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Holocaust 2

Italien, 1980

  • Originaltitel: Holocaust parte seconda: i ricordi, i deliri, la vendetta
  • Alternativtitel:

    Holocaust 2: The Memories, Delirium and the Vendetta, Part Two (AUS)

    Holocaust 2: The Memories, Delirium & Vengeance (NED)

    Holocausto II (POR)

    Subliminal: A Splendid Day to Die In

    The Experiment

  • Regisseur: Angelo Pannacciò
  • Kamera: Maurizio Centini
  • Musik: Giuliano Sorgini
  • Drehbuch: Angelo Pannacciò
  • Inhalt:

    Ein geheimnisvoller Mann kommt in die Stadt, nimmt Befehle entgegen und verdient sein Geld als Straßenastrologe. Eine hübsche Anhalterin kommt ebenfalls in die Stadt, quartiert sich bei einer anderen Frau ein und verführt einen Playboy. Und außerdem geht der Butzemann um und tötet in erster Linie alte Männer und Frauen. Diese haben, bevor sie abtreten, Flashbacks an die Verbrechen die sie im Dienste des Dritten Reichs begangen haben. Der Zuschauer ahnt dass da ein Zusammenhang bestehen könnte, der ermittelnde Inspektor nicht. Allerdings tappen bezüglich Sinnsuche beide vollkommen im Dunklen …

  • Autor: Maulwurf
  • Review:

    Ein Geheimbund älterer Männer kümmert sich um die Liquidierung alter Naziverbrecher. Killer schleichen durch die Stadt und verbreiten Angst, die Morde sind blutig und fies, der Zuschauer fiebert mit und freut sich über die gelungene Bestrafung real existierender Schweine, und es könnte so schön sein. Könnte …

     

    Im Dirty Pictures-Forum wurde zu diesem Film das Attribut „Wirr und billig“ genannt, und das trifft es ziemlich genau. Das Budget des Filmes dürfte deutlich unter 1000 Lire gelegen haben, und das Vorhandensein auch nur eines Treatments geschweige denn gar eines Drehbuchs habe ich nicht wirklich gespürt. Urlaubsbilder aus Anzio, wunderschöne (angezogene) Frauen, Gordon Mitchell reißt die Augen auf und zeigt seine Zähne, man fährt durch die Gegend und unterhält sich im Off, und ein paar sehr sehr vorsichtige Flashbacks aus einer Art Konzentrationslager einerseits und einem Massaker an Dorfbewohnern andererseits, mehr hat es nicht. Schuld dürfte in erster Linie das Budget sein: Es war weder Geld übrig für Sprengpatronen (also konnte keine Einschüsse etwa in Mauern oder auf dem Boden gezeigt werden), Ketchup als Blutersatz war zu dieser Zeit wahrscheinlich gerade ausverkauft, und beispielsweise ein Dialog während einer laaaaaaangen Autofahrt findet komplett im Off statt, da mutmaßlich das verwendete Filmmaterial in einem dunklen Auto keine vernünftigen Bilder ablieferte. Auch das Füllmaterial mit den Straßenbildern aus Anzio ist relativ umfangreich. Was aber alles jetzt nicht so der Spannungsbringer ist …

     

    Die Bilder vom Markt in Anzio sind pittoresk, Kai Fischer und Susanna Levi sind wunderbar anzuschauen, und wenn der Playboy auf der Strandpromenade flirtet kommt richtiggehend etwas Urlaubsstimmung auf. Das Gegenstück sind dann die Flashbacks, die teilweise sehr düster und eindringlich rüberkommen. Wenn die Nazis im KZ Juden erschießen muss immer ein Kinderchor singen, wobei der Ton aber stark verzerrt wird. So entsteht ein Gefühl des Wahnsinns und der Verzweiflung, und vielleicht wollte Regisseur Pannacciò diesen Wahnsinn bewusst gegen die Urlaubsstimmung setzen.

     

    Aber leider ist ihm das nicht so recht gelungen. Stattdessen gehen diese beiden Stimmungen eine Symbiose ein, was zu einem Gefühl der übergeordneten Langeweile führt. Will sagen, es passiert einfach nichts. Gar nichts. Theoretisch ist der Film ein Krimi, praktisch ist die Krimihandlung deutlich unter Derrick-Niveau angesiedelt. Theoretisch ist der Film eine Abhandlung über untergetauchte Kriegsverbrecher in Italien, praktisch eine Studie über Autofahren in Anzio. Theoretisch könnte der Film sehr trashig sein und tolle Frauen beim Sex zeigen, oder wenigstens uniformierte Nazis wie sie hässliche Dinge mit tollen Frauen tun. Praktisch bewegt sich ein paar Mal eine Frau mit Offiziersmütze und Bikinioberteil in einem Raum (NACHTPORTIER ick hör Dir trapsen), und wenn sich Dorothea und Lucilla küssen bleibt alles züchtig und anständig. Was also soll hier passieren, außer den Zuschauer müde zu machen und ihn zu verwirren?

     

    Aber da wäre ja noch die hochkarätige Besetzung! Hochkarätig? Im Prinzip ja, aber … William Berger geht über einen Rasen und stiert in die Kamera. Dauer seines Auftritts: Etwa anderthalb Minuten, vieles davon in der Totalen. Tina Aumont steht im Halbdunkel und schreit wie eine Irre, und auch hier ist die Auftrittszeit nicht wirklich lange. Die Hauptdarsteller sind im Wesentlichen Kai Fischer, Susanna Levi und ein wenig Gordon Mitchell, aber wirklich viel zu tun hat letzterer nicht, außer wie schon erwähnt die Augen aufzureißen. Die Mädels müssen mal wieder den Karren aus Dreck holen, und wenn Pannaciò auf Sleaze und Sex gesetzt hätte wäre ihm das auch sicher gelungen. Tut er aber nicht, und den Anspruch der intellektuell ansprechend gemachten Aufdeckung vergessener Naziverbrechen in Italien kann er genauso wenig einlösen wie die Erwartung von nackten Frauen unter der Knute fieser Nazis..

     

    Mag ja sein dass meine Erwartungshaltung mich mal wieder irregeführt hat. Ich bin eigentlich schon von einem Naziploitation-Flick ausgegangen, aber die Story um einen Bund alter Männer die Rache nehmen an ihren Peinigern, diese Story könnte auch problemlos entweder spannend oder durchgeknallt oder beides erzählt werden. Nur langweilig, damit hab ich halt ein Problem. Wahrscheinlich dürfte man das Teil nicht in der englischen Synchronisation sehen, weil die, wie so oft, grottenschlecht ist und dem Film viel mögliche Sympathie kostet. Aber wenn man kein italienisch kann ist man halt auf solche Synchros angewiesen …

  • Autor: Maulwurf
  • Links

    OFDb

    IMDb

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