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Die Grotte der vergessenen Leichen

Italien, 1971

  • Originaltitel: La notte che Evelyn uscì dalla tomba
  • Alternativtitel:

    La noche que Evelyn salió de la tumba (ESP)

    L'appel de la chair (FRA)

    Regressada da Tumba (POR)

    The Night Evelyn Came Out of the Grave (USA)

    The Night She Arose from the Tomb

    The Night That Evelyn Left the Tomb

    Die Nacht in der Evelyn aus dem Grab kam

    Stumme Schreie

  • Deutsche Erstaufführung: 05. Dezember 1975
  • Regisseur: Emilio Miraglia
  • Kamera: Gastone Di Giovanni
  • Musik: Bruno Nicolai
  • Drehbuch: Fabio Pittorru, Massimo Felisatti, Emilio Miraglia
  • Inhalt:

    Seit dem Tod seiner Frau Evelyn kämpft der wohlhabende Lord Alan Cunningham (Anthony Steffen) mit psychischen Auffälligkeiten. Er steht dermaßen unter dem Zwang seiner verstorbenen Gattin, dass er sich Prostituierte aussucht, die Evelyn ähnlich sehen, um sie schließlich in der Folterkammer seines halb verfallenen Schlosses sadistisch zu quälen, was auch Susie (Erika Blanc) schmerzhaft erfahren muss. Doch befreien kann er sich mit diesen Maßnahmen nicht von ihr, ganz im Gegenteil. So rät ihm sein Psychiater Dr. Timberlane (Giacomo Rossi-Stuart) wieder zu heiraten. Auf einer Party lernt er die attraktive Gladys (Marina Malfatti) kennen, die er innerhalb von kürzester Zeit heiratet. Doch das Glück ist nur von kurzer Dauer, da sich unheimliche Dinge im Schloss ereignen, denn Evelyn ist bereits mehrmals erschienen und Alan droht endgültig den Verstand zu verlieren. So beschließt Gladys die Familiengruft aufzusuchen und macht eine entsetzliche Entdeckung. Der Sarg ist leer und seitdem geschehen bestialische Morde. Ist Eyelyn tatsächlich aus dem Grab gestiegen..?

  • Autor: Prisma
  • Review:

    Diese Produktion von 1971 besteht in isoliert voneinander wirkenden Teilen aus klassischem Giallo, Thriller und Grusel-Horror, trifft jedoch keine direkte Entscheidung über die eigentliche Hauptrichtung, von daher ist eine Einschätzung auch verhältnismäßig schwierig, aber letztlich auch irrelevant. Diese empfunden andere Variante sollte womöglich eine neue Richtung mitgeben, um diesen Film von anderen innerhalb der Gialli-Schwemme abzugrenzen. Gelungen oder nicht? Diese Entscheidung bekommt einmal wieder der Zuschauer in Eigenregie auferlegt, was hier allerdings nicht schlimm ist, denn der Film hat einen spürbaren Unterhaltungswert. Vielleicht sollte man sich erst gar nicht mit tiefschürfend-psychologischen Überlegungen herumquälen, denn dafür ist "Die Grotte der vergessenen Leichen" möglicherweise gewollt oberflächlich gehalten und insgesamt auch stellenweise verwirrend ausgefallen, was allerdings nicht bedeutet, dass der rote Faden fehlt. Der italienische Regisseur Emilio Miraglia inszenierte nicht uninteressant und er schafft es zunächst einmal, die Aufmerksamkeit von Anfang bis Ende zu forcieren. Dabei heiligt der Zweck zwar alle Mittel, aber die Zuseher möchten schließlich auch etwas Originelles geboten bekommen. Zugegeben, die Vorhersehbarkeit ist auf einem Silbertablett deutlich präsent, jedoch ganz so müde, wie dieser Beitrag gerne in etlichen Kritiken genannt wurde, zeigt sich der Verlauf dann wirklich nicht, denn die Atmosphäre ist streckenweise eine ganz feine, außerdem bekommt man ein Fließband an atemberaubenden Bildern geboten.

     

    Anthony Steffen als degenerierter Lord macht eine überzeugende Figur, besonders wenn er seine manischen Anwandlungen bekommt. Dass er sich mit Tortur, Sex, Qual, Folter und schließlich Heirat in ein stabiles psychisches Gleichgewicht bringen möchte (letzteres soll überdies auf einer angeblich psychologischen Expertise beruhen), ist gelinde gesagt absurd, wenn auch hier irgendwie das Salz in der Suppe. Es bleibt allerdings weitgehend offen, ob man es lediglich mit einem Perversen zu tun hat, oder doch mit einem Psychopathen. Die Wahl fällt schließlich auf beides. Steffen stellt hier also keinen Zuschauer-Schmeichler dar. Dies gilt aber für nahezu alle Beteiligten der Geschichte, denn es wimmelt von unsympathischen und eigenartigen Gestalten. In darstellerischer Hinsicht löst Steffen seine Aufgabe jedoch gewohnt solide. Marina Malfatti wirkt zwar sicher und überzeugend, verblasst aber leider vollkommen im roten Licht der umwerfenden Italienerin Erika Blanc, die man wie so oft in einer der kleinen, aber wichtigen Star-Rolle sieht. Ohne jeden Zweifel liebte die Kamera dieses atemberaubend schöne Gesicht und alles was dazu gehört sehr. Viele Großaufnahmen, etliche, sie in den Fokus rückende Sequenzen, intensiver Körpereinsatz und wenig Dialog. Erika Blanc strahlt immer ein wenig in Unnahbarkeit und Distanz, obwohl man manchmal glaubt, sie berühren zu können. Einfach nur wunderbar, sie ist quasi ein Musterbeispiel an Ausstrahlung und Wirkung. Giacomo Rossi-Stuart und Enzo Tarascio erfreuen zusätzlich mit überzeugenden Leistungen, wobei man auch unter ihnen keinen Helden finden wird, was sich im Sinne der Geschichte als gute Strategie erweist.

     

    Der Verlauf gibt sich immer wieder trügerisch ruhig, um in eindeutiger Manier aus sich herauszukommen. Peitschen, Würgen, Vergiften, lebendig begraben werden und Erschlagen gehören hier zu kleinen ABC im Bereich Effekte, auch ein paar Innereien werden serviert und hier beispielsweise von ein paar Gourmet-Füchsen verspeist. Das Blut fließt allerdings eher verhalten, sodass man den Nervenkitzel über teils unmotiviertes Handeln, aber auch eine packende und unheimliche Atmosphäre, sowie Traumsequenzen aufzubauen versuchte. Die Tricks sind von wechselhafter Qualität, hin und wieder misslungen, dennoch kommt insgesamt gesehen schon eine eigenartig faszinierende Atmosphäre auf, die dem Szenario einen markanten Schliff gibt. Hervorragend ist die musikalische Arbeit von Bruno Nicolai, auch die Bildgestaltung ist wie erwähnt der Stimmung sehr zuträglich, und die Schauplätze mit ihrer opulenten Ausstattung wissen zu gefallen. Was ein wenig zu kritisieren kann ist, kann allgemein beim Spannungsaufbau gesucht werden, der zu einseitig über diffuse Horror- und Grusel-Elemente abläuft, und weniger an einen Giallo reinster Seele erinnert. Glücklicherweise kann man hingegen immer mal wieder Spuren von feinem Humor und Sarkasmus aufspüren. Im Endeffekt weht in "Die Nacht als Evelyn aus dem Grab kam" ein angenehm wirkender, frischer Wind, und das Konzept dieses Unterhaltungsdiktates geht schließlich auf. Für Freunde der Darsteller und der unterschiedlichen Genres ist also einiges dabei, auch wenn sich die Geschichte aufgrund schleierhafter Elemente nicht immer restlos und daher zufriedenstellend erschließt. Ein farbenfroher, berieselnder und insgesamt sehenswerter Beitrag.

  • Autor: Prisma
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