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Das Haus mit dem dunklen Keller

Italien, 1983

  • Originaltitel: La casa con la scala nel buio
  • Alternativtitel:

    Uma Lâmina no Escuro (ESP)

    La maison de la terreur (FRA)

    A Blade in the Dark

    House of the Dark Stairway

  • Regisseur: Lamberto Bava
  • Kamera: Gianlorenzo Battaglia
  • Musik: Guido De Angelis, Maurizio de Angelis
  • Drehbuch: Elisa Briganti, Dardano Sacchetti
  • Inhalt:

    Der Filmkomponist Bruno hat sich in eine gemietete Villa zurückgezogen um den Soundtrack zu einem neuen Horrorfilm zu schreiben. Eines Abends findet er im Wandschrank eine (lebendige) junge Frau, die ihm zuerst Avancen macht, dann aber spurlos verschwindet. Als nächstes erscheint eine andere junge Frau, welche die verschwundene Vormieterin sucht, Bruno Avancen macht (zumindest in der deutschen Version) und dann ebenfalls spurlos verschwindet. Auf Brunos Aufnahmen taucht eine Botschaft der Vormieterin auf, seine Bänder werden zerstört, das Tagebuch der Vormieterin wird zuerst gefunden und dann vernichtet, und irgendwie ist alles ganz furchtbar mysteriös.

  • Autor: Maulwurf
  • Review:

    Die Ausgangsprämisse ist, dass in einem Krimi der Mörder im Dunkel oder zumindest im Halbdunkel herumschleicht. Wenn der Kommissar oder der Detektiv oder wer auch immer in den dunklen Keller geht und das Licht versucht anzuschalten, welches selbstverständlich niemals nicht funktioniert, dann ist Hochspannung angesagt. In jedem Schatten kann der Mörder lauern! Was für alle Krimis weltweit gilt ist für die italienischen Gialli natürlich Ehrensache. Hier sind die Schatten noch mal bedrohlicher, noch ein Stück finsterer, noch abgründiger, werden damit doch oft auch die Abgründe der Antagonisten dargestellt. Eine Ausnahme von der Regel gibt es, und das ist TENEBRAE von Dario Argento. Der Film, der das Wort Dunkelheit schon im Namen trägt, spielt zu weiten Teilen an hellen Orten und lichtüberfluteten Plätzen, was dank der hervorragenden Regie und des klugen Buches auch gut funktioniert.

     

    Aha, denkt sich Lamberto Bava, was der Dario kann das kann ich schon lange, und dreht ein Jahr nach TENEBRAE ebenfalls einen Film der in der Helligkeit spielt. Der Kamerafahrten durch lichte Gänge beinhaltet und versucht in einem leeren und offen wirkenden Haus eine dichte Atmosphäre zu inszenieren. Und als Ergebnis kann der Zuschauer den klaren Unterschied zwischen einem guten und einem mäßig begabten Regisseur erkennen. Oder soll BLADE wirklich eine Hommage an TENEBRAE sein? Eine Hommage wird gedreht als Referenz auf ein den vorliegenden Film beeinflussendes Werk, oder als Ehrerbietung an eine Person, etwa einen Regisseur. Beides aber würde ich mit einem gewissen zeitlichen Abstand verorten, und der beträgt nach meiner Meinung mehr als ein Jahr! Nein, BLADE ist keine Hommage, BLADE ist der Versuch sich an einen erfolgreichen Film des Vorjahres anzuhängen.

     

    Ich möchte bewusst darauf hinweisen, dass ich auf Dinge wie Logik oder sinnvolle Zusammenhänge pfeifen kann - wenn die Stimmung passt! Als alter Jess Franco-Afficionado muss es für mich inhaltlich bei weitem nicht immer perfekt sein, aber es muss von der Atmosphäre passen. Und was für Jess Franco-Filme gilt, das gilt genauso für Gialli. Wenn ich Logik brauche sehe ich mir eine Dokumentation an, aber ich möchte in den Film eintauchen können. Und leider ist es halt so, dass in BLADE überhaupt keine Atmosphäre vorhanden ist. Die Villa ist architektonisch nicht besonders aufregend, sie ist hell, sie ist leer, sie ist sauber … Wo bitte schön soll sich da eigentlich der Schrecken verstecken? Es hat viele Türen, und in einem Gang ist ein großer Vorhang, hinter dem sich schon Generationen von Mördern verstecken konnten, aber insgesamt weht dieser Hauch von Meister Proper durch den Film, wo doch der Fleckenteufel viel treffender wäre. An einer Stelle musste ich an BEGIERDE denken, aber wo Tony Scott mit leichter Hand eine mysteriöse und unheilvolle Stimmung aufbaut (nur mit Bildern wohlgemerkt!), da schaut BLADE höchstens interessant aus. Das passende Beispiel ist vielleicht die fehlende Sequenz der letzten Filmrolle, in welcher die Assoziation zum Mörder erklärt wird: Die Filmfigur läuft im Dunklen eine Treppe hoch, man sieht nur den Umriss und das Messer, und außenrum ist tiefe unheilvolle Schwärze. DAS ist Terror, DAS ist Schrecken mit fílmischen Mitteln. Diese kurze Szene enthält mehr Giallo-Atmosphäre als die ganzen 90 Minuten vorher …

     

    Also gut, ich rege mich ja schon wieder ab. Schauen wir doch mal was der Film sonst noch zu bieten hat. Da wäre einmal der Hauptdarsteller Andrea Occhipinti, der weniger Gesichtsausdrücke hat als Anthony Steffen, und tatsächlich immer exakt die gleiche Mimik(?) drauf hat, egal ob er komponiert, eine Einladung zu heißem Sex bekommt oder eine tote Frau findet. Ich kenne sogar Wäscheklammern mit mehr Ausstrahlung! Als Hauptdarsteller ist der Mann eine Katastrophe, er kann mit dieser Nullnummer ganz einfach keinen Film tragen. Es gibt eine wirklich spannende Sequenz etwa zur Hälfte der Laufzeit, wenn Bruno und Sandra (die Regisseurin des Films im Film) im Keller der Villa Geheimnisse aufdecken und währenddessen realisieren dass eine dritte Person im Haus ist. Ja, die Szene ist sauspannend, aber sobald Bruno wieder allein zu Haus ist, ist der Ofen aus. Die Spannungskurve sackt unter Null und das Interesse lässt wieder nach. Ergebnis: Glatte Fehlbesetzung.

     

    Die Mädels in dem Film sind nett anzuschauen, aber auch nicht mehr. Futter für den Killer, nur Anny Papa als Sandra wirkt wie eine FRAU anstatt wie ein Skihaserl. Andere Darsteller hat es nicht viele, wobei Stanko Molnar als Hausmeister Giovanni mehr mysteriöse und finstere Stimmung mit sich trägt als der ganze Film aufzubieten vermag. Aber ich will nicht schon wieder anfangen …

     

    Was in Zusammenhang mit den Mädels aber auffällt ist die episodenhafte Struktur des Films: Auftritt Fischfutter 1, letaler Abgang Fischfutter 1, Auftritt Fischfutter 2, und so weiter. Ursprünglich war BLADE als Serie für das italienische Fernsehen konzipiert, und in jeder Folge hätte ein Mädchen sterben sollen. Die Produzenten waren von der Idee dann so begeistert dass eben ein Film daraus wurde, aber die Episodenstruktur, die ist geblieben. Ob das gut oder schlecht ist mag jeder für sich beurteilen, mir persönlich missfällt es etwas.

     

    Gar nicht missfallen tut die Musik der Brüder Guido und Maurizio de Angelis. Die ist gut, richtig gut. Sie erinnert ein klein wenig an Musik von Goblin und hat die Fähigkeit Horror zu erzeugen. Leider wird sie stellenweise recht inflationär eingesetzt, weswegen es dann irgendwann ein wenig nervt (und gewissermaßen Horror erzeugt, muhaha …). Trotzdem, die Musik ist eines der Highlights des Films! Und die Kameraführung last but not least ist verflucht gut und ähnelt, welch Wunder, der herausragenden Kameraführung in TENEBRAE. Ein Schelm wer da böses denkt, aber die laaaaangen Kamerafahrten durch die hellen Flure des Hauses sind wirklich fein, und wenn die Gänge dann noch dunkel wären …

     

    Und nachdem BLADE ja ein Giallo ist wird hier natürlich auch gemordet. Die Morde allerdings sind deftig blutig, teilweise recht unangenehm inszeniert, und erzeugen einigermaßen Magenschmerzen. Vor allem die Szene im Badezimmer hinterlässt Eindruck, nicht nur in der Tischplatte. Aber den Film nun auf die Mordszenen zu reduzieren, das ist ehrlich gesagt nicht meines. Und darum noch mal: Ich wehre mich nicht gegen Versuche mit anderen Stilistiken, und ich wehre mich auch nicht gegen das Durchbrechen etablierter Formen!! Ganz im Gegenteil, TENEBRAE ist ein hervorragender Film der ordentlich Druck aufbaut und sehr spannend ist, gerade weil er mit einigen der gängigen Giallo-Schemata bricht. Nein, ich wehre mich gegen langweilige Filme. Und BLADE ist zu etwa zwei Dritteln ein langweiliger Film (und zu einem Drittel zugegeben recht intensiv). Stattdessen würde ich viel lieber den Film sehen mit dem BLADE beginnt: LA CASA CON LA SCALA NEL BUIO, der schaut nämlich wirklich gut und spannend aus. Und dunkel …

  • Autor: Maulwurf
  • Veröffentlichungen:

    Gesehen wurde die BluRay von X-Rated, erschienen als Nummer 10 der Euro Cult Collection. Technisch gesehen wie immer bei den ECC-Veröffentlichungen allerfeinste Sahne, sind als Schmankerln enthalten: Die italienische Originalversion mit deutscher und italienischer Tonspur mit deutschen Untertiteln, die um rund 11 Minuten kürzere Exportversion mit deutschem Ton, ein Audiokommentar von Pelle Felsch und Christoph Draxtra, ein Audiokommentar von Dr. Marcus Stiglegger, italienisches Werbematerial und der Originaltrailer. Das Mediabook enthält zusätzlich noch ein Booklet von Pelle Felsch mit einem Text über Mario Bava sowie den ersten Teil einer Abhandlung über die Filme von Lamberto Bava (Teil 2 folgt dann im Mediabook der ECC-Nummer 13 – BLASTFIGHTER).

  • Autor: Maulwurf
  • Filmplakate

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