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Herkules

Italien | Vereinigte Staaten, 1983

  • Originaltitel: Hercules
  • Alternativtitel:

    Hércules 87 (BRA)

    El desafío de Hércules (ESP)

    Hercule (FRA)

    Ercole (ITA)

    Aventuras de Hércules (POR)

  • Deutsche Erstaufführung: 12. August 1983
  • Regisseur: Luigi Cozzi
  • Kamera: Alberto Spagnoli
  • Musik: Pino Donaggio
  • Drehbuch: Luigi Cozzi
  • Inhalt:

    Um ein Gleichgewicht zum wachsenden Bösen auf der Welt zu schaffen, lässt Zeus (Claudio Cassinelli) die Seele eines Halbgottes in den neugeborenen Sohn des Königspaars von Theben fahren. Doch das Böse schläft nicht. Im Auftrag von König Minos von Kreta (William Berger) lässt die (fast) unsterbliche Adriana (Sybil Danning) einen ihrer Handlanger (Franco Garofalo) das Flammenschwert von Theben stehlen und das Neugeborene soll zusammen mit dem Königspaar getötet werden. Während Letzteres gelingt, wird Hercules jedoch von seiner Amme gerettet und in einem Boot auf dem Fluss ausgesetzt, bevor die Amme das Zeitliche segnet.

     

    Als Hercules (Lou Ferrigno) erwachsen ist, werden seine neuen Pflegeeltern, die ihn damals gefunden haben von einem mechanischen Greif getötet und er macht sich auf nach Troja. Vor dem dortigen König (Brad Harris) kann er allerlei Prüfungen bestehen und verliebt sich in die Königstochter Cassiopeia (Ingrid Anderson). Da Göttervater Zeus sie aber König Minos versprochen hat, macht dieser nun wieder Jagd auf den Halbgott. Doch der kann mithilfe von Circe (Mirella D’Angelo) nach Kreta gelangen und es kommt zum entscheidenden Endkampf zwischen Gut und Böse.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Ja. Was nun? Ich werde nett sein, versprochen.

     

    In den Achtzigern planten die Cannon-Produzenten Golan und Globus eine Reihe von Projekten in Italien zu realisieren. Man eröffnete ein italienisches Büro unter der Leitung von Alexander Ha Cohen und nahm einige Leute unter Vertrag, unter anderem auch Luigi Cozzi, auch wenn man vorläufig noch kein konkretes Projekt für ihn hatte. Stattdessen hatte man einen Vertrag mit dem US-Amerikaner Lou Ferrigno, mit dem man irgendetwas Conan-mäßiges drehen wollte. Ferrigno hatte sich dabei als zäher Verhandlungspartner erwiesen und stattliche Tagesgagen an Land gezogen. So weit, so gut. Alexander Ha Cohen machte jedoch Folgendes: für einen Film namens „Die sieben glorreichen Gladiatoren“ (I sette magnifici gladiatori, 1983) engagierte er Claudio Fragasso und Bruno Mattei, warum auch immer.

     

    Golan und Globus kamen dann nach Italien, um sich den fertigen Film anzusehen, für den man neben Lou Ferrigno auch Sybil Danning und in Nebenrollen Brad Harris und Dan Vadis beschäftigte. Und Golan wollte sich das Drehbuch von Mattei/Fragasso für den nächsten Film – Herkules – ansehen. Zum Ersten: „Die sieben glorreichen Gladiatoren“ war eine filmische Katastrophe. Zum Zweiten: als Erster hat wohl Ferrigno das Drehbuch zu Herkules in Anwesenheit Golan in den Müll geworfen. Danach hat Golan es gelesen und Cozzi zu sich bestellt. „Da gibt es eine Szene, in der die Nymphen Hercules einen blasen“, soll er zu diesem erbost gesagt haben und Cozzi gebeten haben, ob er in zehn Tagen ein neues Konzept vorstellen und ein Drehbuch anfertigen könne. Cozzi stellte sein Konzept vor und bekam die Regie.

     

    Auf die Auswahl der Darsteller und der Crew hatte er nicht viel Einfluss, denn es gab bereits bestehende Verträge, die erfüllt werden mussten. Nichtsdestotrotz stieg während der Dreharbeiten noch der ursprüngliche Kameramann aus und Ennio Morricone verweigerte – wie schon bei „Star Crash“ – seine Mitarbeit, das Ganze wäre nicht sein Stil. Cozzi bekam daraufhin Wunschkomponist Pino Donaggio. Bei den Darstellern durfte Cozzi sich die Cassiopeia selbst suchen, meiner Ansicht nach hat er mit der bis dato unbekannten Ingrid Anderson, die anschließend nur ein paar TV-Rollen vorweisen kann, keine ideale Entscheidung getroffen. Sie hat es einfach nicht und geht neben Mirella D’Angelo (Circe) in Sachen Attraktivität und Ausstrahlung komplett unter. Dabei gab es ein paar gute Darstellerinnen, die für die Rolle vorsprachen, unter anderem Lara Wendel, Isabella Ferrari und Valeria Cavalli. Ich persönlich fand die Testscreenings mit Lara Wendel recht überzeugend, die war Cozzi aber mit ihren 17 Jahren noch zu jung für Herkules und den 15 Jahre älteren Lou Ferrigno. Im Übrigen erinnert Claudio Cassinelli als Zeus in seinem Kostüm und den extem weißen Haaren und Bart eher an Väterchen Frost als an den griechischen Göttervater. Interessant ist noch Cozzis Besetzung des Daedalus mit der transsexuellen Eva Robins, wobei William Bergers Satz zu ihr, „darf ich zusehen, wie er wächst“ für einen ziemlichen Lacher sorgt, aber natürlich hat er etwas ganz anderes gemeint.

     

    Aber nun zum Endprodukt. Cozzi geht seine Herkules-Adaption gewohnt phantasievoll und mit gewohnt naiv-kindlicher Begeisterung an. Mitunter wirkt das Ganze eher wie ein Science Fiction-Film, wozu nicht nur die Art der Special Effects sondern auch Donaggios Musik beiträgt. Mit den früheren Peplums Italiens hat „Herkules“ jedenfalls nicht viel gemein – außer vielleicht einen Kampf mit einem Mann im Bärenkostüm, angereichert mit Szenen aus William Girdlers „Grizzly“, die man extra einkaufte, da das Bärenkostüm wohl schon etwas zerrupft war durch seine vorherige Verwendung in irgendeinem Barbaren-Film und zudem viel zu klein für den ein 1 Meter 93 großen Ferrigno als Gegner. Den Vogel schießt natürlich die Szene ab, in der Herkules den Bären ins All schleudert, wo er dann am fassungslosen Filmzuschauer vorbeischwebt. So einige Szenen in diesem Film machen fassungslos. Etwa die mechanischen Ungeheuer (Greif und Hydra), aus denen Cozzi robotergleiche Wesen machen ließ, um die Schwächen des spanischen Stop-Motion-Designers auszugleichen.

     

    Neben den Grizzly-Szenen aus Girdlers Film verwendet Cozzi weiteres Fremdmaterial, z. B. aus George Pal’s „Atlantis, der verlorene Kontinent“ (Atlantis: The Lost Continent, 1961). Im Interview mit Cozzi fehlen natürlich auch nicht dessen Begeisterung für George Méliès, und wieder stößt man so auf seine Eigenheit, dass er die zahlreichen Spezialeffekte eben absichtlich eher altbacken umgesetzt sehen wollte. Ich habe mir beim Ansehen unwillkürlich die Frage gestellt, wie er es geschafft hat, Geld für eine Fortsetzung zu bekommen – die unter noch kurioseren Umständen zustand kam und ebenfalls eine Fortsetzung zu obiger Mattei-Story darstellt. Dazu ein andermal mehr. Die Antwort gibt Cozzi selbst im Interview auf der Koch Media-Disk: obwohl „Herkules“ in Italien ein ziemlicher Flop war, spielte er allein in den USA 40 Millionen Dollar ein, bei etwa 2,5 Millionen Dollar Produktionskosten.

     

    Hatte ich schon erwähnt, dass Mattei, Fragasso und Ha Cohen nach „Die sieben glorreichen Gladiatoren“ von Cannon gefeuert wurden?

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Veröffentlichungen:

    Vor ein paar Monaten erschien „Herkules“ als Mediabook von Koch Media. Eine sehenswerte Veröffentlichung auf Blu-ray mit DVD und Bonus-DVD. Auf Letzterer finden sich u. a. die im Text erwähnten Interviews und Test-Screenings.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Filmplakate

    Links

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    IMDb

     

     

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