Gunan - König der Barbaren

Italien, 1982

  • Originaltitel: Gunan il guerriero
  • Alternativtitel:

    Gunan, el guerrero (ESP)

    The Invincible Barbarian (GBR)

    O Imperador dos Bárbaros (POR)

    Gunan, King of the Barbarians (USA)

    Mervians Sohn

  • Deutsche Erstaufführung: 20. Mai 1983
  • Regisseur: Franco Prosperi
  • Kamera: Pasquale Fanetti
  • Musik: Roberto Pregadio
  • Drehbuch: Piero Regnoli
  • Inhalt:

    Einst wurde dem grausamen Stammesführer Nuriak (Emilio Messina) von einem nächtlichen Eindringling vorhergesagt, dass wenn er den Stammesführer Mevian und seine Frau tötet, dessen Sohn Gunan ihn richten würde. Damit diese Prophezeiung sich auch ja erfüllt, überfällt Nuriak das Dorf der Nantuk, streckt Mevian nieder und enthauptet Mevians Frau, die gerade zwei Söhnen das Leben geschenkt hat. Doch das weiß Nuriak nicht.

     

    Die beiden Söhne wurden von einer alten Frau bereits aus dem Dorf geschafft und werden von einem Amazonenstamm aufgezogen, namentlich von deren Zauberin Marga (Marisa Longo). Den beiden Jungen hat man jedoch keine Namen gegeben, denn die Amazonen wissen nicht, welcher von Beiden der in der Prophezeiung (woher wissen die Amazonen davon?) angekündigte Gunan ist.

     

    Die Brüder – inzwischen erwachsen geworden – müssen gegeneinander antreten, um sich zu beweisen, denn nur einem ist es vorherbestimmt, den Tod ihrer Eltern zu rächen.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Schaut man die ersten Minuten von „Gunan – König der Barbaren“, hat man zunächst das Gefühl, man wäre in einem Bruno Mattei-Film. Das Ganze beginnt mit einer schlechten Kopie der Eröffnungsszene von „Conan, der Barbar“, inklusive der Zeitlupen-Aufnahmen, selbstredend nur für Zwei Mark Fuffzig inszeniert. Zuvor sieht man ein paar Statisten, die die Dorfbewohner der Nantuk verkörpern, recht ziellos umherwandeln, wohl mangels konstruktiver Regieanweisungen.

     

    Es geht lustig weiter, denn offenbar hat Franco Prosperi in Biologie und Sexualkunde geschwänzt. Die Frau des Stammesführers Mevian befindet sich in den Wehen, dann ist es soweit, und die Hebamme meint nach nur ein paar Sekunden sowas wie Huch, das sind ja gleich zwei Jungen, so als wären die beide gleichzeitig rausgeploppt. Das hätte Herr Prosperi ruhig recherchieren können. Danach der Überfall auf das Dorf, die frischgebackenen Eltern werden getötet, und Prosperi inszeniert das wildromantisch-dramatische Szenario, wie der sterbende Nuriak die Hand während seiner letzten Atemzüge nach der Geliebten ausstreckt. Getrübt wird die Romantik allerdings durch die Tatsache, dass sie zu diesem Zeitpunkt keinen Kopf mehr hat.

     

    Als Nächstes befinden wir uns im Palmendörfchen der Amazonen, ein Tiger wird durch das Dorf geführt, und man merkt den Statisten deutlich eine gewisse Anspannung an. Offenbar sind sich die Darstellerinnen sehr bewusst, dass sie sich in einer Billigproduktion befinden, und der Kerl, der den Tiger an der Leine führt, nach dem Abbiegen hinter einen Hügel vermutlich gefressen wurde. Auch stellt man sich die Frage, was der Auftritt dieses Tigers überhaupt sollte, denn für Story oder Film war das völlig irrelevant, wie leider auch viele weitere Szenen dieses Films, den man mit sichtlicher Mühe auf 87 Minuten gestreckt hat.

     

    Kommen wir zu den beiden namenlosen Brüdern, die nun um den Titel oder Namen „Gunan“ kämpfen sollen. Kurzzeitig stieg dabei in mir die Frage auf, warum die Amazonen damit gewartet haben, bis die Zwei stramm auf die Fünfzig zugehen. Denn sowohl Pietro Torrisi als auch Giovanni Cianfriglia treiben bereits seit den Peplum-Zeiten der frühen sechziger Jahre ihr Umwesen im italienischen Genrefilm, Torrisi meist nur in Nebenrollen, bis ihm die Barbarenwelle der Achtziger immerhin drei Titelrollen verschaffte. Und so ist natürlich „Peter McCoy“ (Torrisi) der einzig wahre Gunan, während sein weiterhin namenloser Bruder bei seinem Rachversuch an dem grausamen Nuriak und seinen Mordschergen kläglich scheitert. Fairerweise sollte man erwähnen, dass die Hauptdarsteller dieses Films ihre Sache ganz gut machen, das gilt auch für Marisa Longo. Die spielt die Zauberin des Amazonendorfes und hat offensichtlich eine Schwäche für Gunan, obwohl es als strenges Tabu gilt, dass sich eine Angehörige dieser (unfruchtbaren) Amazonen von einem sterblichen Mann berühren lässt. Andeutungen, dass es sich bei diesen Amazonen um Unsterbliche handelt, die sich in Tiere verwandeln können, sind zu vage, um sie verifizieren können. Wie so vieles an dieser Story.

     

    Wenn diese Amazonen also unfruchtbar sind – und womöglich nicht unsterblich – wie pflanzen sie sich also fort? Hier kommt Sabrina Siani ins Spiel. Mit einer Gruppe anderer Frauen wird sie irgendwann mittendrin ins Dorf geführt und soll sich wie ihre Leidensgenossinnen irgendwann mit irgendwelchen Kriegern paaren. Wo die herkommen sollen, wissen wir nicht, wie so vieles andere ebenso. Entweder war das Drehbuch für mich oder für Prosperi zu kompliziert. Ein Hinweis ist womöglich der Massenvergewaltigungsversuch durch eine Gruppe Heckenstrolche, welchen unser Held im letzten Moment unterbinden kann. Gunan verliebt sich natürlich in Leena (Siani), was zu Eifersucht und Verrat von Seiten Marisa Longos führt und schließlich zum – nach einem letzten Blick auf Sabrina Sianis Vorder- und Rückansicht – enttäuschend dilettantisch inszenierten Finale, nach welchem auch die Verratsgeschichte sang- und klanglos fallen gelassen wird.

     

    Ah, eins noch. Ist Nuriak nie die Idee gekommen, auf die Ermordung Mevians und dessen Frau zu verzichten, damit die Prophezeiung seines Todes durch das Schwert Gunans sich nicht erfüllt? Offensichtlich nicht. Ebenso wenig wie ihm die Idee abging, Sabrina Siani gegen Ende die Hände zu fesseln während sie auf Gunan liegt, damit sie ihn nicht befreien kann. Aber niemand hat behauptet, Barbaren wären klug.

     

    Fazit: nur für ganz hartgesottene Fans überalterter, sehr langsam denkender Barbaren. Und wer nach dem Genuss dieses Films noch ein paar Sekunden Muße hat, kann ja mal darüber nachdenken, welche Relevanz die Rolle Sabrina Sianis für die Story hatte. Nicht, dass das wichtig wäre, schließlich ist sie die ganze Zeit halbnackt.

  • Autor: Gerald Kuklinski
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