Suchen

Herkules - Der Sohn der Götter

Frankreich | Italien, 1962

  • Originaltitel: Ulisse contro Ercole
  • Alternativtitel:

    Ulises contra Hércules (ESP)

    Ulysse contre Hercule (FRA)

    Ulysses Against Hercules (GBR)

    Ulysses Against the Son of Hercules (USA)

    Herkules gegen Odysseus

    Der Sohn der schwarzen Mächte

  • Deutsche Erstaufführung: 01. Juni 1962
  • Regisseur: Mario Caiano
  • Kamera: Alvaro Mancori
  • Musik: Angelo Francesco Lavagnino
  • Drehbuch: Mario Caiano, André Tabet
  • Inhalt:

    Wie jedes Jahr fragt Götterbote Hermes (Gabriele Tinti) bei dem gemarterten Prometheus an, ob dieser sich nun endlich bei Zeus dafür entschuldigen wolle, dass er den Menschen das Feuer gebracht hat. Mit leeren Händen kehrt Hermes zum Olymp zurück, und Poseidon nutzt die Gunst der Stunde, um Rache an Odysseus (Mike Lane) zu fordern, weil dieser seinen Sohn Polyphemos blendete. Freilich verschweigt er, dass Zyklop Polyphem Odysseus Männer verspeisen wollte, spielt aber auch keine Rolle, denn ganz gleich unter welchen Umständen, ein Sterblicher hat keine Götter oder deren Sprösslinge zu töten.

     

    Zeus schickt also seinen Sohn Herkules (Georges Marchal), um Odysseus zu fangen und zur Insel Polyphems zu bringen, damit dieser Rache an ihm nehmen kann. Odysseus befindet sich mit seinen Männern gerade auf dem Rückweg von Troja nach Ithaka, darauf brennend, endlich seine Frau Penelope wiederzusehen, als ein phönizisches Schiff sie überfällt. An Bord ist Herkules, der dem phönizischen Kapitän eine hohe Belohnung versprochen hat, wenn man Odysseus‘ habhaft werden kann. Das Unterfangen gelingt zunächst, und der Held von Troja wird gefangen genommen. Im Laderaum des Schiffes befreit sich Odysseus mithilfe eines Feuers jedoch von seinen Fesseln und setzt dabei das Schiff der Phönizier in Brand.

     

    Schwimmend erreichen Odysseus und kurz hinter ihm Herkules Festland, wo sie in die Gewalt von blutrünstigen Vogelmenschen und deren Glucke/Königin Aria (Dominique Boschero) geraten. Mit Schmeicheleien wollen die zwei Helden Aria von einer Opferung für den Vogelgott abhalten, und es gelingt ihnen die Flucht. Odysseus trickst kurz darauf Herkules aus und setzt seinen Weg allein fort, gerät dabei aber in Gefangenschaft von Höhlenmenschen, welche dem halbwahnsinnigen König Lagos (Gianni Santuccio) unterstehen, der das benachbarte Reich von König Irkanus terrorisiert. Irkanus ist natürlich der Vater von Herkules Angebeteter Helena, welche dem primitiven Prinz Adastro (Raf Baldassarre) versprochen ist.

     

    Und so hofft Herkules, durch die Vernichtung von König Lagos und dessen horrorfratzigen Untertanen zur Belohnung Helena heiraten zu dürfen. Dabei kann er dann auch Odysseus befreien und ihn Polyphem übergeben. Doch mittlerweile empfinden die beiden Helden großen Respekt voreinander, und als Odysseus schließlich auch noch die von Adastro entführte Helena befreit, bringt Herkules es nicht fertig, Odysseus dem Tod und dem Magen Polyphems zu überlassen. Er fleht seinen Vater an, den Freund zu begnadigen, und siehe da, die Sonne scheint und die Vögel zwitschern, na wenn das kein göttliches Zeichen ist?

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    „Herkules, der Sohn der Götter“ ist das Regiedebüt von Mario Caiano, welcher die Gunst der Stunde nutzt, um sowohl sein Studium griechisch-römischer Archäologie einfließen zu lassen als auch ein erstes Peplum-Helden Team-up zu inszenieren. Odysseus meets Herkules, Muskelkraft trifft auf Listigkeit. Caiano gab in einem Interview unumwunden zu, dass er weder ein Fan italienischer Peplum-Filme war noch die Herkules-Filme mit Reeves gesehen hatte, und so gibt es auch ein paar inszenatorische Abweichungen.

     

    „Ulisse contro Ercole“ beginnt mit einem schönen Intro, in dem Hermes im Auftrag von Zeus den an einen Felsen geketteten Prometheus ersucht, einen Kniefall vor Zeus zu machen und ihn um Gnade für seine Verfehlung zu bitten. Prometheus dagegen hält seine Entscheidung, den Menschen das Feuer zu bringen, nach wie vor für richtig. Hermes kehrt zurück zum Olymp und trotz allen Respekts für Prometheus Leidensfähigkeit ist keine Begnadigung in Sicht. Ist das für die Handlung des nun folgenden Films wichtig? Nicht wirklich, wenn nicht Poseidon ins Spiel käme, der fordert, den Iliade-Helden Odysseus seinem Sohn Polyphem zum Fraß vorzuwerfen, weil der ihn geblendet hat. Und nun wird’s schon unfreiwillig komisch – denn wir lernen Herkules kennen. Der spricht gerade mit seiner Angebeteten Helena (etwas verwirrend, dass man diesen Namen gewählt hat, da oft von Troja die Rede ist, aber es handelt sich natürlich um einen andere Helena) und überragt diese um einen halben Meter, obwohl Darsteller Georges Marchal im wahren Leben kaum größer ist als seine Filmpartnerin Alessandra Panaro. Anscheinend steht er auf einer Kiste, was an sich noch nicht komisch wäre. Aber dann will er ihr folgen, kann aber nicht, denn dann würde der Schwindel offenbar. Und damit nicht genug – Hermes (Gabriele Tinti) erscheint, und auch den überragt Herkules um einen halben Meter. Und Hermes lockt, „na komm schon, folge mir“, und Marchal zögert zunächst erst wieder, setzt zum Losgehen an, tut es aber nicht. Dann macht er es – wohl aufgrund Regieanweisung – aber doch und schwupp, Tinti und Marchal sind endlich auf Augenhöhe, letzterer schrumpft mit einem Schritt sichtlich um einen halben Meter.

     

    Anschließend eine kurze Seeschlacht mit Miniaturschiffen (Phönizier und Odysseus‘ Schiff), und an dieser Stelle möchte ich auf die beiden Hauptdarsteller und deren Rollen kurz eingehen. Herkules‘ Part erinnert nur wenig an vorangegangene Peplum-Adaptionen, etwa mit Steve Reeves, Mark Forest oder Reg Park. Wir haben es hier mit einem zwar dialogfesten aber doch etwas langsam denkenden Herkules zu tun, dem Odysseus später immerhin zwei Mal entkommen kann, weil Herkules sich mit Wein volllaufen lässt und ‚ne Runde schläft, anstatt seinen Gefangenen zu bewachen. Schauspielerisch ist Marchal zwar – wie soeben bemerkt – dialogfest aber seine darstellerischen Fähigkeiten geben insbesondere an zwei Stellen Anlass zur Sorge. Einmal, als er einen Hustenanfall ob des brennenden Phönizier-Schiffes vortäuscht, später während des Kampfes mit einem der Höhlenmenschen, das ist nicht doll, was er da zum Besten gibt. Umso besser besetzt ist Odysseus Part mit einem gutaussehenden und eher drahtigen als muskulösen Mike Lane, welcher mehrfach Gelegenheit bekommt, seine Listigkeit zum Einsatz zu bringen. Freilich ist dieser Herkules nicht schwer auszutricksen.

     

    Der herausragendste Part fiel aber Gianni Santuccio in seiner Rolle als gemeingefährlich-wahnsinnig-selbstüberschätzend-dummer König Lagos zu, dem Herrscher über die Höhlenmenschen. Tatsächlich dachte ich im ersten Augenblick, das wäre Enrico Maria Salerno, welcher im selben Jahr auch einen Kurzauftritt in Vittorio Cottafavis „Herkules erobert Atlantis“ hatte. Aber da habe ich mich wohl geirrt. Die Szenen zwischen Lagos und Odysseus sind allerdings mehr als sehenswert. Damit zurück zum unfreiwillig Komischen. Die Höhlenmenschen tragen schreckliche Masken, können nur Grunzen und sind ohne ihren verrückten König nur frühzeitliche Zurückgebliebene. Aber – sie leben in einem künstlerisch gebauten unterirdischen Palast mit vergitterten Kerkern mit Schlössern an den Türen. Wer hat die gemacht? Viel komischer sind allerdings die Vogelmenschen, da möchte man sich vor Lachen auf dem Boden wälzen. Und ja, es gibt eine Tanznummer derselben. Klasse.

     

    Gedreht wurde „Herkules, der Sohn der Götter“ bereits 1961, Kinopremiere in Italien war im Februar 1962. In Deutschland startete er im Juni 1962 im Verleih der Constantin. Es gibt ein paar schöne Landschaften zu sehen, die mal etwas anders sind als in anderen Peplums jener Zeit, da hier als Drehort die Kanarischen Inseln gewählt wurden. In den USA lief „Ulisse contro Ercole“ unter anderem als „Ulysses against the Son of Hercules“ als Teil der fürs TV konzipierten „Sons of Hercules“-Reihe, in der man 14 wahllos zusammengetragene Peplums zu Herkules‘ Söhne-Storys umarbeitete. Dieses Schicksal ereilte auch einige Ursus- oder Maciste-Filme. Neben des veränderten Dubbings diente eine feste Titel-und End-Musik, um eine eigentlich nichtvorhandene Verbindung zwischen diesen Filmen zu schaffen.

     

    Irgendwie hat mich dieser Marchal-Herkules an Robert Barone (Brad Garret) aus der „Alle lieben Raymond“-Sitcom erinnert. Macht aber nichts, mit „Herkules, der Sohn der Götter“ ist Mario Caiano ein unterhaltsames Regie-Debüt gelungen.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Filmplakate

    Links

    OFDb
    IMDb

    Bitte Kommentar schreiben

    Sie kommentieren als Gast.