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Das Haus der Verfluchten

Italien, 1985

  • Originaltitel: 7, Hyden Park: la casa maledetta
  • Alternativtitel:

    Presencia siniestra (ARG)

    Formule pour un meurtre (FRA)

    7, Hyden Park: Fórmula para Um Crime (POR)

    Formula per un assassinio

    Formula for a Murder

  • Deutsche Erstaufführung: 25. September 1986
  • Regisseur: Alberto De Martino
  • Kamera: Gianlorenzo Battaglia
  • Musik: Francesco De Masi
  • Drehbuch: Alberto De Martino, Vincenzo Mannino
  • Inhalt:

    In dem ihrem Sportzentrum verliebt sich die gelähmte und sehr wohlhabende Joanna (Christina Nagy) in den Trainer Craig (David Warbeck), sehr zum Ärger ihrer Freundin und Lebensgefährtin Ruth (Caroll Blumenberg).  Als Craig Joanna einen Heiratsantrag macht, informiert ihr Arzt Dr. Sernich (Rossano Brazzi) ihn darüber, dass Joannas Lähmung von einem traumatischen Kindheitserlebnis herrührt, als sie vor einem als Pfarrer verkleideten Triebtäter missbraucht wurde.

     

    Nach ihrer Hochzeit mit Craig wird Joanna von einem als maskierten Priester terrorisiert, der sie offenbar in den Tod treiben will. Zudem wird sie von schrecklichen Albträumen geplagt, in denen sie nicht nur Opfer sondern auch Täterin ist.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    „Warbeck goes Berserk!“
    (Tagline der britischen DVD)

    Da weder Taglines noch Regisseur Martino selbst ein großes Geheimnis um die Auflösung des ganzen machen, werde ich das ebenso wenig tun. Schon während des zweiten Priestermords offenbart Martino die Identität des/der Täter/s, und Zuschauern der deutschen Fassung haben es aufgrund der markanten Synchronstimme Warbecks eh schon beim ersten Mord – also gleich zu Anfang – gewusst. Und mal ehrlich, viele Varianten waren von vornherein nicht möglich, nicht zuletzt aufgrund einer sehr geringen Darstelleranzahl.

     

    Unter dem Pseudonym Martin Herbert inszenierte Alberto de Martino diesen Giallo für Fulvia-Produzent Fabrizio de Angelis in den USA, der es im September 1986 immerhin noch zu einer deutschen Kinopremiere brachte, leider nur in zensierter Form. „Das Haus der Verfluchten“ ist trotz seiner Vorhersehbarkeit sehr spannend inszeniert und ist nicht nur ein guter sondern einer der besten Spät-Gialli. Mit Blut wird ebenfalls nicht gespart. Obwohl Martino hier wieder sehr viel Wert auf den menschlichen Drama-Anteil legt, ist „Das Haus der Verfluchten“ nichtsdestotrotz sein gradlinigster Giallo-Beitrag. Overacting gibt’s geschenkt, in dem Fall größtenteils von Warbeck himself.

     

    Die Musik von Francesco de Masi ist wechselhaft, sehr synthesizerlastig und gegen Ende tauchen mehrfach Töne aus ganz bestimmten Tracks aus „Das Haus an der Friedhofsmauer“ auf. Möglicherweise eine gewollte Referenz an den im gleichen Jahr verstorbenen Alexander Blonksteiner. Was den Film für mich persönlich ein wenig runter reißt, ist das langgezogene Finale, in dem Warbeck sich mindestens ebenso oft wieder erhebt wie Michael Myers. Hätte ich nicht gebraucht.

     

    Beim Thema Trauma geht das Drehbuch von de Martino und Vincenzo Mannino in die Vollen: Joanna wurde als Elfjährige von einem als Priester verkleideten Triebtäter vergewaltigt. Anschließend (oder davor?) stürzt sie eine Treppe hinab und bleibt gelähmt. Als Erwachsene droht ihr nach ihrer Heirat nicht nur ein Trauma, falls sie sich wieder an dieses komplett verdrängte Missbrauchserlebnis erinnert, sondern obendrein ein tödlicher Herzschlag. Zwei Erbschleicher wollen sich dies zunutze machen und sie so fertig machen, bis ihr Herz seinen Geist aufgibt. Fies. Natürlich handelt es sich bei diesem Szenario um eine typische Giallo-Variante, hier jedoch völlig auf die Spitze getrieben. So viel zum Thema menschliches Drama.

     

    Habe ich schon erwähnt, dass „Das Haus der Verfluchten“ Alberto de Martinos letzter brauchbarer Film ist? Im selben Jahr entstand noch der unsägliche „Miami Golem“ – ebenfalls mit David Warbeck – den Martino in der Vergangenheit gar zunächst bestritten hatte, da er seine Regiearbeit aufgrund einer mangelhaften Endbearbeitung selbst kaum wieder erkannte. Nach diesen beiden Filmen widmete sich de Martino endgültig seinem zweiten und (aufgrund des hohen Outputs) finanziell einträglicheren Standbein, dem Dubbing ausländischer Produktionen. Er starb am 2. Juni 2015 in Rom, im Alter von 85 Jahren.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Links

    OFDb
    IMDb

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