Herkules erobert Atlantis

Frankreich | Italien, 1961

  • Originaltitel: Ercole alla conquista di Atlantide
  • Alternativtitel:

    Hércules na Conquista de Atlântida (BRA)

    La conquista de la Atlántida (ESP)

    Hercule à la conquête de l'Atlantide (FRA)

    Hercules Conquers Atlantis (GBR)

    Hércules, o Conquistador (POR)

    Hercules and the Captive Women (USA)

    Hercules and the Conquest of Atlantis

    Hercules and the Haunted Women

  • Deutsche Erstaufführung: 02. Februar 1962
  • Regisseur: Vittorio Cottafavi
  • Kamera: Carlo Carlini
  • Musik: Gino Marinuzzi Jr., Armando Trovajoli
  • Drehbuch: Vittorio Cottafavi, Sandro Continenza, Duccio Tessari, Nicolò Ferrari
  • Inhalt:

    Herkules (Reg Park) hat Probleme mit seinem raufsüchtigen Sohn Hyllos/Illo (Luciano Marin), und seine Frau Deianira (Luciana Angiolillo) möchte nicht mehr, dass er sie für irgendwelche Abenteuer verlässt. Da dringt die Prophezeiung einer Bedrohung für ganz Hellas an die Ohren des Helden und König Androklos (Ettore Manni) möchte die Urheber dieser Bedrohung finden. Da jedoch Androklos von Herkules gegen den Willen des Volkes zum König von Theben erhoben wurde, wollen weder andere Herrscher noch das Volk ihn bei seiner Suche unterstützen – selbst Herkules nicht, der lieber bei seiner Familie bleiben will.

     

    Mithilfe von Hyllos verabreicht man Herkules einen Schlaftrunk und bringt ihn aufs Schiff, wo Androklos zusammen mit den Beiden, dem Zwerg Timoteo (Salvatore Furnari) und ein paar Sträflingen als Ruderer in unbekannte Gewässer steuert. Nach einer Meuterei der Sträflinge, welche man auf einer Insel zurücklässt, gerät das Schiff in einen Sturm und Androklos wird über Bord gespült. Herkules dagegen erreicht auf einem Trümmerstück eine verfluchte Insel, wo der vielgestaltige Gott Proteus die ihm dargebrachten Menschenopfer zu Stein verwandelt. Herkules besiegt Proteus und befreit dabei die junge Ismene (Laura Efrikian), welche die Tochter der Königin von Atlantis Antinea (Fay Spain) ist.

     

    Er bringt Ismene zu ihrer Mutter, doch der Tod von Proteus hat die Atlantis verhüllenden Nebel vertrieben, so dass Atlantis sich nun von dem Menschen bedroht fühlt. Zudem scheint man dort dem Gott Uranus zu huldigen und bringt diesem zahlreiche Menschenopfer dar. Antinea erweist sich als die Bedrohung aus der Prophezeiung, denn mithilfe einer Armee von Übermenschen will sie die Welt erobern und Uranus zum Herrscher des Olymp machen. Und welches Spiel treibt Androklos, welcher sich in Antineas Palast befindet, sich aber vor seinem Freund Herkules verborgen hält?

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Wieder ein neuer Darsteller für die Rolle des Herkules, diesmal der noch muskulöser als seine Vorgänger wirkende Reg Park. Und hier beginnen die Probleme, denn Reg Park wirkt sehr unbeweglich, was Regisseur Cottafavi auch in seiner Interpretation der Figur berücksichtigt. Er legt die Rolle der Hauptfigur völlig anders an als in seinem Vorgänger „Die Rache des Herkules“ mit Mark Forest und macht diese zu einem dekadenten, faulen und spöttischen Halbgott, der sich aus Kämpfen zunächst raushält, es sei denn, es ist unbedingt notwendig oder gar bis er darum gebeten wird. Und selbst dann verweigert er desöfteren seine Mithilfe.

     

    Dies räumt mehr Relevanz für die Rolle von Ettore Manni als König Androklos ein. Überhaupt erhalten Nebenfiguren in „Herkules erobert Atlantis“ mehr zu tun, und leider ist das nicht gut für das Gesamtergebnis. Vittorio Cottafavi schien dagegen viel von seinem Konzept zu halten, sieht darin gar eine politische Allegorie. Der Streit unter den Königen von Hellas – hier gibt es gelungene Gastauftritte von Ivo Garrani, Gian Maria Volonté und Enrico Maria Salerno – sollte die Uneinigkeit im nationalen Parlament Italiens symbolisieren, die Übermenschen-Armee der Atlanter dagegen eine Referenz an das Dritte Reich darstellen. Na ja, wenn er meint.

     

    Herkules‘ Frau Deianira wird diesmal von der 1925 geborenen Luciana Angolillo dargestellt und sie wirkt deutlich älter als Reg Park, obwohl der Altersunterschied nur zwei Jahre betrug. Im Nachfolgefilm „Vampire gegen Herakles“ von Mario Bava wird wieder Leonora Ruffo in die Rolle schlüpfen, welche schon in Cottafavis „Die Rache des Herkules“ Deianira verkörperte. Als Königin von Atlantis Antinea engagierte man die US-Amerikanische TV-Darstellerin Fay Spain, nur acht Jahre älter als ihre Filmtochter Ismene, gespielt von der sehr kindlich wirkenden Laura Efrikian, welche ihre Schauspielkarriere 1976 beendete, bevor sie dann erst 20 Jahre später wieder in Erscheinung trat. Erwähnenswert ist vielleicht noch, dass Ivo Garrani für seinen Gastauftritt in der italienischen Originalfassung mit eigener Stimme spricht und zudem auch Reg Park vertonte.

     

    Als für die Herkules-Filme typische Szene kann man den sehr gelungenen Kampf gegen Proteus bezeichnen, welche unter Beteiligung von Mario Bava gedreht wurde, welcher – ebenfalls mit Reg Park in der Hauptrolle – den weitaus gelungeneren Nachfolger „Vampire gegen Herakles“ drehte. Mich hat „Herkules erobert Atlantis“ jedenfalls nicht begeistert, bisher der schwächste der unten gelisteten Herkules-Reihe.

     

    Oh, noch Platz für ein paar langweilige Fakten bezüglich der Produktion der Herkules-Reihe, die ich gerade im Internet gefunden habe. Trotz des großen Erfolgs der ersten beiden Beiträge „Die unglaublichen Abenteuer des Herkules“ und „Herkules und die Königin der Amazonen“ wollte Galatea Film die Reihe nicht fortsetzen. Die Rechte gingen an Achille Piazzis APP, welche zusammen mit Robert de Nesles CFFP „Die Rache des Herkules“ unter der Regie von Vittorio Cottafavi produzierten. Bei Cottafavis „Herkules erobert Atlantis“ war wieder Achille Piazzi Produzent, wenn auch mit neuer Firma, wieder in Co-Produktion mit CFFP. Der Folgefilm „Vampire gegen Herakles“ ist eine rein italienische Produktion, wieder von Piazzi. Etwas aus dem Rahmen fällt der zwischendrin entstandene „Die Liebesnächte des Herkules“, welcher zwar mit italienischer Beteiligung und unter italienischer Regie entstand, aber in der Hauptsache eine französische Produktion von Paris Interproductions war. Die in den Credits genannten italienischen Produzenten waren nur kleine Co-Geldgeber der Grandi Schermi Italiani. Dieses hin und her erklärt wohl die zahlreichen Umbesetzungen und Kontinuitäts-Probleme der Reihe.

  • Autor: Gerald Kuklinski
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