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Heroes in Hell

Italien, 1974

  • Originaltitel: Eroi all'inferno
  • Alternativtitel:

    Heróis do Inferno (BRA)

    Valientes en el infierno (ESP)

    L'enfer des héros (FRA)

  • Regisseur: Joe D'Amato
  • Kamera: Joe D'Amato
  • Musik: Vasili Kojucharov
  • Drehbuch: Joe D'Amato
  • Inhalt:

    In einem deutschen Gefangenencamp in Frankreich während des 2. Weltkriegs gelingt einer international gemischten Gruppe von Gefangenen die Flucht, in dem sie die Pest (!) vortäuschen und somit auf eine heimliche Hinrichtung außerhalb der Camp-Mauern hoffen können.

     

    Nach Gelingen des Plans schließen sie sich einer Gruppe von französischen Partisanen an und helfen dabei, einen deutschen General inklusive geheimen Strategieplänen zu kidnappen.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Dieser eher wenig verbreitete Film, den Joe D’Amato 1974 unter dem Pseudonym „Michael Wotruba“ dreht, bereitet einen doch eher getrübten Genuss, zumindest in der ersten Hälfte.

     

    Am Anfang ein langer Vorspann mit lauter Phantasienamen vor Archivmaterial. Dann wird Lars Bloch, der hier den Captain Alan Carter spielt, ins Lager eingeliefert, und auf die Frage seiner Zellengenossen nach Name und Herkunft liest er diese wenig unverhohlen von einem Zettel ab – in dem fürchterlichsten englischen Dubbing das man sich nur denken kann. Vergleichbar mit den englischgedubbten Wang Yu-Filmen. Und dieses grauenvolle Dubbing macht nicht etwa bei den Stimmen halt. Denn kurz darauf folgt eine improvisierte Operation eines angeschossenen Mitgefangenen und einer rennt nach hinten, um sich offensichtlich nach dem Anblick der Wunde zu übergeben. Doch es sind nicht etwa Kotzgeräusche, die wir dann hören, sondern leichtes Spüli-Spüli als würde er sich die Hände waschen. Klar, nach dem Händewaschen muss man sich auch unbedingt den Mund abwischen.

     

    Zum Positiven der ersten Hälfte des Films gehört mit Sicherheit die Kameraarbeit von Joe D’Amato , assistiert von Gianlorenzo Battaglia. Hier wird vielfach auf engstem Raum gedreht, mit interessanten Einstellungen.

     

    Kurz erwähnt sei noch, dass man durch Einreiben mit Brennnesseln offenbar die Pest vortäuschen kann, muss ich mal ausprobieren, mal sehen, was die in der Notaufnahme davon halten und ob sie wirklich zur selben Diagnose gelangen.

     

    Aber dann das Wunder, denn nach der Flucht wird nicht nur der Film deutlich besser sondern auch das fürchterliche Dubbing! Das ist neu. Spaß machen von da an auch die immer zahlreicher werdenden deutschen Dialoge, die man offenbar 1:1 aus dem Italienischen übersetzt hat. Nicht falsch verstehen, wirklich gut ist der Film noch immer nicht aber zumindest endlich halbwegs unterhaltsam.

     

    Zum Unterhaltungswert tragen natürlich auch die bekannten Gesichter bei, die man während des Films entdecken kann: Luciano Rossi aus D’Amatos „Die Mörderbestien“ spielt selbstverständlich einen Nazi, nicht zum Ersten und auch nicht zum letzten Mal, besonders erwähnenswert hier sein Auftritt in „Red Nights of the Gestapo“ vier Jahre später. Franco Garofalo aus Bruno Mattei’s „Die Hölle der lebenden Toten“ spielt einen Verräter unter den Kriegsgefangenen. Und „Gunan – König der Barbaren“ Pietro Torrisi spielt einen deutschen Fahrer, dessen deutsche Dialoge herrlich von seinen Lippenbewegungen abweichen. Da hier im Vorspann wirklich hauptsächlich Pseudonyme verwendet wurden, darf man sich über abweichende Angaben auf imdb und anderen Seiten nicht wundern. Nicht entdecken konnte ich z. B. Paul Muller, kann mir aber denken, wen man für Paul Muller gehalten hat. Aber das ist er nicht. Dafür war der Psychiater/Doktor (?) aus „Werewolf Woman“ dabei, der hier im Vorspann wohl nicht auftaucht.

     

    Wer auf Klaus Kinski bzw. Klaus Kinsky wartet, wartet übrigens bis 10 Minuten vor Schluss. Dieser spielt den General Kaufmann, für den man im Kleiderfundus leider keine passende Uniform auftreiben konnte, so dass er eine SS-Uniform trägt.

     

    Erwähnenswert für einen solch preiswert gedrehten Film ist die Anzahl der Statisten. Natürlich möchte man nicht die Hand dafür ins Feuer legen, dass die nicht mehrfach verwendet wurden. Vier unpassende Grinser konnte ich während des Films unter den Statisten zählen, vielleicht findet einer mehr.

     

    Die Actionszenen sind in dieser zweiten Hälfte o.k. (in der ersten Hälfte gibt es keine, abgesehen von einer unendlich langen Alptraumsequenz mit WWII-Archivmaterial), mit ein paar Einschränkungen: ein schöner gerader und trockener Weg liegt vor den in einem Lastwagen Flüchtenden, die von deutschen Soldaten auf dem Motorrad verfolgt werden. Neben dem Weg ein kleiner Pfad mit einer großen Pfütze. Und so lässt man erst den LKW und anschließend auch das Motorrad diesen kleinen Umweg fahren, damit sie auch ja nicht die Pfütze verpassen.Wer würde das nicht tun, man wird verfolgt, es wird geschossen, aber bitte nicht geradeaus fahren sondern bitte die Pfütze nicht verpassen.

     

    Das Schönste am Film ansich ist für mich persönlich jedoch, dass man immer etwas lernen kann. Aus „Heroes in Hell“ in etwa, sollte ich dereinst das Zeitliche segnen, denke ich hoffentlich daran, vorher die Hände aus den Taschen zu nehmen, denn mit den Händen in den Taschen zu sterben, sieht voll uncool aus.

     

    Ebenfalls unbedingt merken: im Falle einer Erschießung nicht schon vorher wie eine Gazelle in die Luft hüpfen, denn wer möchte schon beim Sterben ausgelacht werden?

     

    Fazit: Joe D’Amato kann es deutlich besser, wissen wir, aber auch schlechter. Kennt jemand D’Amatos „War Baby – Rebellen des Todes“ von 1991? „Heroes in Hell“ ist qualitativ leicht überlegen und in jedem Fall nicht ganz so öde.

  • Autor: Gerald Kuklinski
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