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The Hideout

Italien | Vereinigte Staaten, 2007

  • Originaltitel: Il nascondiglio
  • Alternativtitel:

    Il nascondiglio delle monache

  • Regisseur: Pupi Avati
  • Kamera: Cesare Bastelli
  • Musik: Riz Ortolani
  • Drehbuch: Pupi Avati, Francesco Marcucci
  • Inhalt:

    Nach dem Selbstmord ihres Ehemannes – einem Lehrer der Opfer von anonymen Briefen wurde, die ihn einer sexuellen Beziehung mit zwei Schülerinnen bezichtigten – verbrachte die italienischstämmige Francesca Sainati (Laura Morante) 15 Jahre in einer Nervenklinik in Minnesota, unter anderem, weil sie Stimmen hörte. Nun wird sie als geheilt entlassen und hat von ihrem Mann eine stolze Summe geerbt. Von dieser will sie sich ihren Traum erfüllen, ein italienisches Restaurant zu eröffnen.

     

    Hierzu kauft sie in Davenport von dem Makler Muller (Burt Young) das „Snake House.“ Muller will ihr zudem mit der Genehmigung der Restauranteröffnung beim Stadtrat helfen, natürlich weil er scharf auf sie ist. Doch in dem alten Haus hört Francesca Stimmen, genauer gesagt, eine verzerrte Kinderstimme, die ihr durch die Wände etwas zuflüstert. Francesca gelangt aber zu der Überzeugung, dass diese Stimme real und keine Einbildung ist und beginnt nachzuforschen.

     

    Sie findet heraus, dass vor 50 Jahren im „Snake House“ zwei Nonnen und die Hausbesitzerin (Marina Ninchi, Angela Goodwin und Sydne Rome) brutal ermordet wurden, und die zwei verdächtigen Mädchen – Schützlinge der Nonnen – nie gefunden wurden. Und in jener verschneiten Mordnacht führten keinerlei Fußspuren vom Haus weg.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Luigi Cozzi erklärte mal seinem Buch „Italian Horror Movies“ sehr kurz aber einleuchtend, warum in Italien keine (oder nur wenige) Horrorfilme mehr produziert werden. Alles liegt in den Händen der RAI – also dem Fernsehen – und dort gibt es keinen Bedarf für die ja oft recht explizierten italienischen Horror-Regiearbeiten. Selbst TV-Produktionen wie die „Lucio Fulci Presents“-Reihe und ähnliche wurden zwar produziert aber nicht im TV gezeigt. Zumeist erschienen sie erst Jahre später auf Video. Zum Beispiel wusste ich nicht, dass die in von Fulci in „Nightmare Concert“ verwendeten Alt-Szenen aus jener Reihe für die italienischen Zuschauer NEU waren. Zur Veröffentlichung von „Nightmare Concert“ war keiner jener Fulci Presents-Filme je in Italien ausgestrahlt worden.

     

    Umso bemerkenswerter das Jahr 2007, in dem man die Rückkehr von gleich drei italienischen Regie-Legenden zu Horror-Themen erleben konnte, in drei gelungenen Filmen. Lamberto Bava schuf nach dem doch eher scheißlichen „The Torturer“ (2005) das stimmungsvolle Geister-Drama „Ghost Son“, und Dario Argento lieferte mit „Mother of Tears“ einen fulminanten (ja, ja, leckt mich) Abschluss seiner Mütter-Trilogie mit einem von Hieronymus Bosch inspirierten Finale. Der atmosphärischste Beitrag kam allerdings von Pupi Avati, mit der RAI/US-Coproduktion „The Hideout.“ Die Story an sich – labile Frau zieht in unheimliches Haus – wirkt zunächst nicht neu, doch selten hat mich ein Film dieser Art so zum angstvollen Schaudern gebracht.

     

    „The Hideout“ beginnt mit einer Rückblende, einer verschneiten Nacht im Jahre 1959. Die 17-jährige Liuba (Marin Jo Finerty) kehrt betrunken, und wie ein Arzt feststellt möglicherweise auch unter Drogen gesetzt, ins Snake House zurück. Ihre Freundin Egle (Chiara Tortorella) kümmert sich um sie, aber beide haben Angst vor den drei alten Damen des Hauses: der Mother Superior, deren Mitschwester und der sehr wohlhabenden Hausbesitzerin, mit deren kriminellem Sohn Liuba anscheinend eine Affäre hat. Die Mother Superior will Liuba von einem Arzt auf ihre Jungfräulichkeit prüfen lassen, was der Hausbesitzerin gar nicht recht ist, und vor dem nächsten Morgen wird dieser Arzt auch nicht eintreffen. Und den warnenden Worten, in einer Nacht könne viel passieren, endet die Rückblende, und erst mit dem Auftauchen von Francesca werden wir Stück für Stück an die Geschehnisse jener vergangenen Nacht herangeführt.

     

    Francesca hat 15 Jahre in einer Nervenklinik verbracht, nachdem ihr Mann aufgrund von anonymen Briefen, die ihn der sexuellen Beziehung mit zwei Schülerinnen bezichtigten, Selbstmord begangen. Und hier beginnt schon etwas durchzuschimmern, was auch den weiteren Film kennzeichnet. Die großen Geheimnisse dieser Geschichte sind im Grunde leicht zu erahnen, alles ist geprägt von einer erschütternden Unvermeidlichkeit. Wer hat diese Briefe geschrieben? Das kann man sich an zwei Fingern abzählen. Auf der Suche nach dem Geheimnis von Snake House gibt es ein paar Gastauftritte, unter anderem von Giovanni Lombardi Radice und Venantino Venantini. Desweiteren erhält Francesca Unterstützung von Father Amy (Treat Williams) und der zwielichtigen Paula Hardyn (Rita Tushingham), doch nach und nach macht man ihr im Ort deutlich, dass im Grunde niemand an einer Aufklärung der damaligen Geschehnisse Interesse hat. Die einzig wirkliche Hilfe erhält sie schließlich von der Anwältin Ella (Yvonne Sció), die ihrem sie betrügenden Ehemann eins auswischen will.

     

    Die Szenen mit Laura Morante im Snake House sind geprägt von einer klaustrophobischen Beklemmung, gespickt mit sorgfältig komponierten Kamerafahrten und untermalt mit unheimlicher Musik von Riz Ortolani. Das Faszinierende an diesem Film ist jedoch das wirklich unheimliche Ende, dessen Gelingen umso Überraschender ist, weil man doch im Grunde schon seit der Mitte des Films ahnt, worauf es hinausläuft. Bevor ich zum Mega-Spoiler komme, der wirklich die Sch… aus mir rausgegruselt hat wie kaum ein anderes Szenario in einem Horrorfilm zuvor, noch ein Wort zur Rückblende des dreifachen Mordes, ebenso Teil dieses Endes. Die scheint cut. Es beginnt ziemlich blutig mit dem ersten Mord, und da der Film die ganze Zeit über so sorgfältig und perfekt komponiert ist, fällt einem das fühl- und sichtbare „Ratsch“ mit dem es unmittelbar zum zweiten Mord weitergeht, doch sehr auf. Sehr blutig wird es trotzdem, wenn auch nur kurz.

     

    Anfang MEGA-SPOILER Auch wenn man Ende längst geahnt hat, die Vorstellung einer abgemagerten, alten, verrückten Frau, die sich kriechend durch Lüftungsschächte bewegt, einen Sack voll Knochen (ihre einstige Freundin) hinter sich herziehend, sich jahrzehntelang von Ratten ernährt hat und mit einer unnatürlich verzerrten Kinderstimme durch die Wände mit Francesca spricht, ist verdammt beängstigend. Und Avati bietet hier natürlich gleich zwei Referenzen, einmal an Argento – die alten Lüftungsschächte („Horror Infernal“, „Phenomena“) – und an sich selbst, denn die verrückte alte Frau ruft Erinnerungen an das Finale seines eigenen „Das Haus der lachenden Fenster“ wach. Auch der Sohn der Hausbesitzerin in der Gegenwart erinnert an jemand, nämlich an den guten alten „Zeder.“ Ein widerlicher und bösartiger Kerl. Ende MEGA-SPOILER

     

    „The Hideout“ ist ein MUSS, ein großartiges Meisterwerk des Gothic-Thrillers, auch wenn er in der Gegenwart angesiedelt ist. Eine Spitzen-Besetzung und hervorragend umgesetzt, und nicht zu unterschätzen ist selbstredend ebenfalls das Vergnügen, einem gut gemachten italienischen Horrorfilm zu begegnen, den man noch nicht kennt.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Links

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