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Hunger nach Zärtlichkeit

Italien, 1984

  • Originaltitel: Fotografando Patrizia
  • Alternativtitel:

    Patrizia, retratos de una mujer (ESP)

    Les plaisirs interdits (FRA)

    O Lado Sensual de Patricia (POR)

    The Dark Side of Love

    Patrizia - Hunger nach Zärtlichkeit

  • Deutsche Erstaufführung: 06. August 1987
  • Regisseur: Salvatore Samperi
  • Kamera: Dante Spinotti
  • Musik: Fred Bongusto
  • Drehbuch: Massimo di Luzio, Riccardo Ghione, Salvatore Samperi, Edith Bruck
  • Inhalt:

    Emilio (Lorenzo Lana) eidet an einem Schaden der Wirbelsäule und wächst so von einem Kindermädchen behütet weitgehend im Innern eines Palazzo in der Hafenstadt Chioggia auf. Als er 16 Jahre alt ist, verstirbt das Kindermädchen und Emilios ältere Schwester Patrizia (Monica Guerritore) kehrt heim. Entgegen seines Erwartens ist die erfolgreiche Modedesignerin Patrizia jedoch nicht nur zur Beerdigung angereist sondern will sich künftig um ihn kümmern.

     

    Als sie feststellt, dass Emilio unter Lebensangst leidet und seine Zeit nur im Palazzo verbringt, während er sehnsüchtige Blicke auf die junge Nachbarin von Gegenüber richtet und sich allabendlichen Porno-Videos hingibt, versucht sie ihn aus der Reserve zu locken. Zunächst nur mit Ausflügen, denen Emilio allerdings nur wenig abgewinnen kann. Schließlich versucht sie seine Neugierde auf das weibliche Geschlecht und das Leben mit erotischen Geschichten aus ihrer Vergangenheit und dazu passenden Posen zu beleben, während er sie dabei beobachtet.

     

    Doch schließlich kommen sie sich dabei näher als gut für sie ist, und Emilio fixiert seine sexuellen Begierden voll und ganz auf seine Schwester.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    „Fotografando Patrizia“ kann man zu den gelungeneren erotischen Werken von Regisseur Salvatore Samperi zählen, dessen Karriere ihre künstlerischen Höhen und Tiefen besaß. Sein absolutes Meisterwerk ist natürlich der 1973 entstandene „Malizia“ (1973) mit Laura Antonelli, dessen Erfolg in Italien wohl nur – ausgerechnet – durch Samperis filmische Adaption der Comic-Serie „Die Sturmtruppen“ (1976 und 1982 die Fortsetzung) übertroffen wurde.

     

    Für „Hunger nach Zärtlichkeit“ schrieb Samperi wie so oft das Drehbuch selbst, mit Unterstützung von Riccardo Ghione („The Red Stained Lawn“, 1973). Trotz eines eher geringen Budets zeichnet sich „Fotografando Patrizia“ durch seine saubere Inszenierung und die weitgehend glaubhaften Hauptcharaktere aus. Samperi legte meist großen Wert darauf, seine Darsteller selbst zu casten und entschied sich hier für den relativ unbekannten Lorenza Lena für die Rolle des 16-jährigen Emilio und Monica Guerritore („Scandalosa Gilda – Die totale Unterwerfung“, 1985) als dessen große Schwester. Die gutaussehenden Darsteller tragen ebenso zur erotischen Atmosphäre des Endergebnisses bei, wie die professionellen Bilder von Kameramann Dante Spinotti.

     

    Zur Figur der Patrizia selbst sei bemerkt, dass es im Unklaren bleibt, ob die Geschichten, mit denen sie ihrem Bruder Lust aufs Leben (und ein paar andere Dinge) machen will, sich tatsächlich so zugetragen haben. Schon die Story Nummer 1 scheint eher eine Phantasie, die auf ihren Bruder zugeschnitten ist, denn ob ein 14-jähriges Mädchen es wirklich so prickelnd findet, von einem fremden Kerl in einem dunklen Kino befummelt zu werden und ihm dann einen runterholen muss, sei mal in Frage gestellt. So nehmen Emilios Gelüste auch später eine unbeabsichtigte Richtung ein, denn er hat nur noch Lust auf seine Schwester – nicht auf andere Frauen – und mitunter werden seine Forderungen im Laufe der Geschichte passiv-gewalttätige Formen an. Ein Thema, dass man schon von „Malizia“ her kennt, wo der Heranwachsende seine unerfüllten Wünsche ebenfalls in Psycho-Terror ausarten lässt.

     

    Und das Ende? Typisch Samperi, eine Mitleidsnummer für den Hinterbliebenen.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Veröffentlichungen:

    Samperis Film erschien kürzlich bei Donau Film als „Patrizia - Hunger nach Zärtlichkeit.“ Wenn man keinen allzu großen Wert auf - nicht vorhandenes - Bonusmaterial legt, kann man sich dennoch nicht nur an einem schönen Erotik-Drama sondern auch an der dazugehörigen sauberen Bild- und Tonqualität erfreuen.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Links

    OFDb
    IMDb

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