Herkules und die Königin der Amazonen

Frankreich | Italien | Spanien, 1959

  • Originaltitel: Ercole e la regina di Lidia
  • Alternativtitel:

    Hércules e a Rainha da Lídia (BRA)

    Hércules y la reina de Lidia (ESP)

    Hercule et la reine de Lydie (FRA)

    Hércules sin cadenas (MEX)

    Hércules e a Raínha (POR)

    Hercules Unchained

    Hercules and the Queen of Lydia

  • Deutsche Erstaufführung: 29. März 1960
  • Regisseur: Pietro Francisci
  • Kamera: Mario Bava
  • Musik: Enzo Masetti
  • Drehbuch: Pietro Francisci, Ennio De Concini
  • Inhalt:

    Nach ihrer Trennung von den übrigen Argonauten machen sich Herkules (Steve Reeves), seine Frau Iole (Sylva Koscina) und der junge Ulysses (Gabriele Antonini) auf den Weg nach Herkules‘ Heimatstadt Theben. Doch Theben ist in Gefahr.

     

    Nach einem kurzen Kampf mit dem Giganten Anteo treffen sie auf die Truppen von General Amphiraos (Daniele Vargas), der als skrupelloser Eroberer bekannt ist. Einst herrschte König Oedipus (Cesare Fantoni) über Theben, überließ den Thron aber seinen Söhnen Polyneikes und Eotokles, die vereinbart haben, dass jeder von ihnen stets ein Jahr die Stadt regiert. Doch Polyneikes (Mimmo Palmara) hat nicht die Absicht, den Thron nun seinem Bruder zu überlassen und so schickt sich Eotokles (Sergio Fantoni) an, die Stadt mithilfe von General Amphiraos zu erobern.

     

    Herkules kann Eotokles überreden, ihm sechs Tage Zeit zu lassen, Polyneikes zum Einhalten der Absprache zwischen den beiden Brüdern zu überreden. In Theben angekommen, muss Herkules erkennen, dass Polyneikes sich an der Schwelle zum Wahnsinn zu befinden scheint. Trotzdem erklärt sich dieser – scheinbar aus einer spontanen Laune heraus – bereit, den Thron abzugeben. Herkules will zusammen mit Ulysses diese Neuigkeit an Eotokles zu überbringen, seine Frau Iole verbleibt indessen in Theben.

     

    Auf dem Weg trinkt Herkules versehentlich aus der Quelle des Vergessens und gerät so in den Bann der Königin Omphale von Lydien. Die macht ihm weiß, er wäre König und ihr Ehemann, Ulysses spielt ihr vor, er sei taubstumm und somit harmlos, während er verzweifelt versucht, Herkules Erinnerung an seine tatsächliche Identität zu wiederzuerwecken. Zudem hat Königin Omphale (Sylvia Lopez), die schlechte Angewohnheit ihre Liebhaber einbalsamieren zu lassen, nachdem sie überzeugt ist, dass diese sie nicht lieben können.

     

    Per Brieftaube ruft Ulysses dann die Argonauten und König Laertes von Ithaka (Andrea Fantasia) zu Hilfe. Indessen nimmt Polyneikes, der sich von Herkules hintergangen wähnt, dessen Frau Iole als Geisel.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    „Als großes Spektakel inszeniert, das etwas zum naiven Staunen und viel zum ungewollten Lachen bietet.“
    (Lexikon des Internationalen Films)

     

    Erstaunlich. Der erste Herkules-Film „Die unglaublichen Abenteuer des Herkules“ wird hier mit vielen der Originaldarsteller direkt fortgesetzt. Verwirrung gibt es trotzdem. Herkules gab im Vorgänger seine Halbgott-Kräfte auf und forderte sie in diesem nie zurück. Hier kein Thema, und Herkules vollbringt trotz seiner erheblichen Stärke auch keine wirklichen Wundertaten. Somit ist er anscheinend noch immer ein normaler, körperlich äußerst gut entwickelter Mensch.

     

    Weitere Verwirrung bei der Titelgebung. Der italienische Titel „Ercole e la regina di Lidia“ ist natürlich o.k., aber der US-Titel „Hercules Unchained“ bezieht sich deutlich auf die Schlussszene des ersten Films, was später zu Verwechslungen führte. Das Gleiche beim deutschen Titel „Herkules und die Königin der Amazonen.“ Die Amazonen waren im ersten Film. Omphale ist keine Amazone und ihre Dienerinnen sind nur Personal und keine Kriegerinnen. Für mythologisches Durcheinander ist dagegen eher das Drehbuch von Pietro Francisci und Ennio de Concini verantwortlich. Ein bisschen Sophokles, ein wenig Aeschylus, und bei dem Schlusskampf zwischen den beiden Königsbrüdern vor der Stadtmauer ist wohl ein wenig der Aeneas-Geschichte reingerutscht, und in Sergio Corbuccis „Romolus und Remus“ gab es ja auch etwas Ähnliches.

     

    Aber was soll‘s, denn nichtsdestotrotz kommt „Herkules und die Königin der Amazonen“ recht gradlinig daher, zumindest im Vergleich mit anderen dieser Muskelprotz-Epen. Das kostet diesen Film allerdings auch Spannungsmomente.

     

    “SEE the War of the Chariots! SEE Lydia, the Temptress! SEE the Contest of Giants! SEE the Combat of Kings! SEE the Arena of Tigers! SEE the Court of Lovers!“
    (fehlerhafte Tagline der US-Kinofassung, denn die „Temptress“ heißt nicht Lydia sondern Omphale, lydia bzw. Lydien heißt ihr Reich)

     

    Mario Bava war wieder mit involviert, deutlich sichtbar ist dies insbesondere in den Szenen mit Sylvia Lopez in Omphales Refugium. Die Kampfszenen am Ende kann man fast schon als aufwändig bezeichnen, nach dem überragenden finanziellen Erfolg von „Die unglaublichen Abenteuer des Herkules“ konnte man sich das leisten.

     

    Die Figur Iole – Herkules Ehefrau – taucht erst 1963 wieder bei Pietro Franciscis „Herkules, Samson und Odysseus“ (Ercole sfida Sansone) auf. In dieser Fortsetzung konnte Francisci aber kaum noch einen der Originaldarsteller engagieren. Gerade König Laertes wird dort noch immer von Andrea Fantasia dargestellt, Herkules dagegen von Kirk Morris, Iole von Diletta D’Andrea und Ulysses von Enzo Cerusico.

     

    In Deutschland erschien „Herkules und die Königin der Amazonen“ 1960 in den Kinos, leider gekürzt, ebenso wie die DVDs von Intergroove und Concorde. Und ich hätte keinesfalls verpassen mögen, wie Sylva Koscina ihre Liebesnacht unter den Sternen mit Herkules besingt.

  • Autor: Gerald Kuklinski
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