, die deutsche VHS läuft etwa 100 Minuten, und diese 3 Minuten (die wahrscheinlich eher dem Unterschied zwischen PAL und NTSC geschuldet sein dürften) würden die Handlungssprünge nicht erklären.

    So dringt Ferro beispielsweise irgendwann mal grundlos in eine zu einem Schießstand umfunktionierte Kirche ein. Es folgt eine wilde Ballerei mit einem bösen Wicht, aber wir erfahren weder wer der Wicht ist, noch welchen sittlichen Nährwert die Ballerei hat. Der Wicht ward nie wieder gesehen, und Ferro betritt den nächsten Handlungsort. Könnte das die Szene mit der Disco gewesen sein? Möglich: Man schaut ein paar Hupfdohlen zu, Ferro und sein Assi Arrivo sitzen da, trinken was, Ferro starrt irgendwo hin, man redet kurz – Ende der Szene. Aha …

     

    Solche Szene hat es eben mehrere, und spannungsfördernd sind die nicht wirklich. Die Aktion Acamporas mit den Weinflaschen ist hübsch anzusehen, aber folgerichtig im Sinne der Handlung definiere ich anders. Und wer bitte ist der Typ in der Villa, der zwar supersmart und klugscheißerisch rüberkommt, aber nicht wirklich sinnstiftend ist. Und an dieser Stelle entsteht dann fast zwangsläufig Leerlauf. Bitte nicht falsch verstehen: Ich hänge mich nicht an 2 oder 3 derart irritierenden Szenen auf, sondern ich schildere sie. Dummerweise ist der ganze Film voll mit solchen Momenten, und das schlägt mir dann doch ein wenig aufs Gemüt.

    Auf der anderen Seite der Fahnenstange hat es die erwähnten Verfolgungsjagden, die durchaus solide inszeniert wurden, und ein paar nicht allzu detaillierte Auftragsmorde inklusive einer kurzen Geiselnahme. Es reicht um wach zu bleiben und das Interesse an der Story(?) nicht wirklich zu verlieren, aber Spannung geht anders. Der ein Jahr vorher ebenfalls von Stelvio Massi inszenierte CONVOY BUSTERS erzählte zwar eine ähnlich weitläufige Geschichte mit vielen Einschüben und hatte eher wenig Action zu bieten, überzeugte dabei aber mit viel melancholischer Stimmung und Atmosphäre. HUNTED CITY hingegen bietet ein schnell zu durchschauendes Familiendrama, eine ausgesprochen merkwürdige Romanze, und noch viel merkwürdigere Nebenfiguren. Ferros Assistent Arrivo etwa ist zwar ganz nett, aber was bitteschön soll die Figur bringen? Sie ist nicht lustig, sie ist nicht vulgär, sie ist nicht cool, sie ist nicht zwielichtig – sie ist einfach gar nichts. Nicht einmal peinlich …

     

    Nein, HUNTED CITY ist definitiv keine Sternstunde italienischer Polizeifilmkunst, da gibt es entschieden spannenderes, aufregenderes und lustigeres. Und nachdem ich diesen angefangenen Text nun seit über 2 Wochen vor mir herschiebe, mir aber zu dem Film immer noch nichts anderes einfallen mag, gebe ich es auf. Besser wird der Streifen einfach nicht, und mehr gibt es dazu auch nicht zu sagen …

  • Autor: Maulwurf
  • Links

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