Höllenschlacht der Tataren

Frankreich | Italien, 1961

  • Originaltitel: Ursus e la ragazza tartara
  • Alternativtitel:

    A Fúria dos Tártaros (BRA)

    La hija de Solimán (ESP)

    La fille des Tartares (FRA)

    Ursus contra los tártaros (MEX)

    Tartar Invasion (USA)

    Ursus and the Tartar Princess

    Die Horden des Khan/Kahn

    Höllenschlacht der Tartaren

  • Deutsche Erstaufführung: 20. September 1962
  • Regisseur: Remigio Del Grosso
  • Kamera: Anchise Brizzi
  • Musik: Angelo Francesco Lavagnino
  • Drehbuch: Remigio Del Grosso
  • Inhalt:

    Immer wieder fallen die Krimtataren über die katholischen Christen in Polen her, und bei ihrem neuesten Feldzug erbeuten sie Ursus‘ (Joe Robinson) Sohn Michail, der auf die Krim verschleppt wird. Prinz Stefan wird (Ettore Manni) wird mit ein paar Soldaten auf eine Mission geschickt, die Stellungen der Tataren auszukundschaften, begleitet von Ursus, der seinen Sohn finden will. Die Gruppe wird von Suleimans (Tom Felleghy) Männern gefangen genommen und in Sulaimans Palast verschleppt, der für Prinz Stefan Lösegeld erpressen will.

     

    Im Palast verliebt sich Sulaimans Tochter Prinzessin Ila (Yoko Tani) in Prinz Stefan, und da Sulaiman seine Tochter über alles liebt, bietet er an, dass die Zwei heiraten können, wenn Stefan zum muslimischen Glauben konvertiert. Als der nicht dazu bereit ist, wendet sich Ila dem Christentum zu. Zudem findet Ursus dort ebenfalls seinen Sohn Michail vor, der zum muslimischen Tataren erzogen werden soll, umsorgt von der Dienerin Amia (Maria Grazia Spina), die dem Jungen und ebenfalls Ursus sehr zugetan ist. Indessen trifft der Khan der Tartaren (Akin Tamiroff) ein und will Ila für seinen Sohn Prinz Ahmed (Ivano Staccioli). Doch den Gefangenen gelingt gemeinsam mit der Prinzessin die Flucht nach Polen und verfolgt vom Khan kommt es dort zu einer letzten Entscheidungsschlacht.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Wer ist Remigio del Grosso? Ein Drehbuchautor (Enkel des gleichnamigen Astronomen, 1813–1876), der zwischen 1940 und 1974 ungefähr 30 Drehbuch-Credits aufweisen kann, bei einigen davon allerdings nur als Namensgeber, eine tatsächliche Beteiligung an wirklich allen diesen Filmen darf bezweifelt werden. „Höllenschlacht der Tataren“ von 1961 ist sein einziger Regie-Credit, allerdings mit schwerer Unterstützung: Gianfranco Baldanello, Sergio Bergonzelli und Giorgio Capitani. Wer dabei wie viel gemacht hat, – und ob überhaupt - darüber darf gerne spekuliert werden.

     

    Was hat das Ganze mit der Ursus-Filmreihe zu tun? Im Grunde nichts, trotz des Originaltitels „Ursus e la ragazza tartara“, den ich mir folgendermaßen erkläre: Del Grosso hat hier einen selbst für 1961 stilistisch recht altbackenen Abenteuerfilm mit schwergewichtigem bis zweifelhaftem religiösen Kontext abgeliefert, der wohl schwer zu vermarkten war. Also gibt man dem muskulösen polnischen Waldschrat, dem sein Kind entführt wurde, im Vorspann kurzentschlossen den Namen Ursus – im Film selbst fällt der Name erstmals in der Schlussszene – und hat den Filmtitel entsprechend angepasst. Doch Joe Robinson ist kein Ursus, nicht einmal ein Maciste, dessen Präsenz wenigstens zeitlich in die im 18. Jahrhundert angesiedelte Story gepasst hätte. Außerdem ist seine Rolle deutlich kleiner als die von Ettore Manni.

     

    „Höllenschlacht der Tataren“ kommt wie gesagt eher altbacken daher, mit starkem melodramatischem Anteil und schwülstig-leidenden Christen, trotzdem kann man dem Film weder die Spannung noch gute darstellerische Leistungen der Schauspieler absprechen. Mit Ettore Manni, Yoko Tani, Akim Tamiroff und Ivano Staccioli waren ja auch ein paar überaus sehenswerte Darsteller dabei, und gerade auch Tom Felleghy kann mit seiner Performance als durchaus sympathischer Tatarenführer Sulaiman punkten. Schmerzhaft ist die Szene der freiwilligen Konvertierung Ilas zum Christentum im Angesicht eines gekreuzigten Priesters, mit brennenden, pechübergossenen Armen, so was von Pathos, das tut echt weh.

     

    Und auch sonst geht der Film von ein paar naiven Fehlannahmen aus. Etwa, dass die Katholiken nur Opfer waren, die lediglich ihre unstillbare Nächstenliebe in ferne Länder importierten. Oder dass muslimische Frauen nur darauf warten, dass nette katholische Jungs sie aus den Klauen der muslimischen Sklaverei erretten. Oder dass Polen, die Krim und Oman gleich um die Ecke liegen. Vorsicht vor diesem Film, er kann sowohl gut unterhalten als auch mit seinem rückwärtsgewandtem Schwulst abschrecken.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Links

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    IMDb

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