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Das Haus im Nebel

Italien | Spanien, 1972

  • Originaltitel: La mansión de la niebla
  • Alternativtitel:

    Quando Marta urlò dalla tomba (ITA)

    Maniac Mansion (USA)

    The Murder Mansion (USA)

    Exorcism Mansion

  • Regisseur: Francisco Lara Polop
  • Kamera: Guglielmo Mancori
  • Musik: Marcello Giombini
  • Drehbuch: Luis G. de Blain, Antonio Troiso
  • Inhalt:

    Eine alte, verlassene Villa, die sich in der Nähe eines Friedhofs befindet, bekommt ungewöhnlichen Zulauf mehrerer Personen, da sich im dichten Nebel verfahren und dorthin verirrt haben. Zufällig ist auch die Besitzerin des Anwesens, namens Martha Clinton (Ida Galli) zugegen, die ihre unfreiwilligen Gäste mit allerlei kryptischen Geschichten über Aberglaube, mysteriöse Todesfälle und Vampire versorgt. Genau aus diesem Grund soll auch das umliegende Dorf so gut wie verlassen sein. Bei dieser Gelegenheit stellt sich ebenfalls heraus, dass sich einige der Leute bereits zu kennen scheinen. Da es schon im Vorfeld zu äußerst merkwürdigen Geschehnissen gekommen war, geht man sehr beunruhigt zu Bett. Was allerdings niemand ahnen konnte ist, dass die bevorstehende Nacht in einem schrecklichen und blutigen Albtraum gipfelt...

  • Autor: Prisma
  • Review:

    Bei "Das Haus im Nebel" handelt es sich um das Regie-Debüt des spanischen Regisseurs Francisco Lara Polop, bei dem gleich zu Beginn der Versuch auszumachen ist, formvollendete Momente zu präsentieren und auf eine beunruhigende Marschrichtung zu setzen, ausstaffiert mit allerlei wirksamen Zutaten des Gruselfilms. Bei diesem Beitrag ist es daher vielleicht angebracht, sich erst gar nicht eingängig über »Sein oder Nichtsein«, respektive mit der Frage zu beschäftigen, ob es sich um einen lupenreinen, beziehungsweise anteiligen Giallo, oder eben gar keinen handelt. Unter diesem Gesichtspunkt kommt es der doch sehr atmosphärischen Produktion möglicherweise nicht zugute, da falsche Vorstellungen oder zu hohe Erwartungen geweckt werden. Gleich die ersten Minuten warten mit zahlreichen Szenen auf, die aufmerksamkeitsfördernd wirken. Verheißungsvolle Musik und wirklich gruselige Sequenzen ebnen den Weg zu der verlassenen Villa, in der zugegebenermaßen zu schnell ein mögliches Zufallsprinzip ausgeschlossen wird.

     

    Jedoch ist so schnell auch wieder nicht zu erahnen, wo der Verlauf eigentlich hin möchte. Klassische Elemente treiben ein eigentümliches Wechselspiel mit einer zeitgemäß wirkenden, wenn auch teilweise halbherzig ausgearbeiteten Fa¬çon, im Sinne von möglicherweise erwarteten Schauwerten und typischen Kindern dieser Zeit. In der Zwischenzeit stützt man sich auf die anfänglichen Eindrücke voller Atmosphäre, doch die Spannungskurve lässt immer wieder abrupt nach, setzt dabei auf einige ausladende Dialoge, die für die notwendigen Hintergrundinformationen des Szenarios sorgen sollen. In diesem Zusammenhang beißt sich die vorhandene deutsche Synchronisation immer wieder auffällig mit den schnell etablierten Eindrücken, und das im Sinne von zu flapsig, oder der Stimmung und Situation zu wenig angemessen.

     

    Die Geschichte lässt sich dem Empfinden nach zu viel Zeit, wirkt inhaltsmäßig hin und wieder zu wenig forciert, wobei dies bestimmt mit einer gewissen Absicht geschieht, um in den richtigen Momenten für Paukenschläge zu sorgen, die es auch glücklicherweise geben wird. Francisco Lara Polop gelingt es oftmals sehr eindringlich, Momente des plötzlichen Schocks und der an den Nerven zerrenden Angst zu fabrizieren. Die dabei zur Geltung kommende, sich beschleunigende Akustik, die beispielsweise mit Herztönen und wirrem Gelächter durchzogen ist, vermag es spielend, den geneigten Zuschauer zu strapazieren. Die musikalische Untermalung des italienischen Komponisten Marcello Giombini packt dabei unerbittlich und sehr wirkungsvoll zu, begünstigt somit die anvisierte Spannung hervorragend und denkbar einfach. Auch das Spiel mit Licht, Schatten und dem Leitmotiv Nebel erzielt spielend seine beunruhigende Wirkung.

     

    Übersinnliche Motive richten sich hierbei zwar gekonnt auf, doch insgesamt vermisst man das kontinuierliche aufrecht Erhalten dieser Eindrücke und die Spannung wird zu oft grob-fahrlässig verspielt, was angesichts des grundsätzlich betriebenen Aufwands schade ist. Im Endeffekt schwächelt die Storyline im Rahmen der Herkömmlichkeit und man findet sich in der altbekannten Situation wieder, darüber nachzudenken, dass Potential ungenutzt verstrichen ist. Diese Kritikpunkte sollen jedoch kein Grund zur Ernüchterung sein, denn "Das Haus im Nebel" ist trotzdem unheimlich unterhaltend und hierfür sind ebenfalls die überaus gerne gesehenen Interpreten mit verantwortlich, die sich sehr als anpassungsfähig präsentieren und für markante Eindrücke sorgen können, wenngleich die Konstellationen letztlich oberflächlich bleiben.

     

    Wenn sich Ida Galli die Ehre gibt, ist es stets ein besonderes Vergnügen, vorausgesetzt man hat eine Antenne für ihr wie so häufig eher dezent angelegtes Schauspiel. Hier erneut unter ihrem Pseudonym Evelyn Stewart unterwegs, passt sie sich dem düsteren Set nicht nur effektiv an, sondern hat der morbiden Atmosphäre sehr viel aufgrund ihrer Körpersprache zu geben. Ihre beinahe maskenhaften Züge unterstützen die geheimnisvolle Aura dieser Dame, die die bunt zusammen gewürfelte Entourage mit verheißungsvollen Geschichten versorgt. Gallis geheimnisvolle Ausstrahlung wirkt dabei wie gemacht für eine derartige Geschichte und insgesamt liefert sie eine dichte und gut dosierte Performance, die aufgrund ihrer Vorzüge in Erinnerung bleibt. Die weibliche Doppelspitze wird von der Argentinierin Analía Gadé abgerundet, zu sehen in der Rolle der Protagonistin Elsa.

     

    Über sie werden gewisse Beschützerinstinkte wach, denn die attraktive Darstellerin gerät mehr als einmal unfreiwillig in Gefahr und dient bereitwillig als Projektionsfläche für Angst und Schrecken. Bekannte Genre-Gesichter wie beispielsweise Franco Fantasia, Alberto Dalbés oder Eduardo Fajardo erledigen ihre Aufgaben zufriedenstellend und der Verlauf ist mit diesen Herrschaften quasi nur als eine Frage der Zeit angelegt, da man förmlich darauf wartet, dass sich die Reihen merklich lichten werden. Unabhängig von etwa vorhersehbaren Elementen des Verlaufs, gibt es neben den vielen schauderhaften Sequenzen als Obolus einen willkommenen Whodunit, sowie ein überzeugendes Finale. Francisco Lara Polops "Das Haus im Nebel" ist unterm Strich ein kurzweiliges Grusel-Vergnügen geworden, das über ganz großartig in Szene gesetzte Schreckensmomente verfügt, das einige dramaturgische Schwächen nicht zuletzt wegen der gebündelten Intensität relativieren kann. Überzeugend!

  • Autor: Prisma
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