Highway Racer

Italien, 1977

  • Originaltitel: Poliziotto sprint
  • Alternativtitel:

    Speed racer (ESP)

    Highway Racer - vauhtipaholainen veressä (FIN)

    SOS jaguar, opération casse gueule (FRA)

    Stan's snabbaste snut!!! (SWE)

  • Deutsche Erstaufführung: 19. Oktober 1977
  • Regisseur: Stelvio Massi
  • Kamera: Franco Delli Colli, Riccardo Pallottini
  • Musik: Stelvio Cipriani
  • Drehbuch: Gino Capone
  • Inhalt:

    Marco Palma (Maurizio Merli) ist ein hitzköpfiger und überheblicher junger Polizist, der von seinen Fahrkünsten als Zivilstreifenfahrer völlig überzeugt ist, sich zudem aufgrund seiner Überheblichkeit auf eigene Faust über bestehende Befehle seines Vorgesetzten Maresciallo Tagliaferri (Giancarlo Sbragia) hinwegsetzt und den laufenden Einsatz im Rahmen einer wilden Verfolgungsjagd nach seinen Vorstellungen durchführt. Nur ist sein selbst beschlossenes Vorgehen schlussendlich nicht von Erfolg gekrönt, denn bei der wilden Verfolgungsjagd durch die Innstadt Roms wickelt er letztendlich aufgrund eines fatalen Fahrfehlers den Dienst-Alfa samt Dienstkollegen um einen Baum, wodurch die Täter ungehindert entfliehen können.

     

    “Verflucht, der fährt ja wie 'ne Sau!”

     

    Völlig empört über die erdreistete Kompetenzüberschreitung seines tagtraumtänzelnden Zöglings empfiehlt Tagliaferri diesem eindringlichst, doch erst ein mal ein paar Fahrstunden zu nehmen, damit er seine doch recht bescheidenen Fahrkünste etwas aufbessern könne. Daraufhin reagiert unser völlig von sich selbst überzeugter Palma total angesäuert, da er sich keinerlei Schuld bewußt ist, denn der einzige Grund für das Misslingen der Verfolgungsjagd sei doch schließlich dem fehlende Hubraum des Dienst-Alfas geschuldet gewesen und keinesfalls seinen profihaften Rennfahrkünsten.

     

    Völlig uneinsichtig lässt er daraufhin kurzer Hand hinter dem Rücken seines Vorgesetzten einen weiteren Dienst-Alfa umfrisieren und versucht im Anschluss bei einer erneuten Verfolgungsjagd nach flüchtigen Bankräubern zum wiederholten Mal sein Glück auf eigene Faust, wobei seine Intervention aber erneut im totalen Chaos endet... und dieses mal sogar mit Todesfolge für seinen mitfahrenden Partner.

     

    Nachdem Palma vorübergehend vom Dienst suspendiert wurde, beendet er als erstes in einem Anfall pubertärer Hysterie seine Beziehung zu der hübschen Autohändlerin Francesca (Lilli Carati) und versinkt daraufhin völlig in Selbstmitleid.

     

    Doch aufgrund des unkontrollierbaren Treibens einer brandfrischen Verbrechensorganisation aus Frankreich, die unter der Führung eines gewissen Jean-Paul Dossena (Angelo Infanti) eine Bank nach der anderen überfällt und dabei jedes mal ausgeklügelte und stets mit Erfolg gekrönte Fluchtvarianten an den Tag legt, entsinnt sich Chef Tagliaferri schlussendlich wieder seines verstoßenen Zöglings, da er schließlich aufgrund seiner eigenen Berentung als aktiver Fahrer auf den jungen Palma angewiesen ist. Und genau aus diesem Grund unterbreitet er diesem schließlich das unglaubliche Angebot, ihn undercover unter falscher Identität in die Bande einzuschleusen, damit dieser Dossena das Handwerk legt und somit die Organisation handlungsunfähig macht. Voraussetzung hierbei sei jedoch, dass Palma zuvor ein paar Fahrstunden unter seiner Federführung ablegt und präsentiert ihm dazu seinen neuen Dienstwagen: Einen Ferrari 250 GTE

     

    Wird es dem überglücklichen Kommissar gelingen, den Ferrari fahrtechnisch in den Griff zu bekommen und im Anschluss Dossena zu überführen?

     

    “Ich will verrückt leben bevor ich mir die Radischen von unten anschaue... Das Leben ist wie 'ne Schildkrötensuppe in Dosen: Du löffelst und löffelst und zum Schluss findest Du ein paar fette Bröckchen...”

  • Autor: Richie Pistilli
  • Review:

    Dieser turbulente Poliziesco von Genreveteran Stelvio Massi entpuppt sich als ein vorzüglich mundendes Action-Spektakel mit Anleihen zum amerikanischen Car Chase Movie und wartet dementsprechend mit halsbrecherischen Verfolgungsjagden und jeder Menge Schrott auf. Da Massi dieses Mal auf sonstige Nebenhandlungsstränge fast gänzlich verzichtet, verschafft er dem Spannungsverlauf freien Lauf und liefert schlussendlich eine recht stimmige Gesamtinszenierung ab, die überdies mit zu den besseren Arbeiten seiner Schaffensphase gezählt werden kann.

     

    Der völlig barlippige Maurizio Merli spielt dieses Mal einen überheblichen und unbelehrbaren Hitzkopf, der gerne mal seine recht bescheidenen Fähigkeiten als Fahrer der Zivilstreife überschätzt und sich in seiner maßlosen Überheblichkeit zudem über die Befehle seines Vorgesetzten hinwegsetzt. Dieser wird hier überragend von Giancarlo Sbragia verkörpert, wobei er Merli schließlich die volle Verantwortung am verpatzten Einsatz zuschreibt, ihm ein unzureichendes Fahrtalent attestiert und schließlich als “Flasche”, Sprücheklopfer” und “Tagträumer” tituliert. Doch der narzistische Maurizio Merli sieht die Gründe seines Scheiterns keinesfalls in den ihm zugeschriebenen Vorwürfen, sondern in der Bereitstellung unzureichender Mittel von Seiten seiner Behörde: Nach seiner Ansicht sei einzig und alleine der viel zu geringe Hubraum des ihm zur Verfügung gestellten Alfa Giulia 1600 der Grund für das Versagen gewesen und verharrt dabei völlig in der Überzeugung, “Mit einer Guilia 2000 wäre das nicht passiert!” Denn klein Marco möchte unter allen Umständen ein Rennfahrer der Polizei werden... Und als er dann seinen neuen Dienstwagen-Ferrari präsentiert bekommt, grinst er wie ein Honigkuchenpferd und freut sich wie ein kleines Kind über das hochmotorisierte Geschenk.

     

    Als eine weitere grandiose Szene kann der Moment angesehen werden, als Merli im Anfall einer pubertären Trotzreaktion die Beziehung zu der reizenden Lilli Carati völlig überstürzt beendet und danach in Selbstmitleid der Marke "Die Welt kann mich und meine Fahrtalente nicht verstehen" versinkt. Hier kommt mir dann jedes Mal unweigerlich die Zeichentrickserie "Grisu - der kleine Drache" in den Sinn, wobei man aber anstatt "ich will Feuerwehrmann werden” andauernd "ich will Rennfahrer werden” vernimmt. Frau Carati kann hier einem hinsichtlich ihrer Partnerwahl schon etwas Leid tun, aber auch die jeweiligen Einsatzpartner der Streifenpolizei können über eine Zusammenarbeit mit unserem unbeherrschten und aufbrausenden Maurizio alles andere als beneidet werden. Zwar wirkt Merli in seiner oberlippenbartbefreiten Rolle als dauerquengelnder, sprücheklopfender und sich selbst überschätzender Beamter der Funkstreife zunächst etwas befremdlich, kann aber schlussendlich in dieser zur vollen Zufriedenheit überzeugen und legt somit eine äußerst unterhaltsame Performance an den Tag.

     

    Zudem fand ich es auch sehr interessant zu sehen, dass bereits 1977 an zahlreichen Verkehrsknotenpunkten der italienischen Hauptstadt ein flächendeckender Kameraeinsatz eingeführt wurde. Während des Filmverlaufs kam mir außerdem auch immer wieder mal Luc Bessons “Taxi” in den Sinn, für den dieser Massi Streifen gegebenfalls als Inspirationsquelle gedient haben könnte. In Australien wurde diese Sause übrigens unter dem Titel “Convoy Busters” geführt und somit besteht hier eine Verwechselungsgefahr zum eigentlichen Nachfolger des erfolgreichen Merli/Massi-Kooperationsmarathons.

     

    Weiterhin wurde sowohl die deutsche VHS-Fassung, als auch die deutsche Kinofassung im Vergleich zur italienischen Originalfassung um einige Minuten an reinen Dialogszenen erleichtert, aber die deutsche Synchronisation stellt sich hierbei wiederum als ein sehr unterhaltsamer Gaudi mit einem anständigen Feuerwerk an Sprüchen heraus.

     

    Die Filmmusik stammt in diesem Fall von keinem Geringeren als Stelvio Cipriani, wobei diese leider nur auf einer 2 tracklastigen 7 Inch Single und auf dem hervorragenden Sampler “Attori A Mano Armata” erhältlich ist.

     

    Fazit: Ein turbulentes Car-Action-Spektakel des italienischen Polizeifilms mit einem barlippigen Maurizio Merli in bestform. Auf dass die Reifen quietschen mögen....

  • Autor: Richie Pistilli
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