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Der heiße Tod

Deutschland | Italien | Liechtenstein | Spanien | Vereinigtes Königreich, 1969

  • Originaltitel: Der heiße Tod
  • Alternativtitel:

    99 Mujeres (ESP)

    L'amour dans les prisons des femmes (FRA)

    99 donne (ITA)

    99 Women (USA)

    Island of Despair (USA)

    Women's Penitentiary XII (USA)

    Isle of Lost Women

    Prostitutes in Prison

    The Hot Death

    Sex im Frauengefängnis

  • Deutsche Erstaufführung: 14. März 1969
  • Regisseur: Jesús Franco
  • Kamera: Manuel Merino
  • Musik: Bruno Nicolai
  • Drehbuch: Milo G. Cuccia, Carlo Fadda, Jesús Franco, Javier Péres Grober
  • Inhalt:

    Langsam bewegt sich ein Boot mit neuen Strafgefangenen auf eine Insel zu. Marie (Maria Rohm), Helga (Elisa Montés) und Natalie (Luciana Paluzzi) wurden gerade verurteilt und nun in das berüchtigte Gefängnis überführt. In dieser Festung herrscht Willkür und Angst, denn die Direktorin Thelma Diaz (Mercedes McCambridge) hat sehr eigenwillige Ansichten vom Strafvollzug. Sie regiert mit harter Hand und unmenschlichen Methoden, bekommt dabei die Absolution von oben. Der Gouverneur (Herbert Lom) trägt jede noch so zweifelhafte Entscheidung mit, da er im Gefängnis mit jungen Frauen versorgt wird. Als sich jedoch einige ungeklärte Todesfälle hinter diesen Mauern ereignen und sich Hinweise auf Unregelmäßigkeiten häufen, beauftragt das zuständige Ministerium die ambitionierte Inspectrice namens Leonie Caroll (Maria Schell), die für Aufklärung sorgen soll. Schon nach kürzester Zeit tun sich Abgründe auf und es entsteht ein erbittertes Tauziehen zwischen allen Parteien, das im Kampf ums Überleben gipfelt...

  • Autor: Prisma
  • Review:

    In seiner langen Karriere sollte Regisseur Jess Franco zahlreiche Gelegenheiten ergreifen, oder vielmehr konstruieren, um seine berüchtigten Women-in-Prison-Streifen umzusetzen. Der 1968 in Spanien und Italien gedrehte "Der heiße Tod" kann ohne jeden Zweifel als eines der Prunkstücke dieser Kategorie und sogar in der Franco'schen Filmografie bezeichnet werden. Einige Grundvoraussetzungen machen diesen Beitrag zu einem sehenswerten Flick, denn die Geschichte wirkt nicht ganz so seicht wie sonst vielerorts aufgetischt, auch die Ausstattung kann sich durchaus sehen lassen und alles wirkt noch ein bisschen seriöser als in späteren Jahren. Was sich zunächst wie ein Hemmschuh in diesem Genre anhört, bewirkt hier aber wahre Wunder, denn man kommt in den Genuss von Ausgewogenheit und guter Dosierung. Am spektakulärsten ist allerdings die große Starbesetzung, die diesen Frauengefängnisfilm in höhere Sphären hebt. Franco konzentriert sich auf die üblichen Zutaten, die den Stoff bilden, aus dem die Alpträume für Gefangene aller Couleur sind. Willkür, Sadismus, Missbrauch und Erniedrigung sind auf der Gefängnisinsel an der Tagesordnung und die ausführenden Arme der Ungerechtigkeit bekommen die passenden Gesichter von Herbert Lom und insbesondere Mercedes McCambridge. Vieles wirkt in diesem Beitrag zwar wesentlich weniger explizit, als in späteren Filmen des Spaniers, allerdings darf gleichzeitig attestiert werden, dass das anvisierte Ziel, zu beunruhigen, zu strapazieren und selbstverständlich reißerisch zu unterhalten in jedem Moment aufgeht, da aufgrund der wesentlich stichhaltigeren Inszenierung eine erhöhte Glaubwürdigkeit entsteht und "Der heiße Tod" weniger als abwegiges Märchen, durchzogen mit den eigentümlichen Ideen eines unverbesserlichen Voyeurs, zurück bleibt, wie es bei gewissen überspitzten Genre-Konkurrenten zu sehen ist.

     

    Jess Franco und Starbesetzung ist immer ein besonderes Vergnügen und angesichts der präziseren Zeichnungen der beteiligten Interpreten kommt es zu vielen hervorragenden Szenen und Dialogen, die zu einem hochwertigen Profil beitragen können. Sicher darf man sich hinter vorgehaltener Hand fragen, wie eine Schauspielerin von Maria Schells Format in diesem exploitativen Gerangel landen konnte, doch es sollte nicht die einzige Kollaboration zwischen ihr und Franco bleiben, denn wenig später bereicherte Maria Schell noch den Reißer "Der Hexentöter von Blackmoor" durch ihre bloße Präsenz. Über ihre Partizipation scheiden sich vermutlich die Geister, doch im Geschehen stellt sie tatsächlich eine der größten Überraschungen dar, die zwischen Idee und Ausführung, Logik und Güte, sowie Ökonomie und Hingabe hin und her pendelt. Miss Caroll begibt sich auf eine Fahrt ins Ungewisse, sie ist zunächst hoch ambitioniert und glaubt, die Geschehnisse im Gefängnis positiv beeinflussen zu können. Mit ihrer Partei ergreifenden Art und dem Demonstrieren von Wertevorstellungen verschafft sie sich schnell Vertrauen und sie hat ihr Ziel fest vor Augen, dem Schrecken und der Willkürherrschaft ein Ende zu setzen. Maria Schell war zu den Dreharbeiten schon gut über vierzig Jahre jung und sie wirkt reifer, hatte jedoch nichts von ihrer Anmut verloren. So beschäftigt sich die Kamera mit ausgiebigen Großaufnahmen ihres sanften Gesichtes und konzentriert sich auffallend auf die Sprache ihrer kraftvollen Augen, die in diesem Szenario jede Gefühlslage frappant untermauern. Sie wirkt wie der einzige Hoffnungsschimmer in diesem trostlosen Ambiente, doch ihre anfängliche Übermotivation und die selbst erzwungene Gelassenheit werden von allen Seiten her unterwandert, bis man ihr dabei zusehen kann, wie sie gegen hohe Widerstände kapitulieren, und gegen die eigene Resignation ankämpfen muss. Eine beachtliche Leistung von Maria Schell.

     

    Ihre Kontrahentin bekommt von der US-Amerikanerin und Oscar-Preisträgerin Mercedes McCambridge ein durch und durch perfides Gesicht verliehen. Dabei geht dem Zuschauer in der englischsprachigen Version ihre unverwechselbare Stimme durch Mark und Bein, die aber in der deutschen Sprachvariante nicht weniger eindringlich wirkt. Mercedes McCambridge lieh beispielsweise der besessenen Linda Blair ihre infernale Stimme in William Friedkins "Der Exorzist" aus dem Jahr 1973. Sie transportiert eine Art lüsternen Gesang in der Stimme, insbesondere wenn sie andere demütigen, quälen und ihnen Befehle erteilen kann. Ihre Superintendantin Thelma Diaz muss man einfach fürchten, möglicherweise sogar abgrundtief hassen; ihre Performance hingegen anerkennen und bewundern. Hochklassig ist, wie sie das knallharte Regiment in ihrem Gefangenenlager führt, und ausgefeilt ist die Darstellung einer Frau, die plötzlich mit unvorhergesehenen Kompetenzproblemen konfrontiert wird, sich dabei natürlich permanent zusammennehmen muss, damit sie nicht explodiert. Vor Wut kocht sie innerlich dennoch, bekommt aber von Herbert Lom, als widerwärtiger Gouverneur, ausreichend Schützenhilfe, um die neuen Methoden des unerwünschten Gastes zu torpedieren. Er rundet das teuflische Duo gekonnt mit einer Präzisionsvorstellung ab und stärkt der Aufseherin des Gefängnisses bei jeder Entscheidung den Rücken, da er im Gegenzug gewisse Annehmlichkeiten, in Form von vorzugsweise blonden Insassinnen verschafft bekommt. Ansonsten besticht Herbert Lom durch eisige Kälte und sein unerbittliches, dominantes Wesen. Die besonderen Momente im Rahmen der personellen Konstellationen entstehen nicht zuletzt durch dieses zunächst unermüdliche, aber letztlich ungleiche Tauziehen und wird abgerundet durch die gepeinigten Insassinnen des Gefängnisses.

     

    Die eigentliche Hauptrolle in dieser Produktion spielt wie so oft, und entgegen der Anordnungen in den jeweiligen Titelcredits, Maria Rohm. Sie zählte über Jahre hinweg zur Stammbesetzung des spanischen Regisseurs und konnte viele Geschichten bereichern. Ihr zerbrechlich wirkendes Wesen und die dunklen, traurigen Augen, prädestinierten sie für Opferrollen im Franco-Kosmos. Ihre Interpretation meistert sie hier mit leichter Raffinesse ohne sie jedoch mit großartiger Tiefe auszustatten. Die tragische Heldin wirkt daher beinahe exotisch neben all diesem Pack im Gefängnis. Mit Partnerin Rosalba Neri gehen auch die obligatorischen Wünsche der Regie in Erfüllung, denn es werden ein paar erotische Einlagen zum Besten gegeben, die im Sinne des Zeitfensters aber wohlgemerkt noch im gezügelten Rahmen vonstatten gehen. Neri spielt das durchtriebene Luder wie immer mit Bravour, ihre Striptease-Szene in einer der Rückblenden zählt unbedingt zu den erotischen Höhepunkten des kompletten Films. Elisa Montés wirkt herrlich verkommen und ordinär, hat dafür aber einen guten Kern zu bieten und wirkt schlussendlich ziemlich sympathisch. Außerdem freundet sie sich mit der Protagonistin an, was die konspirativen Kräfte hinter den Gefängnismauern andeutet. Was man von Luciana Paluzzi geboten bekommt, stimmt beinahe schon etwas ratlos, denn sie kommt nicht über eine kleine Gastrolle hinaus, vielleicht als Lockvogel für potentielle Interessenten. Ihre fünf Worte hat der Zuschauer nach einmaligem Anschauen auswendig gelernt und es ist schade, dass aus dieser Rolle nicht das Geringste herauszuholen war. So bleibt sie leider ausdruckslos zurück und geht neben der stärkeren Konkurrenz hoffnungslos unter. Insgesamt ist hier aber wirklich eine spektakuläre Besetzung vereint, die entweder auf darstellerischer Ebene, oder im optischen Sinn eine durchschlagende Überzeugungskraft vermitteln kann.

     

    "Der heiße Tod" zählt ohne jeden Zweifel zu den besseren, wenn auch konservativeren Filmen von Jess Franco. Über die Starbesetzung braucht nicht weiter geschwärmt zu werden, denn sie spricht definitiv für sich selbst. Aber auch als Komplettpaket funktioniert diese Produktion erstaunlich gut. Die Schauplätze sind aussagekräftig und offenbaren einen abwechslungsreichen Verlauf, selbst die Vorhersehbarkeit verschwindet gegen Ende des Verlaufs plötzlich hinter Gittern. Hinzu kommt, dass man mit Carlo Savina musikalisch gesehen auf der sicheren Seite ist, der dem Geschehen einen eingängigen Schliff gibt. Die Rückblenden, in denen die Gefangenen schildern, warum sie letztlich verurteilt wurden, sorgen für eine gelungene Abwechslung fernab der Strafanstalt, wenngleich sie auch manchmal nicht besonders originell erscheinen. Spannung und Action kommen insbesondere bei einem Fluchtversuch durch unwegsames Gebiet zum Tragen, das mit all den tödlichen Gefahren gekonnt inszeniert wurde. In den Bereichen Erotik und Brutalität ist eine globale Zurückhaltung nicht zu leugnen. In diesem Zusammenhang sind relativ wenige charakteristische Effekte aufzuspüren, wie etwa Folter, Nötigung oder diverse Veranschaulichungen aus dem Lexikon der Abscheulichkeiten, doch dafür überwiegen einfach andere Ansatz- und Schwerpunkte, die alles andere als uninteressant wirken. Aus den geschilderten Gründen rangiert "Der heiße Tod" im persönlichen Franco-Orbit seit jeher ganz weit oben, da man einfach eine sehr gelungene Inszenierung geboten bekommt, die unterhaltsam, kurzweilig und grundsolide ist, außerdem noch mit einem ungewöhnlich greifbaren Schuss Tragik ausgestattet ist. Für Frauenknast-Veteranen mag das Ganze vielleicht ein bisschen zu züchtig daher kommen, für diejenigen, die jedoch WIP-Fans werden möchten, ist "Der heiße Tod" als empfehlenswerter Einstieg unbedingt geeignet.

  • Autor: Prisma
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